Kolubriden (Colubridae): Merkmale, Arten und Giftigkeit
Kolubriden (Colubridae): Überblick zu Merkmalen, Arten und Giftigkeit – meist harmlos, bei einigen Arten giftig; Einblicke in Systematik, Verbreitung und Forschung
Ein Colubrid (von lat. coluber, Schlange) ist eine Schlange, die zur "Familie" der Colubridae gehört. Die Colubridae ist die größte Schlangenfamilie und umfasst heute weltweit eine sehr große Zahl unterschiedlicher Arten (mehrere hundert bis über 1.000, je nach taxonomischer Auffassung). Historisch wurde diese Familie oft als Sammelgruppe für Schlangen genutzt, die nirgendwo sonst eindeutig einzuordnen waren – daher die oft verwendete Metapher einer Müllhalde für schwer zuzuordnende Arten. Moderne molekulare Methoden, unter anderem Untersuchungen an mitochondrieller DNA, haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass die bisherigen Colubriden keine einheitliche, monophyletische Gruppe darstellen; die Systematik befindet sich deshalb fortlaufend im Wandel.
Merkmale
Kolubriden sind in Bau und Lebensweise sehr vielfältig, haben aber einige gemeinsame Kennzeichen. Der Körper ist meist schlank und fast vollständig mit Schuppen bedeckt. Die Kopfgestalt reicht von unauffällig (fast wie der Körper abgesetzt) bis zu deutlich abgesetzten Kopfformen. Augen und Pupillen variieren je nach Lebensweise (tagaktiv vs. nachtaktiv). Viele Arten sind relativ klein bis mittelgroß, einige erreichen jedoch beachtliche Längen.
Verbreitung, Lebensräume und Ernährung
Colubridae sind nahezu weltweit verbreitet (mit Ausnahme extremer Polarregionen) und besiedeln sehr unterschiedliche Lebensräume: Wälder, Savannen, Wüsten, Süßwasserbiotope und auch menschliche Siedlungen. Sie ernähren sich divers: Insekten, Amphibien, Fische, Vögel, Nagetiere, Eier und andere Reptilien stehen auf dem Speiseplan – je nach Art sind sie spezialisiert oder generalistisch.
Fortpflanzung
Die meisten Kolubriden sind eierlegend (ovipar), es gibt aber auch lebendgebärende (vivipare) Arten. Paarungsverhalten, Gelegegröße und Aufzucht variieren stark zwischen den Arten und hängen von Lebensraum, Körpergröße und Klima ab.
Giftigkeit und Giftmechanismus
Die meisten Kolubriden sind für den Menschen ungefährlich; viele Arten haben gar keine spezialisierten Giftzähne (aglyph). Es gibt jedoch Gruppen mit hinteren Giftzähnen (opisthoglyph, also „hinterstachelzähnig“), bei denen die Giftdrüse (häufig als Duvernoy-Drüse bezeichnet) hinterartige Zähne mit Giftsekret verbindet. Bei diesen sogenannten „rear-fanged“-Schlangen sitzt die Giftapparatur meist im hinteren Teil des Kiefers und die Giftwirkung auf größere Tiere oder Menschen ist oft weniger effizient als bei vorderzahnigen Giftern wie Vipern oder Elapiden. Trotzdem können einige Kolubriden medizinisch bedeutsame Bisse verursachen:
- Die Boomslang (Dispholidus typus) ist für schwerwiegende Vergiftungen und auch Todesfälle bei Menschen bekannt; ihr Gift wirkt vor allem auf die Blutgerinnung.
- Die sogenannte Afrikanische Zweigschlange (z. B. Gattung Thelotornis) kann ebenfalls lebensgefährliche Blutungsstörungen auslösen.
- Einige Vertreter der Gattung Boiga (‚Cat snakes‘/Baumschlangen) können kräftige Bissreaktionen und in Einzelfällen systemische Symptome hervorrufen, vor allem durch lokale Schmerz- und Schwellungsreaktionen und gelegentlich neurotoxische Effekte.
