Die Nguni-Sprachen sind eine Gruppe von Bantusprachen, die vom Volk der Nguni gesprochen werden. Diese Sprachen werden im südlichen Afrika, vor allem in Südafrika, Swasiland und Simbabwe, gesprochen. Zu den Nguni-Sprachen gehören Xhosa, Zulu, Swati, Hlubi, Phuthi und Ndebele (sowohl südliche Ndebele als auch nördliche Ndebele).

Der Name "Nguni" stammt von der Rinderrasse Nguni-Rind. Das Wort Nguni wird manchmal verwendet, um alle Sprecher der Nguni-Sprachen als Gruppe zu bezeichnen. Dies ist eine falsche Verwendung des Wortes, da viele verschiedene Stämme diese Sprachen sprechen.

Verbreitung und Status

Nguni-Sprachen sind in mehreren südafrikanischen Staaten verbreitet. Zulu und Xhosa gehören zu den 11 Amtssprachen Südafrikas und werden in vielen Provinzen wie KwaZulu‑Natal und der Eastern Cape intensiv gesprochen. Swati (siSwati) ist Amtssprache in Swasiland (Eswatini) und wird auch in Teilen Südafrikas gesprochen. Die nördliche Ndebele-Varietät ist vor allem in Simbabwe, verbreitet. Insgesamt haben viele Nguni-Sprachen mehrere Millionen Muttersprachler; Zulu ist die größte Einzelsprache der Gruppe in Südafrika.

Sprachliche Merkmale

  • Klicklaute: Ein auffälliges Kennzeichen vieler Nguni-Sprachen sind Klickkonsonanten, die historisch durch Kontakt mit Khoisan-Sprachen übernommen wurden. In der standardisierten Orthographie werden Klicks meist mit den Buchstaben c, q und x geschrieben (für verschiedene Klickarten: dental, alveolar und lateral).
  • Nominalklassensystem: Wie andere Bantu-Sprachen verfügen Nguni-Sprachen über ein System von Nomenklassen mit Präfixen, das Grammatik und Kongruenz (Übereinstimmung) von Adjektiven, Verben und Pronomen steuert.
  • Verbalflexion: Die Verben sind agglutinierend und sehr reich morphologisch: Subjekt-, Objekt- und Tempus‑/Aspekt‑Marker werden an den Verbstamm angefügt.
  • Tonales System: Nguni-Sprachen sind tonal; unterschiedliche Tonverläufe können die Bedeutung eines Wortes verändern.

Klassifikation innerhalb der Nguni-Gruppe

Die Nguni-Sprachen werden häufig in zwei Untergruppen eingeteilt:

  • Zunda‑Gruppe: darunter Zulu, Xhosa und die südliche Ndebele.
  • Tekela‑Gruppe: darunter Swati (siSwati), Phuthi und Hlubi. Der Name "Tekela" bezieht sich auf eine charakteristische Lautverschiebung (z. B. Zulu -d- vs. Swati -t- in bestimmten Wörtern).

Wechselseitige Verständlichkeit und Dialekte

Zwischen einzelnen Nguni-Sprachen besteht teilweise eine hohe Verständlichkeit, vor allem zwischen nahe verwandten Varietäten wie Zulu und Xhosa. Dennoch unterscheiden sich die Sprachen hörbar in Aussprache, Wortschatz, Grammatik und in der Verwendung von Klicklauten. Innerhalb jeder Sprache gibt es zahlreiche Dialekte und städtische Varietäten, die durch Migration und Mehrsprachigkeit weiter beeinflusst werden.

Schrift, Literatur und Medien

Nguni-Sprachen verwenden das lateinische Alphabet mit zusätzlichen Konventionen für Klicklaute und Lautkombinationen. Es gibt umfangreiche mündliche und schriftliche Traditionen: Zeitungen, Radioprogramme, Fernsehbeiträge, Schulbücher und eine wachsende literarische Produktion in Zulu, Xhosa und siSwati. Diese Sprachen spielen eine wichtige Rolle in Bildung, Politik und Kultur der jeweiligen Regionen.

Beispiele (kurz)

  • Zulu: Begrüßung: Sawubona (du), Sanibonani (ihr). Zustimmung: Yebo (ja).
  • Xhosa: Begrüßung: Molo (du), Molweni (ihr). Zustimmung: Ewe (ja).
  • Swati/siSwati: viele Wörter teilen Wurzeln mit Zulu und Xhosa, haben aber auch eigene Formen und Lautungen.

Bedeutung und Herausforderungen

Nguni-Sprachen sind kulturell und historisch bedeutend für Millionen Menschen im südlichen Afrika. Herausforderungen sind u. a. die Förderung und Finanzierung von Bildungsressourcen, Medienangeboten und die standardisierte Orthographie für kleinere Varietäten. Gleichzeitig bieten sie ein reiches Feld für Sprachforschung, Dialektologie und für die Dokumentation traditioneller mündlicher Überlieferungen.