Hebron – Palästinensische Stadt im Westjordanland & biblisches Heiligtum
Hebron – historische palästinensische Stadt im Westjordanland: biblisches Heiligtum mit Patriarchengräbern, lebendiger Altstadt, Steinbrüchen, Weinbau und religiöser Bedeutung.
Hebron ist eine palästinensische Stadt etwa 30 km (19 mi) südlich von Jerusalem in den Judäischen Bergen. Sie liegt auf rund 930 Metern (3.050 ft) über dem Meeresspiegel und ist die größte Stadt im Westjordanland. Nach Gaza ist Hebron die zweitgrößte Stadt in den palästinensischen Gebieten. Die Einwohnerzahl wird mit etwa 215.000 Menschen (Stand 2016) angegeben; verlässliche, aktuellere Zahlen variieren je nach Quelle.
Die Stadt ist administrativ und sicherheitspolitisch geteilt: H1 steht unter der Verwaltung der Palästinensischen Nationalbehörde, während H2, knapp 20 % der Stadtfläche, weiterhin von Israel kontrolliert wird. Diese Aufteilung geht auf Vereinbarungen zurück, die nach den Unruhen der 1990er Jahre getroffen wurden (u. a. das Abkommen von Hebron 1997).
Religiöse und historische Bedeutung
Hebron gilt als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Region und hat eine zentrale Rolle in den religiösen Überlieferungen der drei monotheistischen Religionen. Die Stadt ist berühmt als traditionelle Begräbnisstätte der biblischen Patriarchen und Matriarchen (die sogenannte Höhle der Patriarchen, arabisch: Ibrahimi-Moschee, hebräisch: Ma'arat HaMachpela). Dies macht Hebron zu einem bedeutenden Ort im Judentum und zu einem wichtigen Pilgerort für Muslime, die hier Verbindungen zu Abraham sehen. Die religiöse Sensibilität und die historischen Stätten prägen das Leben und die Politik der Stadt bis heute.
Geschichtlicher Überblick
Die Geschichte Hebrons reicht bis in die Bronzezeit zurück. Über Jahrtausende war die Stadt Teil unterschiedlicher Reiche und Herrschaften (Kanaaniter, Israeliten, Assyrer, Babylonier, Perser, Hellenistische und Römische Zeit, Byzantiner, frühes Islamisches Kalifat, Kreuzfahrer, Mamluken, Osmanisches Reich, Britisches Mandat, jordanische Verwaltung und seit 1967 die israelische Militärverwaltung). Archäologische Stätten wie Tel Rumeida belegen diese lange Besiedlungsgeschichte.
Wirtschaft und Handwerk
Hebron ist wirtschaftlich wichtig für die Region, unter anderem durch den Abbau und Verkauf von Marmor aus den lokalen Steinbrüchen. Zu den traditionellen Produkten und Gewerben zählen:
- Trauben und Feigen sowie andere landwirtschaftliche Erzeugnisse
- Limestone (Kalkstein) als Baumaterial
- Töpferwerkstätten und Glasbläsereien
- Lebensmittelverarbeitung, z. B. der bedeutende Milchproduzent al-Junaidi
- Handel in den historischen Basaren der Altstadt
Die Wirtschaft leidet allerdings unter eingeschränktem Personen- und Warenverkehr in Teilen der Stadt, andauernden Sicherheitsmaßnahmen und Phasenweise Schließungen von Geschäften in den konfliktträchtigen Bereichen.
Verwaltung, Sicherheit und Alltag
Die Teilung in H1 und H2 hat erhebliche Auswirkungen auf den Alltag: In H2 gibt es eine dauerhafte israelische Sicherheitspräsenz und mehrere jüdische Siedlungsinseln innerhalb oder am Rande der Stadt, in H1 liegt die zivile Verwaltung bei der Palästinensischen Nationalbehörde. Für viele palästinensische Bewohner bedeuten Checkpoints, Straßensperren und Zugangsbeschränkungen tägliche Einschränkungen, die sich auf Arbeit, Handel und Bildung auswirken. In der Vergangenheit kam es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen; ein einschneidendes Ereignis war das Massaker in der Höhle der Patriarchen 1994, das die Lage weiter verschärfte.
Kultur, Bildung und Infrastruktur
Die Altstadt von Hebron ist geprägt von engen, verwinkelten Gassen, traditionellen Steinhäusern mit Flachdächern und alten Marktvierteln. Die Stadt verfügt über Hochschulen wie die Hebron-Universität und die Polytechnische Universität Palästina, die regionale Bildungszentren sind. Kultur- und Freizeitangebote sind begrenzt — es gibt nach wie vor keine Kinos oder größere Unterhaltungsstätten — was einerseits mit konservativen Gesellschaftsformen, andererseits mit den Sicherheitsbedingungen zusammenhängt.
Tourismus und Besuch
Religiöser Tourismus (Pilgerbesuche an der Höhle der Patriarchen) sowie Besucher, die an der Geschichte und Handwerkskunst Hebrons interessiert sind, kommen in die Stadt. Die Sicherheitslage und Beschränkungen können aber Reisen erschweren; Besucher sollten aktuelle Reisehinweise und lokale Hinweise beachten.
Kurz zusammengefasst: Hebron ist eine historisch und religiös hochbedeutende Stadt im Südwesten des Westjordanlands mit einer lebendigen Handwerkstradition und wirtschaftlicher Bedeutung für die Region. Gleichzeitig prägen politische Teilung, Sicherheitsmaßnahmen und die Nähe zu Siedlungen den Alltag und die Entwicklung der Stadt.
Galerie
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Tel Rumeida (Altes Hebron)
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Jüdischer Friedhof Hebron
Fragen und Antworten
F: Wo befindet sich Hebron?
A: Hebron ist eine palästinensische Stadt 30 km (19 Meilen) südlich von Jerusalem.
F: Wie viele Menschen leben in Hebron?
A: In Hebron leben etwa 215.000 Menschen (2016).
F: Wie werden die beiden Teile von Hebron genannt und wer kontrolliert sie?
A: Hebron ist in zwei Teile unterteilt: H1, der von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert wird, und H2, etwa 20% der Stadt, der von Israel kontrolliert wird.
F: Warum ist Hebron wichtig für das Judentum?
A: Hebron ist berühmt als traditionelle Begräbnisstätte der biblischen Patriarchen und Matriarchen, was die Stadt zu einer sehr wichtigen Stadt im Judentum macht.
F: Wofür ist Hebron im Hinblick auf seine Wirtschaft bekannt?
A: Hebron ist aufgrund des Verkaufs von Marmor aus den Steinbrüchen wichtig für die Wirtschaft der Region. Die Stadt ist bekannt für ihre Weintrauben, Feigen, Kalkstein, Töpferwerkstätten und Glasbläsereien. Hier befindet sich auch der größte Hersteller von Molkereiprodukten, al-Junaidi.
F: Wie sieht die Altstadt von Hebron aus?
A: Die Altstadt von Hebron hat enge, gewundene Straßen, flachgedeckte Steinhäuser und alte Basare.
F: Welche Bildungseinrichtungen befinden sich in Hebron?
A: In Hebron befinden sich die Universität Hebron und die Palästinensische Polytechnische Universität.
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