Die Photosynthese ist der biochemische Prozess, durch den Pflanzen sowie viele Algenarten, Protisten und bestimmte Bakterien, aus anorganischen Stoffen organische Verbindungen und damit Nahrung herstellen. Es handelt sich um einen endothermen (Wärme aufnehmenden) chemischen Vorgang, bei dem Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt wird: Kohlendioxid wird in Zucker (z. B. Glukose) umgewandelt, den die Zelle zur Energiegewinnung und zum Aufbau von Biomasse nutzen kann. Die Photosynthese ist grundlegend für das Leben auf der Erde — sie liefert fast die gesamte freie Sauerstoff-zufuhr der Atmosphäre und bildet die Basis der meisten Nahrungsketten. Ausnahmen sind die sogenannten Chemoautotrophen, die ihre Energie nicht aus Licht, sondern aus chemischen Reaktionen gewinnen.
Ablauf der Photosynthese — grobe Übersicht
Die Photosynthese lässt sich vereinfacht in zwei miteinander verbundene Teile gliedern: die Lichtreaktionen (lichtabhängige Reaktionen) und die Dunkelreaktionen (lichtunabhängige Reaktionen, z. B. der Calvin‑Zyklus). Einige Schritte laufen in speziellen Strukturen der Zelle ab.
6 CO2(g) + 6 H2O + Photonen → C6H12O6(aq) + 6 O2(g)
Kohlendioxid + Wasser + Lichtenergie → Glukose + Sauerstoff
Lichtreaktionen (Thylakoidmembran)
Die Lichtreaktionen finden in den Thylakoidmembranen der Chloroplasten statt. Dort befinden sich Photosystem II und Photosystem I sowie die Elektronentransportkette und die ATP‑Synthase. Das grüne Pigment Chlorophyll und weitere Pigmente absorbieren Photonen. Wichtige Schritte sind:
- Absorption von Licht durch Chlorophyll; Anregung von Elektronen.
- Wasserspaltung (Photolyse) zur Gewinnung von Elektronen — dabei entsteht Sauerstoff als Nebenprodukt, der in die Atmosphäre abgegeben wird.
- Transport von Elektronen entlang der Kette, gekoppelt an die Bildung von NADPH (ein Reduktionsmittel) und ATP (Energieform).
Die dadurch erzeugten ATP- und NADPH-Moleküle liefern Energie und Reduktionskraft für die nächste Phase.
Calvin‑Zyklus / Dunkelreaktionen (Stroma)
Die lichtunabhängigen Reaktionen laufen im Stroma der Chloroplasten ab. Hier wird Kohlendioxid durch das Enzym Rubisco in organische Moleküle eingebaut (CO2‑Fixierung). Unter Verbrauch von ATP und NADPH entsteht schließlich Glukose bzw. ein 3‑Kohlenstoff‑Zucker, aus dem Pflanzen längerkettige Kohlenhydrate, Aminosäuren und andere Verbindungen aufbauen können.
Ort der Photosynthese und Stofftransport
Die Photosynthese findet vor allem in grünen Organen statt, besonders in den Blättern. In ihnen sind die Zellen der oberen Blattschicht — die Palisadenzellen — dicht mit Chloroplasten bestückt, um möglichst viel Licht einzufangen. Kohlendioxid gelangt durch Diffusion aus der Atmosphäre durch die Spaltöffnungen (Stomata) in das Blatt; der Gasaustausch wird dadurch reguliert.
Das Wasser wird über das Wurzelsystem aufgenommen, wobei die Wurzelhaarzellen eine vergrößerte Oberfläche für die Aufnahme besitzen. Wasser wird über das Xylem bis in die Blätter transportiert.
Produkte und Verwendung
Glukose dient mehreren Zwecken:
- Direkte Verwendung zur Zellatmung (Freisetzung von Energie für Stoffwechsel und Wachstum) — siehe Atmung.
- Speicherung als Stärke, die nachts oder bei Bedarf wieder in Glukose umgewandelt wird.
- Umwandlung in Struktur- und Reservestoffe wie Zellulose, Fette, Proteine, Fruktose oder Nektar für Blüten.
Sauerstoff ist ein Nebenprodukt: ein Teil wird für die Atmung der Pflanze verwendet, der Überschuss diffundiert durch die Spaltöffnungen in die Umgebung.
Faktoren, die die Photosynthese beeinflussen
- Lichtintensität und -qualität: Je mehr nutzbare Photonen (besonders im roten und blauen Bereich) verfügbar sind, desto höher die Reaktionsrate bis zu einem Sättigungspunkt.
- CO2‑Konzentration: Höhere CO2‑Werte können die CO2‑Fixierung steigern, solange andere Faktoren nicht limitierend sind.
- Temperatur: Enzymatische Reaktionen (z. B. Rubisco) sind temperaturabhängig; zu hohe Temperaturen fördern Photorespiration und Stoffschäden.
- Wasserverfügbarkeit: Wassermangel führt zur Schließung der Stomata, reduziert die CO2‑Zufuhr und hemmt die Photosynthese.
- Blattstruktur und Pigmentgehalt: Anzahl der Chloroplasten, Blattdicke und Pigmente (Chlorophyll, Carotinoide) beeinflussen die Effizienz.
Variation: C3, C4 und CAM
Nicht alle Pflanzen betreiben die CO2‑Fixierung auf die gleiche Weise. Bei C3‑Pflanzen erfolgt die Fixierung direkt im Calvin‑Zyklus. C4‑Pflanzen (z. B. Mais, Zuckerrohr) trennen räumlich Aufnahme und Fixierung, um Photorespiration zu reduzieren; CAM‑Pflanzen (z. B. viele Sukkulenten) trennen diese Schritte zeitlich, was Wasserverlust minimiert. Diese Anpassungen verbessern die Effizienz unter bestimmten Klimabedingungen.
Bedeutung für Ökosysteme und Mensch
Photosynthese ist die Hauptquelle für organische Substanz in Ökosystemen und damit Grundlage der Nahrungsketten. Sie beeinflusst das globale Kohlenstoff‑ und Sauerstoffgleichgewicht und spielt eine zentrale Rolle im Klimasystem. Für die Landwirtschaft und Biotechnologie ist das Verständnis und die Optimierung der Photosynthese ein Schlüssel zur Ertragssteigerung und zur nachhaltigen Energiegewinnung (z. B. Bioenergie).
Zusätzliche Begriffe
- Brutto‑ vs. Netto‑Photosynthese: Bruttoproduktion entspricht der gesamten durch Photosynthese gebildeten organischen Substanz; die Nettoproduktion ist die Bruttoproduktion abzüglich der Verluste durch die Zellatmung.
- Photorespiration: Ein Nebenweg, bei dem Rubisco O2 statt CO2 als Substrat bindet; dies verringert die Effizienz der Fotosynthese, besonders bei hohen Temperaturen und niedrigem CO2.
Insgesamt ist die Photosynthese ein komplexer, aber gut organisierter Prozess, der Lichtenergie in chemische Form speichert und damit Leben, Wachstum und Ökologie auf der Erde maßgeblich bestimmt.


