Glattnatter (Coronella austriaca): Merkmale, Lebensraum & Verhalten

Glattnatter (Coronella austriaca) – ungiftige, glattgeschuppte Schlange: Merkmale, Lebensraum, Beute- & Fortpflanzungsverhalten in Europa kompakt erklärt.

Autor: Leandro Alegsa

Die glatte Schlange ist Coronella austriaca. Sie ist eine der drei Schlangen, die in Großbritannien gefunden wurden, wo sie nur auf südlichen Heideflächen lebt. In Mitteleuropa wird sie meist als Glattnatter bezeichnet.

Es handelt sich um eine nichtgiftige Kolubridenart, die in Nord- und Mitteleuropa und bis in den Nord-Iran vorkommt. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlangen sind ihre Schuppen flach (nicht gekielt). Dies verleiht der Schlange eine glatte Textur, von der sie ihren gemeinsamen Namen hat. Typische Körperlänge liegt meist zwischen 50 und 75 cm, selten werden einzelne Tiere länger; der Körper ist schlank und die Kopfform unscheinbar, mit einem kaum vom Hals abgesetzten Kopf.

Merkmale und Erkennung

  • Farbe und Muster: meist grau-braun bis rötlich-braun mit braunen bis dunkelbraunen Längsreihen von Flecken oder Querbalken, die oft eine zickzackartige Anordnung bilden; auf dem Kopf häufig ein dunkler Zügelstreif hinter dem Auge.
  • Schuppen: glatt (nicht gekielt), daher matte, glatte Optik.
  • Augen: runde Pupille (kein Hinweis auf Giftigkeit wie bei Vipern mit senkrechter Pupille).
  • Größe: ausgewachsene Tiere meist 50–75 cm, Jungtiere deutlich kleiner.
  • Unterscheidung zu ähnlichen Arten: Im Unterschied zur Ringelnatter (Natrix natrix) hat die Glattnatter keine auffälligen gelben Nackenflecken; zur Kreuzotter (Vipera berus) fehlen das kräftige V-förmige Kopfprofil und die senkrechten Pupillen.

Lebensraum und Verbreitung

Die Glattnatter besiedelt verschiedene, überwiegend warme und strukturreiche Lebensräume: trockene und halbtrockene Heideflächen, lichte Wälder, Waldränder, Gebüsche, Magerrasen, Steinriegel und felsige Hänge sowie extensiv genutzte Weiden. Sie benötigt sonnige Plätze zum Aufwärmen und genügend Verstecke (Steinhaufen, Totholz, dichte Vegetation). Die Art kommt in weiten Teilen Europas vor; lokal kann sie häufig sein, in manchen Regionen jedoch selten und auf spezielle Habitatinseln beschränkt.

Lebensweise und Ernährung

Die Glattnatter ist überwiegend dämmerungs- und tagaktiv, kann aber an heißen Tagen auch nachtaktiv werden. Sie gilt als scheu und versteckt sich gern. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus kleineren Wirbeltieren, wobei andere Reptilien (Eidechsen, Schlangen) häufig einen großen Anteil ausmachen. Daneben frisst sie kleine Säugetiere, Jungvögel und gelegentlich Amphibien. Zur Überwältigung der Beute wickelt sie sich um das Tier (Einschnüren), tötet aber nicht so kraftvoll wie spezialisierte Boas oder Pythons; vielmehr wird die Beute durch Druck und Erstickung eingeschränkt, bis sie bewegungsunfähig ist.

Fortpflanzung

Entgegen älteren oder fehlerhaften Angaben legt die Glattnatter keine Eier im Boden ab. Die Art ist lebendgebärend (ovovivipar oder vivipar), das heißt die Jungtiere werden als voll entwickelte, bereits aktive Schlangen geboren. Die Paarung findet im Frühjahr statt, die Weibchen tragen die Embryonen mehrere Monate und bringen im Spätsommer (meist August bis September) eine Reihe lebender Jungschlangen zur Welt. Die Wurfgröße liegt gewöhnlich bei wenigen bis einigen Dutzend Jungtieren, je nach Alter und Größe des Weibchens sind 4–20 Jungtiere typisch. Die Neugeborenen sind sofort selbstständig und werden nur kurz betreut.

Feinde, Schutz und Gefährdungen

Natürliche Feinde sind Greifvögel, Marder, Füchse und größere Schlangen. Menschliche Einflüsse sind jedoch die wichtigste Gefährdungsursache: Zerstörung und Fragmentierung von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft, Aufforstung von Heideflächen, Siedlungsbau, Verkehr und Freizeitnutzung führen zu Bestandsrückgängen in vielen Regionen. Zusätzlich sind direkte Tötungen durch Unkenntnis, frei laufende Hunde und Verlust geeigneter Strukturen (Steinhaufen, Totholz) problematisch.

Nach der globalen Einstufung der IUCN gilt die Art insgesamt nicht als unmittelbar bedroht (Least Concern), regional steht sie jedoch vielerorts auf Roten Listen und genießt in zahlreichen Ländern gesetzlichen Schutz. Daher sind Schutzmaßnahmen wie Erhalt und Wiederherstellung strukturreicher Lebensräume, Vernetzung von Populationen und Öffentlichkeitsarbeit wichtig.

Umgang mit Menschen und Beobachtungstipps

  • Die Glattnatter ist ungiftig und meidet Menschen. Ein Biss ist selten und nicht gefährlich, kann jedoch schmerzhaft sein.
  • Bei Beobachtung: Abstand halten, nicht aufheben oder stören. Dokumentation durch Foto ist sinnvoll, um Verwechslungen zu vermeiden.
  • Förderlich für die Art sind naturnahe Gärten mit Trockenmauern, Totholz und strukturreichen Bereichen; auf das Legen von Steinhaufen oder Verzicht auf übermäßige Aufräumarbeiten in bestimmten Bereichen kann man Rücksicht nehmen.

Die Glattnatter ist eine zurückhaltende, aber ökologisch wertvolle Art, deren Erhaltung stark von der Pflege geeigneter Lebensräume abhängt. Durch Informationsarbeit und gezielten Lebensraumschutz lassen sich lokale Bestände unterstützen.



Suche in der Enzyklopädie
AlegsaOnline.com - 2020 / 2025 - License CC3