Nazismus (oder Nationalsozialismus) bezeichnet ein politisches System und eine Ideologie, die eng mit der Nazi-Partei Deutschlands verbunden ist. Die Bewegung entstand nach dem Ersten Weltkrieg und gewann in den 1920er Jahren an Bedeutung; die Partei wurde in den frühen 1920er Jahren formiert und Adolf Hitler übernahm die Führung. Die Partei kam 1933 an die Macht und begründete damit das Dritte Reich. Dieses Herrschaftssystem bestand in Deutschland bis 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Nationalsozialismus ist eine Form des Faschismus und stützte sich unter anderem auf biologisch begründeten Rassismus und auf einen autoritären, totalitären Staat.
Ideologie und Merkmale
Die Ideologie des Nationalsozialismus kombinierte mehrere Kernideen:
- Rassenideologie: Ein zentrales Element war die Vorstellung von einer hierarchischen Einteilung der Menschen nach "Rassen". Ein Großteil der Philosophie dieser Bewegung beruhte auf der Vorstellung, dass die "arische Rasse" — wie die Nationalsozialisten diejenigen bezeichneten, die sie als Vorfahren der heutigen Germanen ansahen — anderen Rassen überlegen sei. Nach dieser rassistischen Vorstellung waren die Germanen das Herrenvolk (Herrenrasse).
- Antisemitismus und Ausgrenzung: Juden wurden als Hauptfeinde betrachtet; daneben galten Roma, Slawen, Menschen mit Behinderungen und weitere Minderheiten als "minderwertig" oder "gefährdend". Diese Gruppen wurden systematisch diskriminiert und verfolgt.
- Führerprinzip und Totalitarismus: Autoritäre Führung, Abschaffung pluralistischer Institutionen und die Konzentration aller Macht in den Händen des Führers (Adolf Hitler) und seiner engsten Umgebung.
- Lebensraum, Militarismus und Expansionspolitik: Die Idee, dass das deutsche Volk zusätzlichen "Lebensraum" im Osten benötige, diente als Begründung für aggressive Außenpolitik und Eroberungskriege.
- Propaganda und Kontrolle: Intensive Propaganda, Kult um Führer und Nation, sowie Überwachung und Repression durch Organisationen wie die Gestapo und die SS.
- Sozialdarwinismus und Eugenik: Pseudo-wissenschaftliche Theorien wurden zur Rechtfertigung von Zwangssterilisationen, Krankenmorden und anderen "rassenhygienischen" Maßnahmen herangezogen.
Gesetzgebung, Repression und Gewalt
Um die rassistischen und politischen Ziele durchzusetzen, erließen die Nationalsozialisten eine Reihe von Gesetzen und setzten Repressionsinstrumente ein. So führten die Nürnberger Rassengesetze von 1935 dazu, dass Nichtarier und politische Gegner aus dem öffentlichen Dienst verdrängt wurden. Diese Gesetze untersagten außerdem bestimmten Ehen und Beziehungen und zielten auf die rechtliche Isolierung von Bevölkerungsgruppen ab: Sie verbieten auch jeglichen sexuellen Kontakt zwischen "arischen" und "nichtarischen" Personen.
Gewalt und Terror gehörten zum Alltag: politische Gegner wurden inhaftiert, die Presse zensiert, Gewerkschaften und Parteien außer Kraft gesetzt (Gleichschaltung). Ereignisse wie die Novemberpogrome 1938 (auch "Kristallnacht" genannt) zeigen die Eskalation staatlich geförderter Gewalt gegen Jüdinnen und Juden und jüdische Einrichtungen.
Holocaust, Lager und Massenmord
Im Verlauf der nationalsozialistischen Herrschaft organisierten die Täter einen beispiellosen Völkermord. Die Nazis schickten Millionen von Juden, Roma und anderen Menschen in Konzentrationslager und Todeslager, wo sie getötet wurden. Dies geschah auf unterschiedlichen Wegen: durch gezielte Erschießungen, durch systematische Vergasungen in Vernichtungslagern, durch Zwangsarbeit, entwürdigende Lebensbedingungen und medizinische Experimente. Diese Morde werden heute als Holocaust beziehungsweise als Teil des beispiellosen Völkermords bezeichnet.
Neben den Vernichtungslagern gab es weitere Programme wie das sogenannte Euthanasie-Programm (T4), die Einsätze der mobilen Todesschwadronen (Einsatzgruppen) und die planmäßige Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen in den besetzten Gebieten. Insgesamt führten Krieg und Vernichtungsmaßnahmen zu Millionen Toten — Opfer waren Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, politische Gegnerinnen und Gegner, Menschen mit Behinderungen, Kriegsgefangene und viele Zivilisten, insbesondere in Osteuropa und der Sowjetunion.
Krieg, Untergang und juristische Aufarbeitung
Die aggressive Expansionspolitik Deutschlands unter nationalsozialistischer Führung führte 1939 zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Der Krieg brachte weitreichende Zerstörung in Europa und darüber hinaus. Mit dem militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 endete die Herrschaft des Nationalsozialismus.
Nach dem Krieg erfolgte eine juristische und gesellschaftliche Auseinandersetzung: In den Nürnberger Prozessen wurden führende Nationalsozialisten wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und anderer Vergehen angeklagt und verurteilt. In Deutschland und international begann ein Prozess der Entnazifizierung, rechtlicher Sanktionierung und Aufarbeitung. Die Erfahrungen des Nationalsozialismus hatten außerdem Einfluss auf die Entwicklung des Völkerstrafrechts, der Menschenrechtsnormen und auf die Formulierung des Begriffs "Völkermord" im internationalen Recht.
Langfristige Folgen und Erinnerung
Die Folgen des Nationalsozialismus sind bis heute in vielen Bereichen spürbar: demographische Verluste, kulturelle Zerstörung, politisches und gesellschaftliches Trauma sowie ein tiefgreifendes Bewusstsein für die Gefahren von Rassismus, Antisemitismus und autoritären Ideologien. In Deutschland und international gibt es ein breites Feld von Gedenkstätten, Bildungsprogrammen und erinnerungskulturellen Initiativen, die die Opfer ehren und die Geschichte vermitteln sollen. Außerdem gibt es in Deutschland strafrechtliche Regelungen, die die Verherrlichung des Nationalsozialismus und die Verbreitung seiner Symbole und Inhalte einschränken.
Wichtig ist das Lernen aus dieser Geschichte: Erinnerung, Bildung und die Förderung von Demokratie, Menschenrechten und pluralistischer Gesellschaften gelten als zentrale Mittel, um ähnliche Verbrechen in der Zukunft zu verhindern.
Das Wort Nazi ist in der deutschen Sprache die Abkürzung für Nationalsozialist (Anhänger der Nationalsozialistischen DeutschenArbeiterpartei). Dies bedeutet "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei".


