FIDE (Fédération Internationale des Échecs): Die Welt-Schachorganisation
FIDE – die Weltschachorganisation: Geschichte, Rolle bei Weltmeisterschaften, Regeln und Einfluss auf das internationale Schachgeschehen.
FIDE (Fédération Internationale des Échecs) ist die Weltschachorganisation. Alle nationalen Verbände sind Mitglieder. Sie entscheidet über Angelegenheiten wie Weltmeisterschaften und Änderungen der Spielregeln.
Die FIDE wurde am 20. Juli 1924 in Paris, Frankreich, gegründet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte sie jedoch wenig Einfluss. Der damalige amtierende Weltmeister Alexander Aljechin wollte nichts damit zu tun haben. Er betrachtete den Weltmeistertitel als sein persönliches Eigentum. Dies änderte sich erst, als er 1946 mit dem Titel starb (kein anderer Champion starb je im Besitz des Titels). Es war offensichtlich, dass es einer Methode bedurfte, um einen neuen Champion zu finden. Die FIDE schaltete sich ein und schlug mit russischer Unterstützung eine Lösung vor. Der starke sowjetische Schachbund trat der FIDE erst 1946 bei. Er hatte einen großen Einfluss, mit Ressourcen und vielen jungen, starken Spielern.
Aufgaben und Veranstaltungen
Die FIDE organisiert und koordiniert die wichtigsten internationalen Schachwettkämpfe und -zyklen. Dazu gehören unter anderem:
- Schacholympiade – das große Mannschaftsturnier der Nationalmannschaften, das in der Regel alle zwei Jahre stattfindet.
- Weltmeisterschaftszyklus – mit Qualifikationsturnieren wie der World Cup, dem Kandidatenturnier und dem anschließenden Weltmeisterschaftskampf.
- Weltmeisterschaften für Schnellschach und Blitz, Jugend- und Seniorenweltmeisterschaften sowie Weltmannschaftsmeisterschaften.
Die FIDE legt außerdem die offiziellen Laws of Chess (Spielregeln) fest, bildet internationale Schiedsrichter aus und sorgt für einheitliche Regelinterpretationen bei internationalen Turnieren.
Titel, Elo-Wertung und Normen
Die FIDE vergibt international anerkannte Spielertitel wie Grandmaster (GM), International Master (IM), FIDE Master (FM) und Candidate Master (CM) sowie entsprechende Damen-Titel (z. B. WGM, WIM). Viele dieser Titel werden seit 1950 vergeben und beruhen auf dem Erreichen von Turnier-Normen und einer Mindest-Elo-Zahl.
Für die Spielstärkenmessung verwendet die FIDE seit rund 1970 das Elo-System, das die Wertzahlen der Spieler auf Basis ihrer Ergebnisse aktualisiert. Die Elo-Zahlen sind die gebräuchlichste Referenz für die Spielstärke im internationalen Schach.
Organisation und Verwaltung
Die FIDE ist eine Vereinigung nationaler Schachverbände und hat heute über 190 Mitgliedsverbände weltweit. Die wichtigsten Organe sind die General Assembly (das oberste Beschlussgremium), der Vorstand (z. B. Presidential Board oder Council) sowie zahlreiche Kommissionen und Arbeitsgruppen (Regelkommission, Anti-Cheating-Kommission, Schiedsrichterkommission, Frauenkommission u. a.).
Die Geschäftsstelle der FIDE befindet sich in der Schweiz; die Organisation pflegt enge Beziehungen zu vielen nationalen Verbänden und zu internationalen Sport- und Bildungsorganisationen.
Wichtige historische Wendepunkte
- Nach dem Tod von Alexander Aljechin 1946 übernahm die FIDE die Organisation der Weltmeisterschaftsfolge und richtete das Turnier 1948 aus, das Mikhail Botvinnik zum Weltmeister machte.
- 1950er–1980er: Die sowjetische Schachtradition dominierte viele Jahre die internationale Szene; die FIDE spielte bei der Vergabe von Titeln und der Organisation internationaler Turniere eine zentrale Rolle.
- 1993 spaltete sich die Szene, als Garry Kasparov und andere Profispieler eine neue, privat organisierte Struktur (PCA) schufen. In der Folge existierten zeitweise zwei parallele Weltmeistertitel. Diese Risse wurden 2006 durch einen Wiedervereinigungskampf überwunden.
- 1995–2018: Unter der Leitung von Kirsan Ilyumzhinov wuchs die FIDE, gleichzeitig gab es aber auch Kritik und politische Kontroversen. Seit 2018 steht die FIDE unter der Präsidentschaft von Arkady Dvorkovich, der Modernisierung und Reformen anstrebte.
Modernisierung, Online-Schach und Anti-Cheating
In den letzten Jahren hat die FIDE verstärkt in die Digitalisierung und die Stärkung von Anti-Cheating-Maßnahmen investiert. Dazu gehören Regelwerke zur Verwendung von elektronischen Geräten, Zusammenarbeit mit Anti-Cheating-Softwareanbietern und die Entwicklung offizieller Online-Spielplattformen. Außerdem fördert die FIDE Schach in Schulen und Bildungsprojekten weltweit.
