Dänische Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg – BOPA & Holger Danske

Die dänische Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg: BOPA & Holger Danske – mutige Sabotage, geheime Operationen und moralisch komplexe Entscheidungen im Kampf gegen die Besatzung.

Autor: Leandro Alegsa

Die dänische Widerstandsbewegung war eine Untergrundbewegung, die organisiert wurde, um der Besetzung Dänemarks durch die Nazideutschen während des Zweiten Weltkriegs zu widerstehen. Aufgrund der anfänglich nachsichtigen Regelungen, in denen die nationalsozialistische Besatzungsbehörde der demokratischen Regierung erlaubte, an der Macht zu bleiben, entwickelte die Widerstandsbewegung langsamer als in einigen anderen Ländern wirksame Taktiken auf breiter Ebene. Erst mit zunehmender Repression und der Auflösung der dänischen Regierung im August 1943 wuchs der organisierte Widerstand deutlich.

Hintergrund und Entwicklung

Die deutsche Invasion Dänemarks begann am 9. April 1940. In den ersten Jahren der Besatzung herrschte eine Kooperationspolitik zwischen der dänischen Regierung und den deutschen Besatzern, was unmittelbar großen, offenen Widerstand verhinderte. Mit der zunehmenden Härte der Besatzer, der Zwangsrekrutierung, Verhaftungen und politischen Maßnahmen stieg jedoch die Bereitschaft zur organisierten Gegenwehr. Besonders nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (Juni 1941) wuchs die Aktivität kommunistischer Gruppen, und ab 1942–1943 kam es zu einem deutlichen Anstieg von Sabotageakten, illegaler Publizistik und militärischer Zusammenarbeit mit den Alliierten.

Wichtige Gruppen: BOPA und Holger Danske

Zu den bekanntesten und aktivsten Widerstandsgruppen in Dänemark gehörten:

  • BOPA (dänisch: Borgerlige Partisanen, „zivile Partisanen“). Ursprünglich von kommunistischen Arbeitern und Mitgliedern der Arbeiterbewegung initiiert, führte BOPA gezielt Sabotageakte gegen Industrieanlagen, Transportlinien und Produktionsstätten durch, die für die Kriegswirtschaft der Deutschen wichtig waren. Die Gruppe erhielt in vielen Fällen Material- und Nachrichtenhilfe von britischen Stellen und operierte vor allem in Kopenhagen und Umgebung.
  • Holger Danske. Benannt nach der dänischen Sagengestalt, war Holger Danske ein Netzwerk aus ehemaligen Soldaten, Offizieren und zivilen Widerstandskämpfern. Die Gruppe führte neben Sabotage auch gezielte Attentate auf Kollaborateure und Informanten durch und arbeitete dezentral in Zellenstrukturen, um Enttarnungen zu erschweren. Holger Danske war für seine Schlagkraft in städtischen Operationen bekannt.

Aktionen und Methoden

Die Bandbreite der Widerstandsaktivitäten reichte von der Herausgabe illegaler Zeitungen und Flugblätter über Spionage, Sabotage von Bahnanlagen, Brücken, Fabriken und Versorgungseinrichtungen bis hin zu gezielten Tötungen von Kollaborateuren und Spitzeln. Viele Aktionen wurden mit geheimen Funkverbindungen und Agenten des britischen SOE (Special Operations Executive) koordiniert; Waffen, Sprengstoff und Funkgeräte wurden mitunter per Flugzeug abgeworfen oder über Schifffahrtswege eingeschmuggelt.

Die illegale Presse spielte eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung der Bevölkerung und der Verbreitung von Informationen: Titel wie „De Frie Danske“, „Frit Danmark“ und „Information“ informierten über die Lage und riefen zum Widerstand auf.

Rettung der dänischen Juden

Ein herausragendes Kapitel des dänischen Widerstands war die Rettung der jüdischen Bevölkerung im Oktober 1943. Als die deutsche Besatzungsmacht Versuche ankündigte, Juden in Konzentrationslager zu deportieren, organisierten dänische Fischer, Widerstandsgruppen und breite Teile der Bevölkerung die Evakuierung von etwa 7.000 dänischen Juden nach Schweden. Diese Rettungsaktion gilt als eines der erfolgreichsten kollektiven Rettungsunternehmen während des Holocaust.