- Südamerikanische Arten der ehemals zu den Colubriden gezählten Gruppen (heute häufig in Dipsadidae eingeordnet), etwa Gattungen wie Philodryas, können beim Menschen ebenfalls schwerere Vergiftungen verursachen.
Wichtig ist: die Schwere eines Bisses hängt von Bissdauer, Menge und Zusammensetzung des Giftes sowie von der Größe und Empfindlichkeit des Opfers ab. Bei verdächtigen Bissen ist umgehende medizinische Versorgung erforderlich; ältere Erste-Hilfe-Methoden wie Aderlass, Einsaugversuche oder enge Tourniquets werden nicht empfohlen.
Systematik und Forschung
Die traditionelle Familie Colubridae wurde durch molekulare Studien stark reorganisiert: Viele Untergruppen wurden zu eigenständigen Familien erhoben (z. B. Natricidae, Dipsadidae), sodass die genaue Zugehörigkeit vieler Arten von laufender Forschung abhängt. Die erwähnten mitochondriellen und nukleären Analysen dienen dazu, verwandtschaftliche Beziehungen zu klären und eine natürlichere (monophyletische) Einteilung zu erreichen.
Bekannte Beispiele und Bedeutung für Menschen
Viele Kolubriden sind ökologisch bedeutsam als Schädlingsvertilger (z. B. Mäusejäger) oder als Teil natürlicher Nahrungsketten. In der Terraristik sind zahlreiche harmlose Arten beliebt, da sie meist anspruchslos und nicht giftig sind. Dennoch sollten beim Umgang mit wilden oder unbekannten Schlangen immer Vorsichtsmaßnahmen gelten.
Umgang mit Kolubriden
Bei Begegnungen in der Natur: Abstand halten, Tiere nicht provozieren oder fangen. Bei Bissen: Ruhe bewahren, betroffene Person möglichst ruhig lagern und das betroffene Körperteil immobilisieren; schnellstmöglich ärztliche Hilfe aufsuchen. Vermeiden Sie das Durchtrennen, Absaugen oder Anwenden von Kräuterbehandlungen – diese Maßnahmen schaden meist mehr als sie nützen.
Zusammenfassend sind Colubridae eine sehr vielfältige Gruppe von Schlangen mit einer breiten Palette von Lebensweisen. Während die meisten Arten für den Menschen harmlos sind, gibt es Ausnahmen mit medizinisch relevanten Giften; deshalb ist Wissen über lokale Arten und umsichtiges Verhalten im Umgang mit Schlangen wichtig.

Ein Boomslang
Ausgewählte Arten
- Boomslang
- Braune Baumschlange
- Würfel-Schlange
- Strumpfbandnatter
- Königsschlange
- Rattenschlange
- Glatte Schlange
- Wasserschlange
- Mussurana
Fragen und Antworten
F: Was ist ein Colubrid?
A: Eine Colubrida ist eine Schlangenart, die zur Familie der Colubridae gehört.
F: Wie groß ist die Familie der Colubridae?
A: Die Familie Colubridae ist die größte Schlangenfamilie und umfasst etwa zwei Drittel aller bekannten lebenden Schlangenarten.
F: Sind alle Colubridae eine natürliche Gruppe?
A: Nein, Colubridae sind keine natürliche Gruppe und viele sind enger mit anderen Gruppen verwandt als untereinander.
F: Was wird in der mitochondrialen DNA-Forschung untersucht?
A: Die mitochondriale DNA-Forschung untersucht die familiären Beziehungen innerhalb der Colubrid-Gruppe.
F: Sind die meisten Colubriden giftig?
A: Die meisten Dickmaulrüssler sind nicht giftig und harmlos.
F: Können Colubriden medizinisch bedeutsame Bisse verursachen?
A: Ja, einige Gruppen wie die Gattung Boiga können medizinisch bedeutsame Bisse verursachen.
F: Wo befinden sich die Gift injizierenden Reißzähne bei giftigen Colubriden?
A: Im Gegensatz zu den Vipern und Elapiden befinden sich die Giftzähne bei den giftigen Colubriden fast immer im hinteren Teil des Mundes.
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