Nibelungenlied: Epos des Mittelalters – Siegfried, Kriemhild & Handschriften
Nibelungenlied: Episches Mittelalterdrama um Siegfried und Kriemhild, Entstehung, Versionen und Handschriften A–C – Geschichte, Analyse und Quellen des berühmten Heldenepos.
Das Nibelungenlied (wörtlich: „Das Lied der Nibelungen“) ist ein episches Gedicht in Mittelhochdeutsch, das zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur des Mittelalters zählt. Es erzählt in dichterischer Form die dramatische Geschichte des Drachentöters Siegfried am Hof der Burgunder und die verhängnisvolle Rache seiner Frau Kriemhild, die zur Vernichtung vieler Burgunder und schließlich auch zum Tod Kriemhilds führt.
Handlung (Kurzüberblick)
Das Epos verbindet Heldensagen, Hof- und Familienkonflikte sowie historische Erinnerungen. Wichtige Stationen sind:
- Siegfrieds Ankunft am Hof der Burgunder und seine Hilfe für König Gunther bei der gewonnenen Braut Brunhild;
- wachsende Spannungen zwischen Brunhild und der Königin Kriemhild, die zur Entbloßung Brunhilds und zur Demütigung führen;
- Hagens Verrat und Mord an Siegfried;
- Kriemhilds Heirat mit dem Hunnenkönig Etzel (Attila) und ihr Rachedurst;
- die blutige Schlussszene am Hof Etzels, in der fast alle Beteiligten getötet werden.
Wichtige Figuren und Themen
Zu den zentralen Figuren zählen Siegfried, Kriemhild, Gunther, Hagen, Brunhild und Etzel. Thematisch behandelt das Lied:
- Ehre, Treue und die Grenzen höfischer Kultur;
- Rache und Vergeltung als tragische Triebkräfte;
- das Spannungsverhältnis zwischen individueller Leidenschaft und gesellschaftlicher Ordnung;
- Erinnerung an historische Ereignisse (z. B. die Zerstörung des burgundischen Königreichs) und ihre mythologische Verarbeitung.
Entstehung, Sprache und Form
Das Nibelungenlied entstand vermutlich um das Jahr 1200; der genaue Entstehungsort und der Verfasser sind unbekannt. Der Text ist in Mittelhochdeutsch verfasst und steht in der metrischen Form der sogenannten Nibelungenstrophe: vier Zeilen mit innerem Reim und einer Zäsur in der Mitte der Verse. Das Werk kombiniert Elemente mündlicher Überlieferung mit literarischer Gestaltung.
Überlieferung und Manuskripte
Das Nibelungenlied beruht auf einer längeren mündlichen Tradition; insgesamt sind etwa 35 deutsche Quellen und eine niederländische Quelle für die Sage bekannt. Ein vermutetes Originalmanuskript ist verloren gegangen. Die drei ältesten und wichtigsten Handschriften werden als A, B und C bezeichnet:
- A - Hohenems-München-Handschrift (letztes Viertel 13. Jahrhundert, heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München)
- B - St.Galler Manuskript (Mitte dreizehntes Jahrhundert, in der Stiftsbibliothek St.Gallen)
- C - Donaueschlinger Handschrift (zweites Viertel 13. Jahrhundert, in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe)
B gilt vielen Forschern als dem verlorenen Urtext am nächsten kommend, doch die genaue Entstehungs- und Überlieferungsbeziehung der drei Fassungen ist nicht geklärt. Die Vielfalt der Fassungen weist auf eine lebhafte mündliche Tradition hin, die in schriftliche Fassungen eingriff und zu unterschiedlichen Varianten führte.
Inhaltlich unterscheiden sich die Fassungen teils erheblich: Die Handschriften A und B enden mit der Formel daz ist der Nibelungen nicht (‚das ist der Untergang der Nibelungen‘) und werden daher oft als Notfassungen bezeichnet. Manuskript C schließt mit daz ist der Nibelungen liet (englisch: that is the song/epic of the Nibelungs) und wird als die Liedfassung bezeichnet. Die C-Fassung ist redaktionell stärker an das Publikum ihrer Zeit angepasst, weniger dramatisch und vermutlich populärer; ästhetisch und in erzählerischer Wucht gilt jedoch die B-Fassung als nahe an der größten künstlerischen Leistung für zeitgenössische Hörer oder Leser.
Rezeption und Nachwirkung
Das Nibelungenlied hat seit dem Mittelalter immer wieder künstlerische Rezeption erfahren: in Vortragsformen, Bearbeitungen, Theater, Malerei, Film und literaturwissenschaftlicher Forschung. Besonders einflussreich wurde die Umdeutung und Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert. Der Komponist Richard Wagner griff Figuren und Motive der Siegfriedsage in seinem Opernzyklus Der Ring des Nibelungen auf; Wagners Werk schöpft jedoch stärker aus der nordischen Mythentradition (Edda, Nibelungenstoff) und transformiert die Stoffe für die romantische Großdramaturgie.
