Die Mary Rose war ein Kriegsschiff der Tudor-Zeit und gehörte Heinrich VIII. von England. Sie wurde um 1511 gebaut und gehörte zu den frühneuzeitlichen Kriegsschiffen, die zunehmend schwere Bordartillerie trugen. Die Mary Rose sank 1545 in der Schlacht vor der englischen Südküste, als sie sich in Kampfhandlungen mit einer französischen Flotte befand.

Bei dem Untergang kamen nahezu die gesamte Besatzung und viele Soldaten ums Leben; die genaue Zahl ist umstritten, Schätzungen liegen bei mehreren hundert Männern. Als mögliche Ursachen für das Kentern werden ein plötzlicher Windstoß, eine zu starke Ladung auf dem Oberdeck, geöffnete Kanonenluken und eine unzureichend ausgebildete Besatzung diskutiert. Das Wrack lag jahrhundertelang auf dem Meeresboden und konservierte zahlreiche Gegenstände in sauerstoffarmen Bedingungen.

1979 wurde der Mary Rose Trust gegründet, um das Wrack zu bergen und zu erforschen. Im Jahr 1982 gelang es dem Mary Rose Trust, die Mary Rose aus dem Meer zu holen; die Bergung des Rumpfes war ein technisches und logistisches Großprojekt und fand in mehreren Phasen statt. Im Jahr 1994 begann man, sie systematisch zu konservieren. Die Konservierung des Holzrumpfes erfolgte vor allem durch eine langwierige Behandlung mit Polyethylenglykol (PEG) und anschließende Trocknungsverfahren, die über Jahre hinweg notwendig waren, um das Holz zu stabilisieren.

Bei den Ausgrabungen und Bergungen wurden tausende Objekte geborgen – Werkzeuge, Waffen, persönliche Gegenstände, Münzen, Textilienreste und Teile der Ausrüstung –, die heute einen einzigartigen Einblick in Alltag und Kriegstechnik der Tudor-Zeit bieten. Viele dieser Funde werden im eigens errichteten Mary Rose Museum am Portsmouth Historic Dockyard konserviert und ausgestellt.

Die Überreste der Mary Rose befinden sich derzeit mit der HMSVictory und der HMSWarrior in Portsmouth, England. Das Projekt hat nicht nur archäologische Erkenntnisse über Schiffbau, Bewaffnung und Besatzung der Tudor-Flotte geliefert, sondern beeinflusst auch die Methoden der maritimen Archäologie und Konservierung weltweit. Forschung an den Funden – etwa Analysen zu Herkunft, Ernährung, Krankheiten und sozialen Strukturen der Besatzung – läuft weiterhin und liefert fortlaufend neue Erkenntnisse zur Geschichte Europas im 16. Jahrhundert.