Korallenbleiche tritt auf, wenn Steinkorallen weiß werden.
Steinkorallen sind einfache Tiere, die große Riffe bilden. Die Tiere leben in einer endosymbiotischen Beziehung mit einzelligen Algen. Um Sonnenlicht zu bekommen, leben die Korallen knapp unter dem Meeresspiegel. Die Algen stellen durch Photosynthese Nahrungsprodukte für den Korallenpolypen her.
Korallenpolypen reagieren empfindlich auf Veränderungen in ihrer Umgebung. Dazu gehört auch die Temperatur des Wassers, in dem sie leben. Unter Stress können Korallenpolypen die Algen, die in ihren Geweben leben, ausstoßen. Die Algen liefern bis zu 90 % der Energie der Korallen. Gebleichte Korallen leben weiter, beginnen aber nach dem Bleichen zu verhungern. Einige Korallen erholen sich.
Die durch die globale Erwärmung verursachten wärmeren Meerwassertemperaturen sind die Hauptursache für das Bleichen von Korallen.
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen sagt, dass die am längsten registrierten globalen Bleichvorgänge zwischen 2014 und 2016 stattfanden. Korallen wurden in einem beispiellosen Ausmaß getötet. Im Jahr 2016 starben beim Bleichen der Korallen am Great Barrier Reef zwischen 29 und 50 Prozent der Korallen des Riffs. Im Jahr 2017 gelangte die Bleiche in die zentrale Region des Riffs. Das Intervall zwischen den Bleichereignissen hat sich zwischen 1980 und 2016 halbiert.
Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass die Korallen-Algen-Beziehung viel älter ist, als man dachte. Dies deutet darauf hin, dass sie viele Klimaveränderungen überlebt hat.
Einige Korallen ändern ihre Farbe, statt weiß zu werden, wenn sie gebleicht werden. Die Farben können sehr hell sein. Im Mai 2020 sagten Wissenschaftler der Universität von Southampton, dass die Farben wie Sonnencreme wirken und die Korallenzellen vor Licht schützen. Die Wissenschaftler sagten, dies bedeute, dass einige Korallen ihre Algen für eine Weile verlieren können und möglicherweise helle Farben entwickelt haben, um es den Algen leichter zu machen, zurückzukommen und bis dahin am Leben zu bleiben.
Wie genau entsteht Bleiche?
Korallen und ihre einzelligen Algen (häufig Dinoflagellaten, auch „Zooxanthellen“ genannt) leben in einer engen Symbiose: Die Algen liefern Sauerstoff und Nährstoffe durch Photosynthese, die Korallen geben Schutz und anorganische Nährstoffe. Diese enge Beziehung ist temperaturabhängig. Bereits eine Erhöhung der Meerestemperatur um 1–2 °C über einen längeren Zeitraum kann Stress auslösen.
Unter Stress produzieren die Algen reaktive Sauerstoffverbindungen oder die Koralle verändert ihre Stoffwechselvorgänge. Dadurch werden die Algen für den Wirt schädlich, und die Koralle stößt sie aus. Ohne die Algen verliert das Gewebe seine Farbe und die Koralle wirkt weiß (bleich). Bleiche ist also ein Zeichen von Stress, nicht zwangsläufig sofortiger Tod – aber ohne Rückkehr der Algen oder ausreichende Energiequellen kann die Koralle sterben.
Weitere Auslöser neben Erwärmung
- Starke Sonneneinstrahlung/Lichtstress (besonders nach kühlen Perioden)
- Verschmutzung des Wassers (Eutrophierung, Chemikalien)
- Zu hohe oder zu niedrige Salzkonzentration (Salinitätsänderungen)
- Sedimentation durch Küstenentwicklung und Abholzung
- Krankheiten und Überfischung, die das ökologische Gleichgewicht stören
Folgen für Riffe, Ökosysteme und Menschen
Korallenriffe sind Hotspots der Biodiversität und liefern Ökosystemleistungen wie:
- Lebensraum für Tausende von Arten
- Fischerei- und Nahrungsgrundlagen für Küstengemeinden
- Natürlicher Küstenschutz gegen Stürme und Erosion
- Wirtschaftliche Einnahmen durch Tourismus
Bleichen führt zu weniger lebender Korallenstruktur, was die Artenvielfalt verringert, Fischbestände reduziert und Küstenverwundbarkeit erhöht. Der wirtschaftliche Verlust durch zurückgehenden Tourismus und Fischfang kann für viele Regionen dramatisch sein.
