Viswanathan Anand, bekannt als Vishy, (geboren am 11. Dezember 1969) ist ein ehemaliger Schachweltmeister und einer der einflussreichsten Spieler der modernen Schachgeschichte. Er stammt aus Indien und gilt als Pionier, der das Spiel in Indien einer breiten Öffentlichkeit nähergebracht und eine ganze Generation indischer Großmeister inspiriert hat. Anand wurde 1988 Großmeister und war damit einer der ersten indischen Spieler, die diesen Rang erreichten. Er ist der älteste Spieler der Neuzeit, der zum ersten Mal klassischer Weltmeister wurde: er war 37 Jahre alt, als er 2007 gewann.

Frühe Jahre und Aufstieg

Anand zeigte schon früh außergewöhnliches Talent und erreichte rasch internationale Erfolge bei Jugend- und Nachwuchsturnieren. Seine schnelle Auffassungsgabe und sein Talent für Blitz- und Schnellschach machten ihn bereits in jungen Jahren zu einem gefürchteten Gegner. In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren etablierte er sich als Stammgast bei den wichtigsten Turnieren der Welt und sammelte zahlreiche Turniersiege sowie Spitzenplatzierungen in Linares, Wijk aan Zee (Corus/Tata Steel), Dortmund und vielen anderen Turnieren.

Weltmeisterschaften und Rekorde

Als die Weltmeisterschaft geteilt war, spielte Anand in beiden Versionen um den Weltmeistertitel. In den klassischen Schachzyklen (teilweise als "PCA-Zyklus" bezeichnet) schlug er Gegner wie Oleg Romanishin und Michael Adams ohne Niederlage und gewann im Kandidatenfinale gegen Gata Kamsky. 1995 trat er im World Trade Center von New York City in der Schachweltmeisterschaftsbegegnung gegen Garry Kasparow an. Nach acht Eröffnungsunentschieden — ein Rekord für den Beginn einer Weltmeisterschaftspartie — erzielte Anand in Partie neun einen spektakulären Sieg durch ein Wechselopfer, verlor jedoch später das Match 10½–7½.

Anand hielt die FIDE-Schachweltmeisterschaft von 2000 bis 2002 (ein KO-Format) und wurde 2007 unangefochtener Weltmeister, als die Titel wieder vereinigt waren. Damit ist er der erste Spieler der Schachgeschichte, der den Weltmeistertitel in drei unterschiedlichen Formaten gewonnen hat: K.o.-Turnier, Rundenturnier und Match. Er verteidigte seinen Titel 2008 erfolgreich gegen Wladimir Kramnik. Weitere erfolgreiche Titelverteidigungen folgten: gegen Veselin Topalov (6½–5½) im Mai 2010 und gegen Boris Gelfand im Jahr 2012 — das Match endete 6:6, die Entscheidung fiel durch einen Vier-Partien-Rapid-Tiebreak, den Anand gewann.

2013 verlor Anand den Titel an Magnus Carlsen und unterlag auch im Revanchematch 2014 mit 4½–6½. Trotz des Titelverlustes blieb er ein regelmäßiger Spitzenspieler auf Weltniveau.

Ranglisten, Rating und Spielstil

Anand gehört zu einer kleinen Elite, die die 2800er-Marke in der FIDE-Rangliste durchbrach; er erreichte ein Karrierehoch von 2817 (März 2011). Im April 2007 wurde er im Alter von 37 Jahren erstmals die Nummer eins der Welt. Von April 2007 bis Juli 2008 stand er fünf von sechs Mal an der Spitze der Weltrangliste und hielt insgesamt 15 Monate lang die Nummer eins. Im Oktober 2008 schied er zum ersten Mal seit Juli 1996 aus den Top drei der Weltrangliste aus.

Spielerisch zeichnet sich Anand durch Vielseitigkeit, extrem schnelles und präzises Rechnen (vor allem im Schnellschach) sowie exzellente Eröffnungs- und Vorbereitungsarbeit aus. Er ist berühmt für seine Fähigkeit, in komplizierten taktischen Stellungen kreative Entscheidungen zu finden, und für seine Ruhe am Brett in kritischen Situationen.

Erfolge, Verdienste und Auszeichnungen

  • Er gewann zahlreiche Top-Turniere weltweit, darunter mehrfache Erfolge in Linares, Wijk aan Zee (Corus/Tata Steel) und Dortmund.
  • Er ist der erste Spieler, der den Weltmeistertitel in drei verschiedenen Formaten gewann: KO-, Turnier- und Matchsystem.
  • Er durchbrach als einer der wenigen die 2800er-Marke und hielt über Jahre hinweg eine konstant hohe Weltklassestärke.

Für seine Leistungen wurde Anand vielfach geehrt: 1991–92 war er der erste Empfänger des Rajiv Gandhi Khel Ratna, Indiens höchster sportlicher Auszeichnung. Er erhielt mehrere zivile Auszeichnungen, darunter den Padma Vibhushan (2007); zuvor wurden ihm Padma Shri (1987) und Padma Bhushan (2000) verliehen. Seine Verdienste um den Schachsport machten ihn zu einer nationalen Ikone in Indien.

Persönliches und Vermächtnis

Obwohl er seine indische Staatsbürgerschaft beibehält, lebt Vishy seit vielen Jahren in Spanien. Neben der Turnierpraxis beteiligt er sich an der Förderung des Schachs in Indien und international, tritt als Zuschauerliebling bei Schachveranstaltungen auf und inspiriert Spieler aller Altersklassen. Sein Einfluss zeigt sich in der starken Entwicklung des indischen Schachnachwuchses und in der wachsenden Popularität des Spiels in seinem Heimatland.

Anand bleibt eine prägende Figur des modernen Schachs — nicht nur wegen seiner Titel und Turniererfolge, sondern auch wegen seiner sportlichen Fairness, seines Beitrags zur Öffnung des Spiels und seiner Rolle als Botschafter des Schachs weltweit.