Schachweltmeister sind Spieler, die das Wettkampfverfahren zur Ermittlung des Weltmeisters im Schach gewonnen haben. Theoretisch können sowohl Männer als auch Frauen den offenen (generellen) Weltmeistertitel erringen, praktisch hat bislang jedoch noch keine Frau ein Match um den offenen Weltmeistertitel bestritten. Es existiert daneben eine eigene Frauenweltmeisterschaft; außerdem werden Weltmeistertitel in verschiedenen Altersklassen (z. B. U20) vergeben.

Geschichte kurz

Die erste als offiziell anerkannte Weltmeisterschaft fand 1886 statt (Wilhelm Steinitz gegen Johannes Zukertort). Vor 1886 galten einzelne Spitzenspieler zwar als "inoffizielle" Weltmeister, doch gab es keinen formalen Titel. Nach dem Tod von Alexander Aljechin 1946 war der Titel vakant; 1948 organisierte der Weltschachverband FIDE ein Turnier zur Neuvergabe der Meisterschaft (gewonnen von Mikhail Botvinnik). Zwischen 1993 und 2006 war der Weltmeistertitel gespalten: einerseits die traditionelle/klassische Linie (z. B. Garry Kasparov, später Wladimir Kramnik), andererseits ein von der FIDE organisierter Titel, der in verschiedenen Formaten (Turniere, Knockout) vergeben wurde. 2006 wurden die beiden Linien wiedervereinigt.

Modus und Zyklus

Der Modus zur Ermittlung des Weltmeisters hat sich mehrfach geändert: frühere Titelübergaben erfolgten oft durch direkte Herausforderungsmatches; nach 1948 etablierte die FIDE einen Zyklus mit Qualifikationsturnieren, Interzonenturnieren und dem Kandidatenturnier bzw. Kandidatenmatches. In den 1990er/2000er-Jahren experimentierte die FIDE mit Knockout-Weltmeisterschaften. Heute (nach der Wiedervereinigung) ist das Verfahren ein mehrstufiger Zyklus mit Grand-Prix-/Zonenturnieren, Kandidatenmatches/-turnier und dem WM-Match zwischen Titelverteidiger und Herausforderer.

Beispiel: WM 2013

Das WM-Match 2013 fand zwischen Anand (Titelverteidiger) und Magnus Carlsen (Herausforderer) in Chennai statt, der Hauptstadt von Tamil Nadu, wo Anand aufwuchs. Carlsen gewann das Match mit 6,5:3,5 (drei Einzelsiege: Spiele 2, 3 und 10) und wurde damit 2013 neuer Weltmeister. Magnus Carlsen, damals 22 Jahre alt und aus Norwegen, verteidigte den Titel anschließend mehrfach (2014, 2016, 2018, 2021), entschied sich jedoch 2023 gegen eine Titelverteidigung. Nach dem WM-Match 2023 ist der aktuelle Weltmeister Ding Liren (seit 2023).

Besondere Hinweise

  • Einige berühmte WM-Matches fanden an neutralen Orten oder unter besonderen Umständen statt: FischerSpassky (Island), Aljechin – Capablanca (Buenos Aires). In der Sowjetzeit wurden viele Titelkämpfe in Moskau ausgetragen.
  • Die Austragungsorte werden heute häufig durch Sponsoring und organisatorische Bewerbungen bestimmt; so wurden auch Spiele wie das Match 2013 in Chennai durch die Entscheidungen der FIDE möglich.

Liste der Weltmeister (klassische bzw. wiedervereinigte Linie, seit 1886)

  • Wilhelm Steinitz (1886–1894)
  • Emanuel Lasker (1894–1921)
  • José Raúl Capablanca (1921–1927)
  • Alexander Aljechin (1927–1935, 1937–1946)
  • Max Euwe (1935–1937)
  • Mikhail Botvinnik (1948–1957, 1958–1960, 1961–1963)
  • Vasily Smyslov (1957–1958)
  • Mikhail Tal (1960–1961)
  • Tigran Petrosian (1963–1969)
  • Boris Spassky (1969–1972)
  • Bobby Fischer (1972–1975)
  • Anatoly Karpov (1975–1985)
  • Garry Kasparov (1985–2000; ab 1993 begann die Spaltung des Titels)
  • Wladimir Kramnik (2000–2006 klassisch; 2006 Vereinigungssieg gegen Wesselin Topalov; danach vereinter Weltmeister 2006–2007)
  • Viswanathan Anand (2007–2013)
  • Magnus Carlsen (2013–2023)
  • Ding Liren (seit 2023)

Hinweis zur Spaltung 1993–2006: In diesem Zeitraum gab es parallel zum klassischen Titel (Kasparov, später Kramnik) einen von der FIDE vergebenen Titel, der in unterschiedlichen Formaten vergeben wurde. Die Spitzenlage befand sich 2006 in der Wiedervereinigung des Titels.

Weiterführende Informationen

  • Modusänderungen und historische Matches sind zentral für das Verständnis der Entwicklung des Titels.
  • Die Frauenweltmeisterschaft und Altersklassen-Titel haben eigene Turnierzyklen und Siegerlisten.
  • Aktuelle Informationen zu laufenden WM-Zyklen und Herausforderern veröffentlicht die FIDE sowie die großen Schachverbände und -portale.