Erholung und Grenzen der Anpassung
Einzelne Korallen oder Riffe können sich erholen, wenn die Stressfaktoren schnell nachlassen und passende Algenstämme zurückkehren oder neu besiedeln. Die Fähigkeit zur Erholung hängt ab von:
- Intensität und Dauer des Hitzestresses
- Frequenz der Bleichereignisse (häufige Ereignisse verringern Erholungschancen)
- Genetischer Vielfalt der Korallen und thermischer Toleranz der Algen
- Lokalen Umweltbedingungen (Wasserqualität, Schutz vor weiteren Störungen)
Obwohl die Korallen-Algen-Beziehung sehr alt und resilient ist, ist die Geschwindigkeit der heutigen Erwärmung beispiellos — das setzt natürliche Anpassungsprozesse unter hohen Druck.
Forschung und neue Lösungsansätze
Wissenschaftler untersuchen mehrere Strategien, um Korallen zu schützen oder ihre Widerstandskraft zu erhöhen:
- Korallengärtnerei und Wiederansiedelung: Setzen von gezüchteten Korallenstöcken in beschädigte Riffe.
- Auswahl und Züchtung hitzetoleranter Stämme: Identifikation und Vermehrung robuster Korallen oder symbiotischer Algen.
- Assisted evolution und Probiotika: Forschung an gezielten Anpassungen oder nützlichen Mikroorganismen, die Korallen widerstandsfähiger machen könnten.
- Kurzfristige Schutzmaßnahmen: Schattierungen, lokales Kühlen oder Schutz vor Schadstoffen während besonders heißen Perioden.
- Monitoring mit Satelliten und Sensoren: Frühwarnsysteme für Temperatur-Anomalien und Bleiche-Events.
Schutzmaßnahmen auf globaler und lokaler Ebene
Global: Die wichtigste Maßnahme ist die Reduktion von Treibhausgasemissionen, um die Erwärmung der Ozeane zu verlangsamen. Nur so können Häufigkeit und Intensität massiver Bleichereignisse langfristig gesenkt werden.
Lokal: Viele Maßnahmen verbessern die Erholungschancen der Riffe:
- Einrichtung und Durchsetzung von Meeresschutzgebieten
- Reduzierung von Nährstoffeinträgen und Abwasserverschmutzung
- Kontrolle von Überfischung und destruktiven Fischereimethoden
- Schutz von Mangroven und Seegraswiesen, die mit Riffen verbunden sind
Was Sie als Einzelne/r tun können
- Den eigenen CO₂-Fußabdruck reduzieren (Energie sparen, klimafreundlich reisen)
- Nachhaltige Meeresfrüchte wählen und lokale Fischereien unterstützen
- Als Tourist verantwortungsvoll handeln: nicht auf Riffen stehen oder Korallen berühren, keinen Müll hinterlassen
- Organisationen unterstützen, die sich für Meeres- und Klimaschutz einsetzen
Erkennen und Melden von Bleiche
Bleiche ist oft gut sichtbar: Korallengewebe verliert die Farbe und erscheint weiß. Wissenschaftliche Überwachung kombiniert Satellitendaten (Meerestemperaturen) mit Vor-Ort-Beobachtungen. Viele Projekte nutzen auch Citizen-Science-Plattformen, um Sichtungen zu melden.
Fazit: Korallenbleiche ist ein deutliches Zeichen für den Stress, den Riffe durch die Erwärmung und andere menschliche Einflüsse erfahren. Während Forschung und Restaurationsmaßnahmen wichtige Werkzeuge sind, bleibt die Reduzierung der globalen Erwärmung die entscheidende Maßnahme, um die Zukunft der Korallenriffe langfristig zu sichern.

