Nylon – Eigenschaften, Geschichte & Anwendungen der Kunstfaser
Nylon: Eigenschaften, Geschichte & Anwendungen der Kunstfaser – vielseitig, robust und wasserresistent; von Kleidung über Fallschirme bis Teppiche. Jetzt mehr erfahren.
Nylon ist eine Kunstfaser und gehört zu den bekanntesten technischen Polyamiden. Der Werkstoff wurde erstmals am 28. Februar 1935 hergestellt und in der Folge schnell kommerzialisiert. Chemisch handelt es sich um ein durch Kondensations‑ oder Ringöffnungs‑Polymerisationsverfahren gewonnenes Polyamid; die wichtigsten Handelsformen sind die Typen „Nylon 6“ und „Nylon 6,6“, die sich in ihrer Monomerzusammensetzung und damit in Eigenschaften wie Schmelzpunkt und Festigkeit unterscheiden.
Nylon hat ein seidiges Aussehen und wurde anfangs unter anderem für Zahnbürsten eingesetzt. Die Faser ist zugfest, abriebfest, relativ hart und zeigt gute Beständigkeit gegen viele Öle und Fette sowie gegen mechanische Beanspruchung. Wegen seiner Eigenschaften wird Nylon vielfach in der Bekleidungsindustrie, aber auch in technischen Anwendungen eingesetzt. Polyamide sind heute eine Standardwahl für synthetische Fasern in der Kleidung. Nylon wird außerdem zur Herstellung von Fallschirmen, Seilen, Schnüren (z. B. für Reifen), Teppichen, Fischernetzen, Stoffen und Socken verwendet, daneben in technischen Teilen wie Zahnrädern, Lagerbuchsen oder Gehäusen.
Nylon wurde von Wallace Carothers und seinem Team bei Du-Pont entwickelt. Die Entdeckung in den 1930er‑Jahren führte in den späten 1930er‑ und frühen 1940er‑Jahren zur breiten Einführung von Nylonprodukten (z. B. Nylon‑Strümpfen), was die Bedeutung der Kunstfaser weltweit begründete.
Eigenschaften
- Mechanisch: hohe Zugfestigkeit, gute Elastizität und sehr gute Abriebfestigkeit; abhängig von Typ und Verstärkung (z. B. glasfaserverstärkt) variabel bis sehr hoch.
- Thermisch: Nylon 6 hat einen Schmelzpunkt von etwa 215 °C, Nylon 6,6 liegt in der Regel höher (ca. 250–265 °C). Langzeit‑Hitzebeständigkeit ist begrenzt.
- Feuchteverhalten: hygroskopisch — Nylon nimmt Feuchtigkeit auf, was seine mechanischen Eigenschaften (z. B. Zähigkeit, Formstabilität) und Abmessungen beeinflusst.
- Chemische Beständigkeit: gut gegen aliphatische Kohlenwasserstoffe, Öle und Fette; empfindlich gegenüber starken Säuren, Laugen und oxidierenden Medien.
- Oberfläche und Optik: glatt bis glänzend, gut färbbar; neigt bei Textilien je nach Verarbeitung zu Pilling.
- Verarbeitung: geeignet für Schmelzspinnen, Lösungsspinnen, Spritzguss und Extrusion.
Herstellung und Typen
Wichtigste Herstellungsverfahren sind die Kondensationspolymerisation (z. B. zur Gewinnung von Nylon 6,6 aus Hexamethylendiamin und Adipinsäure) und die Ringöffnungs‑Polymerisation (z. B. zur Herstellung von Nylon 6 aus Caprolactam). Durch Copolymerisationen und Additive lassen sich Eigenschaften wie Flammwiderstand, UV‑Stabilität oder mechanische Festigkeit gezielt verändern. Technische Nylone werden oft mit Glasfasern oder Mineralstoffen verstärkt, um Tragfähigkeit und Wärmeformbeständigkeit zu erhöhen.
Anwendungen
- Textilien: Strümpfe, Sport‑ und Funktionsbekleidung, Unterwäsche, Mischgewebe.
- Inneneinrichtung: Teppiche, Polsterstoffe, Vorhänge.
- Industrie: Seile, Gurte, Fischernetze, Fallschirme, Reifencord.
- Maschinenbau/Automobil: Zahnräder, Lager, Gehäuse, Befestigungselemente, Unter‑Hauben‑Bauteile (wegen guter mechanischer Eigenschaften und Bearbeitbarkeit).
- Elektronik und Elektro: Isolierungen und Teile, die Isolation und mechanische Festigkeit erfordern.
Pflege, Umwelt und Recycling
Nylontextilien sind relativ pflegeleicht, allerdings werden hohe Temperaturen beim Waschen oder Trocknen meist nicht empfohlen, da sie das Material verformen oder schrumpfen können. Beim Umgang mit heißem Bügeln ist Vorsicht geboten.
Umweltaspekte: Nylon ist ein auf fossilen Rohstoffen basierender Kunststoff und biologisch nur sehr langsam abbaubar. Es kann beim Waschen Mikrofasern freisetzen, die als Mikroplastik in die Umwelt gelangen. Gleichzeitig gibt es etablierte Recycling‑verfahren: mechanisches Recycling (Wiederaufschmelzen) sowie chemisches Recycling (Depolymerisation zurück zu Monomeren wie Caprolactam). Mehrere Initiativen und Marken verarbeiten recycelte Nylon‑Abfälle (z. B. aus Fischernetzen) zu neuen Fasern.
Vorteile und Nachteile
- Vorteile: hohe Festigkeit, gutes Rückstellvermögen, Abriebfestigkeit, gute Verarbeitbarkeit und Färbbarkeit.
- Nachteile: nimmt Feuchtigkeit auf (Form‑ und Maßänderungen möglich), begrenzte UV‑Beständigkeit, empfindlich gegenüber starken Chemikalien und nicht biologisch abbaubar ohne spezielle Behandlung.
Moderne Entwicklungen
Heute existieren vielfältige Modifikationen und Spezialtypen (z. B. flammgeschützte, hitzestabile oder besonders verschleißfeste Nylone). Die Forschung richtet sich verstärkt auf CO2‑ärmere Herstellungsverfahren, den Einsatz biobasierter Rohstoffe und effizientere Recyclingprozesse, um die ökologischen Nachteile der traditionellen Nylonproduktion zu reduzieren.

Ein Knoten, auf einem Seil, aus Nylon

Nylonstrümpfe, die 1954 inspiziert wurden.
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