Das Nintendo Entertainment System (abgekürzt NES), in Japan auch als Family Computer oder Famicom bekannt, ist die Konsole, mit der Nintendo in den 1980er Jahren den Videospielmarkt weltweit neu belebte. Das System erschien zuerst in Japan als Famicom (15. Juli 1983), kam 1985 als NES in Nordamerika und wurde ab Mitte der 1980er Jahre schrittweise in Europa eingeführt. Das NES/Famicom verkaufte sich weltweit in hoher Stückzahl und legte den Grundstein für viele heute noch bekannte Spieleserien; insgesamt wurden weltweit über 60 Millionen Einheiten abgesetzt.

Geschichte und Bedeutung

Nach dem Videospieleinbruch Anfang der 1980er Jahre setzte Nintendo mit dem Famicom/NES auf eine technisch robuste, aber kostengünstige Plattform und strikte Lizenzpolitik gegenüber Drittanbietern. In Nordamerika nutzte Nintendo ein sogenanntes Lockout-System (10NES), um unautorisierte Spiele zu verhindern. Viele heute legendäre Reihen wie Super Mario Bros. oder The Legend of Zelda wurden auf dieser Konsole geprägt und trugen wesentlich zur Wiederbelebung der Industrie bei.

Technische Daten (Kurzüberblick)

  • CPU: Ricoh 2A03 (NTSC) / 2A07 (PAL)
  • Grafik: Picture Processing Unit mit einer Auflösung bis zu etwa 256 × 240 Pixel (variiert je nach Scanline); Palette von rund 54 Farben
  • Sound: Mehrkanal-Sound (u. a. zwei Puls-Töne, ein Dreieck-Ton, Rauschkanal und Sample-Kanal)
  • Arbeitsspeicher: Geringer interner RAM (z. B. 2 KB) – Speicherstände wurden bei vielen Spielen durch batteriebetriebenes SRAM im Modul realisiert
  • Medien: Steckmodule/Cartridges mit unterschiedlichen Speicher-Controllern (Mappers) zur Erweiterung von Grafik- und Speicherfunktionen

Controller und Peripherie

Der Controller des NES unterschied sich deutlich von den damaligen Joysticks: Er setzte auf ein flaches Design mit einem D-Pad für präzise Richtungssteuerung sowie den Knöpfen A, B, Select und Start. Das D-Pad war eine Weiterentwicklung, die zuvor bei Handheld-Geräten wie den „Game & Watch“-Geräten von Nintendo entwickelt worden war und die Steuerung von Plattform- und Actionspielen stark verbesserte. Das NES unterstützte standardmäßig zwei Controller für lokale Mehrspieler-Partien; bei der japanischen Famicom-Version waren die Controller fest mit dem Gerät verbunden.

Bekannte Peripheriegeräte und Erweiterungen waren unter anderem:

  • Light Gun „Zapper“ (für Spiele wie Duck Hunt)
  • R.O.B. (Robotic Operating Buddy) – ein Marketing- und Peripherie-Gimmick bei der US-Einführung
  • Famicom Disk System (in Japan) – ein Diskettenlaufwerk mit wiederbeschreibbaren Medien
  • Power Pad, NES Four Score (Multiplayer-Adapter), Power Glove (Experiment)

Bekannte Spiele und Reihen

Auf dem NES entstanden zahlreiche Klassiker, die bis heute Einfluss haben und von denen viele Serien fortgeführt wurden. Einige der berühmtesten Titel sind

  • Super Mario Bros. – Wegweisende Plattformserie
  • The Legend of Zelda – frühes Action-Adventure mit Speicherfunktion
  • Metroid – Erkundungsbasiertes Actionspiel
  • Mega Man – präzise Action-Platformer
  • Castlevania – düstere Action-Platformer
  • Donkey Kong – eine der ältesten Marken von Nintendo
  • Final Fantasy – Beginn einer der bekanntesten Rollenspielreihen (mit Speichermöglichkeit über Batterie)

Diese und viele weitere Titel erhielten zahlreiche Fortsetzungen und beeinflussten Genres und Spieldesign nachhaltig. Manche Spiele nutzten erstmals Batteriespeicher in Cartridges, wodurch echte Speicherstände möglich wurden (z. B. Zelda, Final Fantasy).

Famicom vs. NES – Unterschiede

  • Design: Das japanische Famicom war kompakter, in Rot/Weiß gehalten und hatte steckbare Controller, die oft fest verbunden waren; das westliche NES erhielt ein großes, „VCR-artiges“ Gehäuse mit vorne einschiebbaren Modulen.
  • Peripherie: Das Famicom bot in Japan das Disk System; viele dieser Erweiterungen erschienen in der westlichen Version nicht.
  • Regionale Anpassungen: Aufgrund von PAL/NTSC-Unterschieden und regionalen Vorschriften gab es leicht unterschiedliche Hardware- und Software-Versionen.

Einfluss, Ende der Produktion und Vermächtnis

Nintendo stellte die Produktion und den Verkauf des NES in den 1990er Jahren schrittweise ein; offiziell war das Ende der Produktion Mitte der 1990er Jahre, als neuere Systeme wie das Super NES und später Nintendos 3D-Ära die Marktführerschaft übernahmen. Trotz des Produktionsendes leben viele Spiele und Konzepte weiter: durch Neuauflagen wie die NES Classic Edition, digitale Angebote (Virtual Console) und zahlreiche Remakes und Fortsetzungen. Die Konsole prägte Spielmechaniken, Leveldesign und die Industriepolitik (Lizenzierung von Drittanbietern) nachhaltig.

Sammler, Emulation und Retro-Szene

Das NES ist heute ein beliebtes Sammelobjekt: originale Module, Sondereditionen und seltene Titel erzielen hohe Preise. Gleichzeitig existiert eine breite Szene für Emulation, Repros und Heimkonsole-Modifikationen, die es ermöglichen, Klassiker auf moderner Hardware zu spielen. Für Retro-Fans ist das NES ein kulturelles Symbol der Videospielgeschichte.

Insgesamt bleibt das NES/Famicom eine der einflussreichsten Plattformen der Videospielgeschichte: viele bekannte Marken begannen hier, technische Konzepte wie das Cartridge-Format, Batteriespeicher und D-Pad-Steuerung wurden zur Norm, und die Spiele aus dieser Epoche werden bis heute gespielt und geschätzt.