Begriffe und Namensdeutung
Der Name „Nibelungen“ wird mitunter mit dem Zwerg-Motiv verbunden: Im Laufe der Adaptionen wurden die Nibelungen häufig als mit Zwergen oder Schatzhütern verknüpft interpretiert. Sprachlich bedeutet der Titel des Werks: „Das Lied/der Gesang von den Nibelungen“.
Bedeutung heute
Das Nibelungenlied bleibt ein Schlüsseltext zur Verständigung mittelalterlicher Mentalität, höfischer Kultur und deutschsprachiger Literaturgeschichte. Es wird in Schulen und Universitäten gelesen, kritisch ediert und in vielen wissenschaftlichen Zugängen (literaturgeschichtlich, ikonographisch, rezeptionsgeschichtlich) weiter untersucht. Zahlreiche neuere Bearbeitungen machen die Erzählung einem modernen Publikum zugänglich, ohne dass die Vielschichtigkeit des Originals verloren geht.

Das Bild des Peter von Cornelius: Hagen befiehlt, den Schatz im Rhein zu versenken

Die erste Seite der Quelle C des Textes (1220)
Wer hat es geschrieben?
Der Autor, der das heute verschollene Original aufgeschrieben hat, ist unbekannt. Es gibt jedoch einige wenige Kandidaten:
- Der von Kürenberg - Er schrieb sehr ähnliche Gedichte, und ein Gedicht, das Falkenlied, spiegelt sich in einem Traum von Kriemhild wider. Die meisten Forscher glauben jedoch, dass er lebte, bevor das Nibelungenlied niedergeschrieben wurde.
- Walther von der Vogelweide - Er hat einen sehr ähnlichen Wortschatz (dies lässt sich auch dadurch erklären, dass er in der gleichen Gegend wohnte). Seine grundsätzlichen Ansichten unterschieden sich jedoch sehr von denen, die im Nibelungenlied zum Ausdruck kommen.
- Bligger von Steinach
- Konrad von Fußesbrunnen- Er schrieb ein 3.000 Zeilen umfassendes Gedicht Die Kindheit Jesu und war in der Umgebung von Passau aktiv. Sein Stil ist völlig anders als der des Nibelungenliedes.
- Eine unbekannte Nonne des Passauer Klosters; Das Kloster Passau, die Stadt und ihre Kaufleute werden in dem Lied erwähnt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie einen Teil davon finanziert haben, nicht daran, dass der Autor von dort stammt.
Seriöse Forscher neigen dazu, die letzten drei Optionen zu ignorieren, weil es nicht genügend Beweise gibt, um sie zu unterstützen.
Die bekannte Einführung
| Mittelhochdeutsches Original | Shumway-Übersetzung |
| Uns ist in alten mæren wunders vil geseit |
|
Dies war aber wahrscheinlich nicht im Original, sondern wurde später hinzugefügt. Das Original begann wahrscheinlich mit der Einführung von Kriemhild:
| Mittelhochdeutsches Original | Needler-Übersetzung |
| Ez wuohs in Burgonden ein vil edel magedîn, | Es wuchs einst in Burgund auf / eine Jungfrau von adliger Geburt, |
Fragen und Antworten
F: Was ist das Nibelungenlied?
A: Das Nibelungenlied ist ein episches Gedicht in mittelhochdeutscher Sprache, das die Geschichte des Drachentöters Siegfried am Hof der Burgunder und die Rache seiner Frau Kriemhild erzählt.
F: Was bedeutet "Nibelung"?
A: Nibelung bedeutet in diesem Zusammenhang "Zwerg".
F: Wie wurde es ursprünglich überliefert?
A: Das Nibelungenlied war Teil der mündlichen Überlieferung, das heißt, es wurde normalerweise nicht aufgeschrieben. Während des Mittelalters begannen die Menschen, die Geschichten mehr und mehr aufzuschreiben.
F: Wie viele Quellen gibt es für diese Geschichte?
A: Es gibt etwa 35 deutsche Quellen und eine niederländische Quelle für diese Geschichte.
F: Was ist mit dem Originalmanuskript geschehen?
A: Das Originalmanuskript ist verloren gegangen.
F: Was sind die Manuskripte A, B und C?
A: Bei den Manuskripten A, B und C handelt es sich um die drei ältesten Manuskripte, die als A, B bzw. C bezeichnet werden - das Hohenems-Münchner Manuskript (letztes Viertel des 13. Jahrhunderts), das St.Galler Manuskript (Mitte des dreizehnten Jahrhunderts) und das Donaueschlinger Manuskript (zweites Viertel des 13. Jahrhunderts).
F: Wie unterscheiden sich diese Manuskripte voneinander?
A: Manuskript B scheint dem Original am nächsten zu stehen; die tatsächliche Beziehung zwischen ihnen ist jedoch unbekannt. Die Manuskripte A und B enden mit daz ist der Nibelunge not (das ist der Untergang der Nibelungen); aus diesem Grund sind sie als Not-Versionen bekannt, während das Manuskript C mit daz ist der Nibelunge liet (Englisch: that is song/epic oftheNibeleungs) endet und als Liedversion bekannt ist. Insgesamt ist der Text von C im Hinblick auf das Publikum der Zeit bearbeitet worden. Er ist weniger dramatisch, was ihn wahrscheinlich ästhetisch populärer machte.
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