Walther von der Vogelweide (geboren etwa 1170; gestorben möglicherweise um 1230 in Würzburg) war ein berühmter deutscher Dichter und Komponist. Er war der größte unter den deutschen Minnesängern. Das waren Menschen, die Lieder über die höfische Liebe schrieben und sangen. Walther selbst fügte seinem Namen möglicherweise "von der Vogelweide" an (das bedeutet "von der Vogelweide").

Die deutschen höfischen Liebeslieder, die damals geschrieben wurden, waren sich alle sehr ähnlich, aber Walther gab diesen Liedern neues Leben und machte sie sehr schön. Leider kennen wir nichts von seiner Musik, weil er sie nicht aufgeschrieben hat. Aber er hat seine Gedichte niedergeschrieben. Sie sind sehr originell, manchmal humorvoll, manchmal ernsthaft, oft nur behutsam und vorsichtig Ideen vorschlagend.

Wir wissen nicht, wo Walther geboren wurde, aber er schrieb in einem Dokument, dass er das Singen und Dichten in Österreich gelernt habe. Der Dialekt, den er sprach, zeigt, dass er aus Bayern oder Österreich gekommen sein muss. Er verbrachte einige Zeit am Hof des Herzogs Leopold V. von Babenberg in Wien. Das war um 1190. Er nahm an öffentlichen Gesangswettbewerben teil und führte lange Diskussionen mit anderen Menschen über die Liebe und die Art und Weise, wie über sie in der Poesie geschrieben werden sollte.

Um 1198 verließ er Wien und verbrachte viele Jahre auf Reisen, besuchte Höfe in Europa, unterhielt Herzöge und Fürsten und sang seine Lieder. Die Worte schrieb er immer selbst, er benutzte nie die Worte anderer Dichter. Das hätte ihn zu einem einfachen "Spielmann" gemacht, aber Walther war von adliger Herkunft (er hatte den Titel "Herr"). Er verbrachte oft mehrere Wochen oder Monate in einem Schloss, wo er Leute unterhielt, und wo er sich wahrscheinlich auch in eine der Damen verliebte. Über diese Liebesaffären schrieb er in seinen Gedichten.

Walther schrieb auch Verse mit dem Titel "Sprüche". Diese handelten von der Geschichte der damaligen Zeit. Sie waren eine Art politische Propaganda und wurden in politischen Debatten verwendet. Walther unterstützte Kaiser Otto IV. in seinen Argumenten gegen den Papst und überredete den Kaiser, auf den Kreuzzug zu gehen, den der Papst verboten hatte. Wir wissen nicht, ob Walther mit ihm auf den Kreuzzug ging.

Zu dieser Zeit war Walther sehr berühmt geworden, nicht nur als Dichter und Musiker, sondern auch als eine Art politischer Berater. Walther war der erste Dichter, der nationale und patriotische Poesie schrieb. Er schrieb auch eine Art Liebesgedicht, die in der deutschen Literatur neu war. Unter der Linde ist das berühmteste von ihnen. Hier sind die ersten beiden Verse: