Pariser Bergwerke (Carrières de Paris): Unterirdische Steinbrüche & Katakomben

Pariser Bergwerke (Carrières de Paris): Entdecke das 280 km lange Labyrinth unter Paris – historische unterirdische Steinbrüche, berühmte Katakomben und praktische Besuchstipps.

Autor: Leandro Alegsa

Die Pariser Bergwerke (auf Französisch Carrières de Paris – "Steinbrüche von Paris") bestehen aus einem weit verzweigten System stillgelegter, unterirdischer Bergwerke unter Paris, Frankreich. Die Anlagen sind durch große Hohlräume und Verbindungsstollen miteinander verknüpft; die einzelnen Räume werden oft als Stollen oder Kammern bezeichnet. Es gibt drei Hauptnetzwerke: das größte, das so genannte grand réseau sud ("großes Südnetzwerk"), liegt unter den Arrondissements Ve, VIe, XIVe und XVe, ein zweites größeres System liegt unter dem XIIIe und ein drittes unter dem XVIe. Weitere, kleinere Netzwerke finden sich etwa unter den XIIe, XIVe und XVIe Arrondissements. Zusammen erstrecken sich die Minen, Gänge und Hohlräume über eine Gesamtlänge von etwa 280 Kilometern.

Geologie, Abbau und bauliche Bedeutung

Die unterirdischen Räume entstanden durch den Abbau von Kalkstein (meist Lutétien-Kalk), der seit der Antike als Baumaterial genutzt wurde. Aus diesen Steinbrüchen lieferten die Pariser Kalksteine das Material für zahlreiche Bauwerke der Stadt – von mittelalterlichen Kirchen bis zu Gebäuden der Haussmann-Zeit. Die Gewinnung erfolgte schrittweise durch Aushöhlung in Kammern, wobei zwischen den Abbaubereichen tragende Felsstreifen stehen blieben, um das Decken- und Straßenflächenniveau darüber zu stützen.

Historische Probleme und Schutzmaßnahmen

Mit der Ausdehnung der Stadt und durch das Alter der Abbauräume kam es immer wieder zu Setzungen und Straßeneinstürzen. Bereits im 18. Jahrhundert wurde deutlich, dass systematische Kontrollen und Sicherungsarbeiten notwendig waren; seither existieren städtische Dienste, die die unterirdischen Räume kartieren, kontrollieren und, wo nötig, stabilisieren. Diese Arbeiten haben zahlreiche Sanierungs- und Konsolidierungsmaßnahmen hervorgebracht, um Schäden an der Oberfläche zu verhindern.

Die Katakomben von Paris

Ein begrenzter, aber bekannter Teil des Netzes (circa 1,7 km) wurde als unterirdisches Beinhaus genutzt und ist heute als Katakomben von Paris bekannt. Aus Gründen der öffentlichen Gesundheit und wegen überfüllter Friedhöfe wurden Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sterbliche Überreste aus verschiedenen Pariser Friedhöfen hierhin umgelagert und teilweise dekorativ angeordnet. Die offizielle, öffentlich zugängliche Route beginnt am Place Denfert-Rochereau; dieser Bereich ist legal besuchbar und wird von städtischen Behörden verwaltet. Das gesamte weitläufige Höhlensystem fälschlicherweise pauschal als "die Katakomben" zu bezeichnen, ist weit verbreitet, aber irreführend.

Zugang, Rechtliches und Sicherheit

Die freie Erkundung der Pariser Bergwerke ist durch die Präfektur streng untersagt. Unerlaubtes Betreten wird mit erheblichen Geldstrafen belegt; in manchen Fällen drohen zusätzlich strafrechtliche Konsequenzen. Nur die offizielle Besichtigungsstrecke der Katakomben ist für die Öffentlichkeit freigegeben; alle anderen Bereiche sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Gänge können enge Passagen, niedrige Decken, feuchte Stellen und schlecht kartografierte Bereiche enthalten und stellen ohne spezielle Ausrüstung und Genehmigung eine erhebliche Gefahr dar.