Kontroversen und Reformbedarf
Wie viele große Sportverbände stand auch die FIDE immer wieder in der Kritik: Vorwürfe reichten von politischem Einfluss einzelner Präsidenten über undurchsichtige Finanzfragen bis zu Fragen der Governance. Solche Kontroversen führten in den letzten Jahren zu Forderungen nach größerer Transparenz, demokratischeren Entscheidungsprozessen und stärkerer Unabhängigkeit der Verwaltungsorgane.
Bedeutung und Ausblick
Die FIDE bleibt die wichtigste Institution im internationalen Schach: Sie sorgt für einheitliche Regeln, regelmäßige Wettbewerbe und ein weltweit anerkanntes System zur Bewertung von Spielstärke und Titeln. Herausforderungen der Zukunft sind die Anpassung an digitale Turnierformen, wirksamer Betrugsschutz, die Förderung von Schach als Bildungsgut und die Weiterentwicklung transparenter, moderner Governance-Strukturen.
Kurz zusammengefasst: Die FIDE ist seit ihrer Gründung 1924 die zentrale Organisation des Weltschachs. Sie organisiert die bedeutendsten Turniere, vergibt Titel und Wertzahlen und entwickelt Regeln und Programme zur Förderung des Spiels – steht dabei aber zugleich vor laufenden Anforderungen an Reformen und Modernisierung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
1948 wurde ein Turnier organisiert, um zu bestimmen, wer von den Spitzenspielern der Welt berechtigt war, sich Weltmeister zu nennen. Der Tod von Aljechin hatte ein Vakuum hinterlassen. Zwei frühere Meister, Emanuel Lasker und José Raúl Capablanca, waren in den späten 1930er Jahren gestorben. Es war klar, dass aus den jüngeren Spielern ein neuer Champion hervorgehen würde.
Die sechs von der FIDE ausgewählten Spieler waren:
- Mikhail Botvinnik, Paul Keres und Wassili Smyslov aus der Sowjetunion.
- Samuel Reshevsky und Reuben Fine aus den Vereinigten Staaten.
- Max Euwe aus den Niederlanden.
Am Ende schied Reuben Fine aus, und die anderen fünf bestritten die Veranstaltung. Mikhail Botvinnik gewann das Turnier und wurde neuer Weltmeister.
1950 verlieh die FIDE ihre ersten IM- (International Master) und GM-Titel (International Grandmaster). Doch erst 1957 formulierte die FIDE klare Kriterien für die Vergabe dieser Titel. 1970 wurde ein neues Rankingsystem, das Elo-Rating, eingeführt.
Spätere Jahre
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor die FIDE einen mächtigen Partner. Dies führte zu einer langen Periode der Schwierigkeiten. 1993 verließen der Weltmeister Gary Kasparov und sein Herausforderer Nigel Short die FIDE. Sie gründeten ihre eigene Organisation für professionelle Spitzenspieler, die PCA (Professional Chess Association). Nun gab es also zwei Weltmeister: einen von der FIDE und einen von der PCA (Professional Chess Association).
Erst 2006 legte sich der Staub und es kam zu einem Wiedervereinigungsspiel zwischen Wladimir Kramnik und Veselin Topalow. 1999 wurde die FIDE vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt. Im Jahr 2001 spielte FIDE nach Anti-Doping-Regeln und versuchte, Schach für wie einen Kandidaten für die Olympischen Spiele zu machen.
Liste der FIDE-Präsidenten
- 1924-1949 Alexander Rueb, Niederlande
- 1949-1970 Folke Rogard, Schweden
- 1970-1978 Max Euwe, Niederlande
- 1978-1982 Friðrik Ólafsson, Island
- 1982-1995 Florencio Campomanes, Philippinen
- 1995-....Kalmückien, Russland
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Fragen und Antworten
F: Was ist FIDE?
A: FIDE (Fיdיration Internationale des ֹchecs) ist die Weltschachorganisation. Alle nationalen Föderationen sind Mitglieder und sie entscheidet über Angelegenheiten wie Weltmeisterschaften und Änderungen der Spielregeln.
F: Wann wurde die FIDE gegründet?
A: Die FIDE wurde am 20. Juli 1924 in Paris, Frankreich, gegründet.
F: Warum wollte Alexander Aljechin nichts mit der FIDE zu tun haben?
A: Alexander Aljechin betrachtete den Weltmeistertitel als sein persönliches Eigentum und wollte nichts mit der FIDE zu tun haben.
F: Wie hat sich das nach seinem Tod geändert?
A: Das änderte sich, als er 1946 mit dem Titel starb (kein anderer Champion ist jemals mit dem Titel gestorben). Es war offensichtlich, dass eine Methode benötigt wurde, um einen neuen Meister zu finden, also schaltete sich die FIDE ein und schlug eine Lösung vor.
F: Wann ist der sowjetische Schachverband der FIDE beigetreten?
A: Der starke sowjetische Schachverband trat der FIDE erst 1946 bei.
F: Wie wirkte sich dies auf den Einfluss der FIDE aus?
A: Der Beitritt des sowjetischen Schachverbands hatte einen großen Einfluss auf die FIDE, da er Ressourcen und viele junge, starke Spieler zur Verfügung stellte.
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