Überblick
Das Lenzsche Gesetz beschreibt die Richtung einer in einem elektrischen Leiter induzierten Spannung und des daraus resultierenden Stroms bei einer Änderung des magnetischen Flusses. Benannt nach Emil Lenz, formuliert das Gesetz in knapper Form: Eine induzierte Spannung wirkt stets so, dass ihr erzeugter Strom der Ursache der Flussänderung entgegenwirkt. Das Gesetz erklärt, wie elektromagnetische Vorgänge mit dem Prinzip der Energieerhaltung und den sonstigen Kräften in der Natur in Einklang stehen und ist ein Spezialfall der allgemeinen Regeln der Elektromagnetik.
Mathematische Darstellung
Die quantitative Formulierung verbindet Lenz' Aussage mit dem Faradayschen Induktionsgesetz. Die induzierte elektromotorische Kraft (EMK) ist proportional zur zeitlichen Änderung des magnetischen Flusses ΦB durch eine Leiterschleife und trägt ein negatives Vorzeichen, das Lenz' Richtungsregel ausdrückt:
EMK (ℰ) = − ∂ΦB / ∂t
Hier steht das Minuszeichen für die Lenzsche Regel: die induzierte Spannung hat die Richtung, die der Flussänderung entgegenwirkt. Der magnetische Fluss selbst wird häufig als ΦB – magnetischer Fluss bezeichnet.
Richtung des induzierten Stroms
Um die konkrete Richtung des durch Lenz' Gesetz vorhergesagten Stroms zu bestimmen, verwendet man die Orientierung der Fläche und die entsprechende Drehsinnregel. Die typische praktische Methode ist die Rechtsgriffregel, mit der aus der Stromrichtung das zugehörige Magnetfeld bestimmt werden kann.
- Ändert sich der Fluss durch eine geschlossene Leiterschleife so, dass er zunimmt, entsteht eine induzierte Spannung, die einen Strom erzeugt, dessen Magnetfeld die Zunahme verringert.
- Sinkt der Fluss, entsteht ein Strom, dessen Magnetfeld die Abnahme kompensiert.
- Das vom induzierten Strom erzeugte Magnetfeld ist ein eigenes Feld (Magnetfeld) und kann die Ursache der beobachteten Gegenwirkung sein.
Anschauliche Beispiele
- Spule und Batterie: Beim schnellen Einschalten einer Batterie in eine Spule baut sich ein Strom auf. Die Spule entwickelt eine induzierte Gegen-EMK, die dem Aufbau des Stromes entgegenwirkt; beim Abschalten wirkt die Gegen-EMK dem Abklingen des Stroms entgegen (Selbstinduktion).
- Änderung eines äußeren Feldes: Bewegt man einen Magneten auf eine Leiterschleife zu oder von ihr weg, so induziert die Flussänderung einen Strom, dessen Feld der Bewegung entgegenwirkt — man spürt z. B. eine Gegenkraft beim Hereinschieben eines Magneten.
- Anwendungsbeispiel: Trafo, Induktionsherde, Zündkerzen und Bremsen in einigen magnetischen Systemen beruhen auf denselben Grundprinzipien.
Physikalische Bedeutung und Stabilität
Das Lenzsche Gesetz verhindert in der Elektrodynamik unphysikalische Rückkopplungen: Ohne die gegenwirkende Induktion könnte eine steigende Stromstärke eine weitere unterstützende EMK erzeugen, die den Strom unendlich anwachsen ließe. Die Gegenwirkung stellt sicher, dass Energieerhaltung und Stabilität gewahrt bleiben.
Allgemeine Verallgemeinerung
Die Grundidee lässt sich über die Elektrodynamik hinaus verallgemeinern: Wird ein System im Gleichgewicht gestört, verschiebt sich das System tendenziell so, dass die Auswirkung der Störung abgeschwächt wird. Diese Denkweise steht in Zusammenhang mit dem Le Chatelier'schen Prinzip in der Chemie, das analoge Folgen beschreibt.
Experimentelle Hinweise und Begriffe
- Gegen-EMK: Die induzierte Spannung, die einer Änderung des eigenen Stroms entgegenwirkt, wird oft als Gegen-EMK bezeichnet (Selbstinduktion).
- Rechtshändigkeitsregeln: Zur Bestimmung von Feld- und Stromrichtung nutzt man die Rechtsgriffregel oder ähnliche konventionelle Regeln.
- Energetische Betrachtung: Energie, die durch Änderung des Flusses übertragen wird, erscheint z. B. als Wärmeverluste in Widerständen oder als mechanische Arbeit gegen magnetische Kräfte.
Kurze Zusammenfassung
- Das Lenzsche Gesetz legt die Richtung der induzierten EMK fest: sie wirkt stets so, dass sie die Veränderung des magnetischen Flusses entgegenwirkt.
- Es ist eingebettet in das Faradaysche Induktionsgesetz (mathematisch durch ein negatives Vorzeichen) und steht in Übereinstimmung mit der Energieerhaltung.
- Praktische Folgen treten in vielen elektrischen Geräten und Experimenten auf und sind Grundlage moderner Induktionstechniken.
Weiterführende Begriffe in diesem Zusammenhang: Elektromagnetik, elektromotorische Kraft, magnetischer Fluss, Induktion, induziertes Magnetfeld, Gleichgewicht, Le Chatelier.

