Eine Tagundnachtgleiche (auch Äquinoktium genannt) liegt vor, wenn die Sonne in ihrer scheinbaren Bahn am Himmel genau über dem Äquator steht. Jedes Jahr gibt es zwei Tagundnachtgleichen: eine im Frühjahr und eine im Herbst. Der Begriff kann sich sowohl auf den Zeitpunkt als auch auf den ganzen Tag beziehen, an dem dies geschieht. In idealisierter Geometrie – wenn die Sonne ein punktförmiges Licht und die Atmosphäre nicht vorhanden wäre – wären an diesem Tag auf der ganzen Erde Tag und Nacht gleich lang.

Warum Tag- und Nachtlänge nicht genau 12 Stunden sind

In der Praxis sind Tag- und Nachtlängen um die Tagundnachtgleiche herum nicht exakt gleich. Dafür gibt es zwei Hauptgründe:

  • Die Sonne ist keine Punktquelle, sondern eine Scheibe mit messbarem Durchmesser. Die Zeit, in der die obere Kante der Sonnenscheibe über dem Horizont erscheint oder verschwindet, verlängert den Tag gegenüber einer punktförmigen Sonne.
  • Atmosphärische Refraktion (Lichtbrechung) lässt die Sonne etwas höher erscheinen, als sie geometrisch steht. Dadurch ist noch Sonnenlicht sichtbar, obwohl die geometrische Sonne bereits unter dem Horizont liegt.

Wegen dieser Effekte liegt der Tag, an dem Tag- und Nachtlänge wirklich exakt gleich sind (sogenannter Equilux), typischerweise ein oder zwei Tage vor bzw. nach dem astronomischen Äquinoktium, abhängig von der geografischen Breite.

Wann treten die Tagundnachtgleichen auf?

Die Tagundnachtgleichen treten jährlich um die Zeit wenn die scheinbare Bahn der Sonne die Ebene des Himmelsäquators schneidet. Der Frühlings- bzw. das sogenannte März-Äquinoktium fällt meist zwischen dem 19. und 21. März, das Herbst- bzw. September-Äquinoktium meist zwischen dem 22. und 24. September. Früher wurde oft vom 21. März und 21. September gesprochen; die tatsächlichen Daten können jedoch je nach Jahr und Weltzeitzone leicht variieren.

Astronomisch lässt sich das Äquinoktium auch dadurch beschreiben, dass die Sonne die ekliptikale Länge von 0° (März) bzw. 180° (September) erreicht und dabei den Himmelsäquator in nördlicher bzw. südlicher Richtung durchquert.

Bedeutung für Jahreszeiten, Kalender und Kultur

Die Tagundnachtgleichen markieren die astronomischen Jahreszeiten: Im nördlichen Erdteil beginnen an der Frühlings-Tagundnachtgleiche die Tage länger zu werden und damit der Frühling, während die September-Tagundnachtgleiche den Beginn des Herbst anzeigt. In der südlichen Hemisphäre gelten diese Zuordnungen genau umgekehrt. (In den USA und anderswo wird oft das Wort autumn bzw. fall für Herbst verwendet.)

Historisch und kulturell sind die Tagundnachtgleichen weltweit bedeutsam: Viele Kulturen feierten um diese Zeiten Ernte- und Fruchtbarkeitsfeste, Sonnenfeste oder Neujahrsrituale. Beispiele sind das persische Neujahrsfest Nowruz zur März-Tagundnachtgleiche oder die Ausrichtungen vieler archäologischer Bauwerke auf den Sonnenauf- bzw. -untergang an Äquinoktien. Auch kirchliche Feiertage sind astronomisch beeinflusst: Die Bestimmung des Osterdatums hängt von einem festen Referenzwert für das Frühlingsäquinoktium ab.

Praktische Hinweise

  • Der genaue Zeitpunkt des Äquinoktiums wird in Universal Time (UTC) berechnet; je nach Zeitzone kann das Ereignis auf zwei verschiedene Kalendertage fallen.
  • An Beobachtungsorten mit langem Dämmerungsverlauf (hohe Breiten) ist die Wirkung der Refraktion und des verlängerten Dämmerlichts größer, sodass das Gefühl von „gleichen“ Tagen dort anders wahrgenommen wird.
  • Für exakte Messungen und Kalenderberechnungen verwenden Astronomen standardisierte Definitionen (z. B. Mittelpunkt der Sonne und geometrische Stellung gegenüber dem Himmelsäquator).

Die Tagundnachtgleichen sind also sowohl ein klar definierter astronomischer Zeitpunkt als auch ein aus vielen Kulturen wichtiges Naturphänomen, das den Wechsel der Jahreszeiten einleitet und zahlreiche gesellschaftliche und religiöse Bräuche beeinflusst hat. Viele Feste und Kalender orientieren sich noch heute an diesen Zeitpunkten.