Opfer, Zielsetzungen und Kontroversen

Bis 1944 töteten Agenten des Widerstands schätzungsweise rund 400 dänische Nazis, Informanten und Kollaborateure; nach diesem Zeitpunkt gab es auch Fälle, in denen deutsche Staatsbürger getötet wurden. Diese Zahlen sind Näherungswerte und spiegeln die Härte der Auseinandersetzungen wider. Zugleich führten einige Aktionen zu Debatten über Legitimität und Verhältnismäßigkeit:

  • Viele Anschläge zielten gezielt auf Personen, die als direkte Gefahr für den Widerstand galten, etwa Spitzel oder Gestapo-Informanten. In einigen Fällen gab es jedoch Fehlurteile oder umstrittene Entscheidungen, die später als moralisch problematisch eingeschätzt wurden.
  • Die deutsche Besatzungsmacht reagierte auf Widerstandsaktionen oft mit Repressalien, Festnahmen, Folter und Hinrichtungen, was weitere zivile Opfer nach sich zog.

Nachkriegszeit, Erinnerung und Forschung

Nach dem Krieg wurde der Widerstand in Dänemark politisch weitgehend positiv dargestellt; viele Politiker unterstützten die Résistance-Rhetorik, und die Leistungen der Kämpfer wurden vielfach geehrt. Zugleich gab es nur begrenzte unmittelbare juristische Aufarbeitungen von exekutierten Kollaborateuren; viele Fälle wurden nicht detailliert untersucht. Erst in der späten Nachkriegszeit sowie im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert setzte eine differenziertere Forschung ein, die sowohl die Erfolge als auch die moralischen Ambivalenzen des Widerstands beleuchtet hat. Historikerinnen und Historiker untersuchten nun genauer, unter welchen Umständen Entscheidungen getroffen wurden, welche Informationsgrundlagen bestanden und wie lokale Kontexte die Wahl der Mittel beeinflussten.

Bedeutung

Die dänische Widerstandsbewegung trug wesentlich zur Erosion der deutschen Kontrolle in Dänemark bei und stärkte das nationale Selbstverständnis nach 1945. Aktionen wie die Rettung der Juden und die Sabotageakte gegen die Kriegswirtschaft hatten konkrete humanitäre und strategische Auswirkungen. Gleichzeitig bleibt die Geschichte des Widerstands ein Feld, in dem historische Forschung weiter zur Aufklärung von Einzelschicksalen, Entscheidungsprozessen und ethischen Fragen beiträgt.

In populären Medien

Bücher

  • Lowry, Lois Number The Stars (1989) historische Fiktion, auf Englisch, 1990 Newberry-Preisträger

Filme

  • "Miracle at Midnight" (1998), ein für das Fernsehen gedrehter Disney-Film mit Sam Waterson und Mia Farrow in den Hauptrollen, der die wahre Geschichte der Rettung der jüdischen Bevölkerung durch dänische Bürger im September 1943 dramatisiert.

Fragen und Antworten

F: Was war die dänische Widerstandsbewegung?


A: Die dänische Widerstandsbewegung war eine Untergrundbewegung, die sich während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzung Dänemarks wehrte.

F: Warum brauchte die Widerstandsbewegung länger, um wirksame Taktiken zu entwickeln?


A: Aufgrund der anfänglich nachsichtigen Regelungen, in denen die Nazi-Besatzungsbehörde der demokratischen Regierung erlaubte, an der Macht zu bleiben, entwickelte die Widerstandsbewegung langsamer als in einigen anderen Ländern effektive Taktiken auf breiter Ebene.

F: An welchen Arten von Untergrundaktivitäten waren die Dänen während des Krieges beteiligt?


A: Bis 1943 waren viele Dänen an Untergrundaktivitäten beteiligt, die von der Herstellung illegaler Publikationen bis hin zu Spionage und Sabotage reichten.

F: Was waren einige der wichtigsten Widerstandsgruppen in Kopenhagen?


A: Zu den wichtigsten Gruppen gehörten die kommunistische BOPA (dänisch: Borgerlige Partisaner, Zivilpartisanen) und Holger Danske, die beide in Kopenhagen ansässig waren.

F: Wie viele dänische Nazis, Informanten und Kollaborateure wurden bis 1944 von Widerstandsagenten getötet?


A: Die Agenten des Widerstands töteten bis 1944 schätzungsweise 400 dänische Nazis, Denunzianten und Kollaborateure.

F: Wen tötete der Widerstand auch nach 1944?


A: Nach 1944 tötete der Widerstand auch einige deutsche Staatsangehörige.

F: Wie sahen die Menschen den Widerstand in der Nachkriegszeit?


A: In der Nachkriegszeit wurde der Widerstand von dänischen Politikern unterstützt, und es gab wenig Bemühungen, die Morde genau zu untersuchen. Im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert wurden Studien durchgeführt, und man erfuhr, dass die Entscheidungen über die Ziele manchmal improvisiert und kontingent waren, mit einigen moralisch zweideutigen Entscheidungen.


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