Die Grafschaften Englands sind territoriale Unterteilungen Englands, die viele verschiedene Zwecke haben, wie z.B. die Kommunalverwaltung. Die meisten Grafschaften begannen als angelsächsische Grafschaften und Herzogtümer.
Die Namen, Grenzen und Funktionen dieser Abteilungen haben sich mehrfach geändert. Eine Reihe von Kommunalverwaltungsreformen seit dem 19. Jahrhundert hat die genaue Definition des Begriffs "Grafschaft" unklar gelassen, und viele Grafschaften haben mehr als eine gesetzliche Definition.
Daher bezieht sich der Begriff "Grafschaften Englands" nicht auf eine eindeutige Menge von Namen oder Grenzen. Es gibt spezifische Gruppen von Grafschaften, die einem Regierungszweck dienen (z. B. zeremonielle Grafschaft, Registrierungsgrafschaft oder ehemalige Postgrafschaft) oder kulturelle Regionen sind, die manchmal lose definiert sind (z. B. historische Grafschaft).
Zwei Definitionen haben in der heutigen Regierung einen Zweck:
- Verwaltungsbezirke: Dies sind Gebiete, die von einem Grafschaftsrat oder einer anderen lokalen Behörde verwaltet werden (z. B. County Councils oder Unitary Authorities).
- Zeremonielle Grafschaften: Dies sind die Gebiete, die durch einen Lord Lieutenant und einen Hohen Sheriff vertreten werden; sie dienen vor allem repräsentativen und zeremoniellen Zwecken.
Beispielsweise liegt Leicester nicht in der Verwaltungsgrafschaft Leicestershire, sondern in der zeremoniellen Grafschaft Leicestershire.
Herkunft und kurze Geschichte
Die heutigen Grafschaften gehen größtenteils auf die altenglischen shires zurück, die vor und nach der normannischen Eroberung als Verwaltungseinheiten dienten. Der Begriff "county" stammt aus dem Altfranzösischen (comté) und wurde nach 1066 zunehmend verwendet. Über Jahrhunderte hinweg erfüllten Grafschaften viele Funktionen: Verwaltung, Gerichtsbarkeit (z. B. Quarter Sessions), Steuererhebung und militärische Organisation.
Wichtige Reformen veränderten diese Strukturen: - Im 19. Jahrhundert entstanden moderne Verwaltungen und neue statistische und registrierende Ämter. - Das Local Government Act 1888 schuf die ersten modernen administrative counties und County Councils sowie separate County Boroughs. - Eine größere Umgliederung trat 1974 in Kraft (Local Government Act 1972) mit Einführung von Metropolitan- und Non‑Metropolitan-Counties. - Seit den 1990er Jahren gab es weitere Änderungen: Aufteilung mancher Grafschaften, Schaffung von Unitary Authorities und Anpassungen der Grenzen.
Arten von Grafschaften und Begriffsunterscheidungen
- Historische (oder traditionelle) Grafschaften: Lange etablierte Gebiete mit starker kultureller Identität; wichtig vor allem für Genealogie, historische Forschung und lokale Identität.
- Administrative Grafschaften: Gebiete mit eigenem Grafschaftsrat oder einer anderen lokalen Verwaltungseinheit; ihre Grenzen dienen der täglichen Kommunalverwaltung (z. B. Bildung, Straßen, Soziales).
- Zeremonielle (Lieutenancy-)Grafschaften: Für die Ernennung der Lord Lieutenants und High Sheriffs; oft ähneln sie den historischen Grafschaften, können aber von den administrativen Grenzen abweichen.
- Registrierungsgrafschaften: Werden etwa für Geburts-, Heirats- und Sterberegister genutzt und sind für statistische Zwecke relevant.
- Postgrafschaften: Früher von der Royal Mail verwendete Gebietsbezeichnungen; ihre Verwendung wurde 1996 weitgehend aufgegeben, doch sie sind in alten Adressen noch sichtbar.
- Metropolitan Counties: Ballungsraum-Grafschaften wie Greater Manchester, Merseyside, West Midlands, South Yorkshire, Tyne and Wear und West Yorkshire, die für dicht besiedelte Industrie- und Stadträume geschaffen wurden.
Aktuelle Verwaltungspraxis
Heute existieren in England verschiedene Verwaltungsebenen: Unitary Authorities (einzelne, unabhängige Verwaltungseinheiten), County Councils in zwei- oder mehrstufigen Gebieten, sowie Distrikt- bzw. Boroughräte. Viele Städte sind als Unitary Authorities organisiert und gehören administrativ nicht zu der sie umgebenden Grafschaft, bleiben aber oft der zeremoniellen Grafschaft zugeordnet (wie im Beispiel Leicester).
Außerdem ist Greater London ein Sonderfall: Es wurde 1965 als Gebiet mit eigener Struktur geschaffen und verfügt über die Greater London Authority sowie den Mayor of London. Die Isle of Wight und die Isles of Scilly sind weitere Sonderfälle mit eigenen Regelungen.
Bedeutung für Alltag, Kultur und Forschung
Grafschaften haben eine große kulturelle Bedeutung: Sie prägen lokale Identität, Sportvereine (z. B. Cricket-Counties), Traditionen und regionale Zugehörigkeiten. Für die Ahnenforschung und historische Studien sind die traditionellen (historischen) Grafschaftsgrenzen oft wichtiger als die aktuellen Verwaltungsgrenzen, weil ältere Aufzeichnungen danach geordnet sind.
Rechtlich und administrativ sind dagegen die aktuellen Verwaltungs- und zeremoniellen Grafschaften relevant: Sie bestimmen, welche Behörde für Dienstleistungen zuständig ist, welche Hoheitsvertreter repräsentieren und welche Grenzen bei Statistiken verwendet werden.
Zusammenfassung
Der Begriff "Grafschaften Englands" umfasst mehrere, teils überlappende Konzepte: historische, administrative, zeremonielle und andere Klassifikationen. Grenzen und Funktionen haben sich im Lauf der Zeit mehrfach verändert, sodass immer klar definiert werden muss, welche Art von "Grafschaft" gemeint ist, wenn von einer Grafschaft die Rede ist.