Stadtforschung und Kultur

Trotz der Beschränkungen besuchen zahlreiche Stadtforscher und Abenteurer das Netz heimlich; diese Gruppe wird umgangssprachlich als Katakaphilen bezeichnet. Neben wissenschaftlichen und historischen Untersuchungen sind die Pariser Untergrundräume auch Gegenstand von Literatur, Fotografie, Film und Kunstprojekten. Die Stadtverwaltung versucht, ein Gleichgewicht zwischen Schutz des Kulturerbes, öffentlicher Sicherheit und dem Interesse an Erforschung und Dokumentation zu finden, indem sie geführte Besichtigungen, wissenschaftliche Zugänge und Restaurierungsarbeiten organisiert.

Praktische Hinweise für Besucher

  • Legal besuchen: Besuchen Sie nur die offizielle Route der Katakomben von Paris über den Eingang Place Denfert-Rochereau.
  • Gefahren vermeiden: Betreten Sie keine gesperrten Bereiche – Einsturz-, Orientierungs- und Gesundheitsrisiken sind real.
  • Informationen einholen: Aktuelle Hinweise zu Öffnungszeiten, Führungen und Sicherheitsvorgaben erhalten Sie bei städtischen Stellen und den offiziellen Katakomben-Webseiten.

Insgesamt sind die Pariser Bergwerke ein bedeutendes technisches, historisches und kulturelles Erbe der Stadt – ein komplexes System, das sowohl die Baugeschichte von Paris widerspiegelt als auch fortlaufende Herausforderungen an Erhalt und Sicherheit stellt.

Überflutete Galerie unter der Rue de la Voie VerteZoom
Überflutete Galerie unter der Rue de la Voie Verte

Beinhaus

Im 18. Jahrhundert führte die wachsende Bevölkerung von Paris dazu, dass die bestehenden Friedhöfe zugeschüttet wurden, was Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit aufwarf. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde beschlossen, drei neue große Friedhöfe anzulegen und die bestehenden Friedhöfe innerhalb der Stadtgrenzen zu verurteilen. Menschliche Überreste wurden langsam in einen wiederaufgebauten Teil der verlassenen Minen gebracht, der später ein Beinhaus werden sollte. Der Eingang befindet sich am heutigen Place Denfert-Rochereau.

Das Beinhaus wurde ab dem frühen 19. Jahrhundert zu einer Touristenattraktion und ist seit 1867 regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich. Obwohl es offiziell als "Ossuaire Municipal" bezeichnet wird, ist es weithin als "die Katakomben" bekannt. Obwohl das gesamte Netz der Pariser Minen keine Begräbnisstätte als solche ist, wird der Begriff "Katakomben" gemeinhin für das gesamte Netz verwendet.

Gebeine der ehemaligen Cimetière de la MadeleineZoom
Gebeine der ehemaligen Cimetière de la Madeleine

Verwandte Seiten

  • Kataphile

Fragen und Antworten

F: Was sind die Minen von Paris?



A: Die Minen von Paris sind eine Reihe stillgelegter, unterirdischer Minen unter Paris, Frankreich, die durch große Kammern, die Stollen, miteinander verbunden sind.

F: Wie viele Hauptnetze gibt es in den Minen von Paris?



A: Es gibt drei Hauptnetze in den Minen von Paris.

F: Wo befindet sich das größte Netz der Pariser Minen?



A: Das größte Netz der Pariser Minen befindet sich in den Arrondissements Ve, VIe, XIVe und XVe.

F: Darf man die Minen von Paris erkunden?



A: Nein, das Erkunden der Pariser Minen ist von der Präfektur nicht erlaubt und wer erwischt wird, muss mit hohen Geldstrafen rechnen.

F: Welches ist der begrenzte Teil des Netzes, der legal besucht werden kann?



A: Der begrenzte Teil des Netzes, der legal besichtigt werden kann, ist ein 1,7 km langer Abschnitt, der in der Vergangenheit als unterirdisches Ossuarium (Aufbewahrungsort für menschliche Knochen) genutzt wurde und als Katakomben von Paris bekannt ist.

F: Wie wird das gesamte Netzwerk gemeinhin, aber fälschlicherweise genannt?



A: Das gesamte Netzwerk wird gemeinhin, aber fälschlicherweise als "die Katakomben" bezeichnet.

F: Wer besichtigt das Netzwerk trotz der Beschränkungen?



A: Stadtforscher, die im Volksmund "Kataphile" genannt werden, besichtigen das Netzwerk oft trotz der Beschränkungen.


Suche in der Enzyklopädie
AlegsaOnline.com - 2020 / 2025 - License CC3