Okarina: Definition, Bau, Klang und Spielweise der Tonflöte

Okarina: Entdecken Sie Bau, Klang und Spielweise der Tonflöte – Geschichte, Bauanleitungen, Spieltipps und Klangbeispiele für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Autor: Leandro Alegsa

Eine Okarina ist eine Art Flöte, die nicht aus einem Rohr gefertigt ist. Da die Okarina eine runde oder kastenähnliche Form hat, unterscheidet sich ihr Klang ein wenig von anderen Flöten.

Definition und Grundprinzip

Die Okarina ist eine Gefäßflöte (auch "vessel flute" genannt): der Ton entsteht nicht durch eine längere Luftsäule in einem Rohr, sondern durch einen Hohlkörper, der als Helmholtz-Resonator wirkt. Durch das Anblasen an einem Mundstück wird die Luft im Inneren in Schwingung versetzt; die hörbare Tonhöhe hängt primär vom Volumen des Hohlraums und von der Fläche der geöffneten Löcher ab.

Bau und Materialien

  • Formen: Häufige Bauformen sind die süßkartoffelähnliche (engl. "sweet potato"), quer spielbare (transverse) Okarina und Hals- oder Anhänger-Okarinen (pendant).
  • Lochanzahl: Es gibt einfache Modelle mit 4–6 Löchern, gebräuchliche Konzert-Modelle mit 8–12 Löchern und größere Formen mit noch mehr Löchern zur Erweiterung des Tonumfangs.
  • Materialien: Okarinen werden aus Keramik, Ton, Porzellan, Holz, Kunststoff, Glas oder Metall gefertigt. Keramik und Porzellan sind besonders verbreitet wegen ihres klaren Klangcharakters.
  • Verarbeitung: Mundstück, Hohlkörper und Stimmkammer sind so geformt, dass sie eine stabile Intonation und angenehme Ansprache erlauben. Feinabstimmung erfolgt durch die Größe und Position der Fingerlöcher.

Klang und Technik (Physik)

Der Toncharakter einer Okarina ist warm, rund und oft eher weich im Vergleich zu Rohrflöten. Wichtige Punkte:

  • Helmholtz-Resonanz: Die Grundfrequenz wird durch das Verhältnis von Hohlraumvolumen zu Öffnungsfläche bestimmt. Größerer Hohlraum = tiefere Grundtöne.
  • Tonumfang: Je nach Bauform 1 bis etwa 2 Oktaven; Konzert-Okarinen erreichen oft zwei komplette Oktaven.
  • Ansprache: Gut geformte Okarinen sprechen schnell an; die Lautstärke und Tonhöhe reagieren sensibel auf Atemdruck.

Spielweise und Spieltechniken

  • Grundtechnik: In die Okarina wird in ein Mundstück geblasen; mit Fingern werden Löcher geschlossen oder geöffnet, ähnlich wie bei anderen Holzblasinstrumenten.
  • Atemkontrolle: Durch Variation des Luftdrucks lassen sich Lautstärke, Intonation und Artikulation verändern. Sanftes Atmen für weiche Töne, kräftigeres Blasen für lautere und hellere Töne.
  • Vibrato & Effekte: Vibrato kann durch leichten Zwerchfell- oder Stimm-Rhythmus erzeugt werden; Tongueing (Abstopptechnik mit der Zunge) und schnelle Tonwechsel sind möglich.
  • Overblowing / Obertöne: Bei vielen Okarinen entsteht die zweite Oktave nicht durch Überblasen, sondern durch gezieltes Öffnen der richtigen Kombination von Löchern; bei manchen Modellen lassen sich Obertöne anspielen.
  • Griffsysteme: Es gibt unterschiedliche Griffsysteme (z. B. "English", "Italian", herstellerspezifische Systeme). Wer von einem System auf ein anderes wechselt, muss neue Fingerkombinationen lernen.

Typen und Bauformen

  • Süßkartoffel-Okarina: Rundlich, beidhändig zu spielen, sehr verbreitet.
  • Transverse-Okarina: Quer gehalten wie eine Querflöte, oft mit 8–12 Löchern.
  • Pendant/Neck-Okarina: Klein, meist mit 4–6 Löchern, wird an einer Schnur als Halskette getragen und einhändig gespielt.
  • Soprano, Alto, Tenor, Bass: Okarinen gibt es in unterschiedlichen Stimmlagen; Ensemble-Spiel ist daher möglich.

Geschichte und Verwendung

Gefäßflöten mit okarinaähnlicher Bauweise existieren seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen — von präkolumbianischen Kulturen in Mittel- und Südamerika bis zu europäischen Volksformen. Die moderne keramische Okarina wurde im 19. Jahrhundert popularisiert. In der Popular- und Volksmusik sowie in Filmen und Videospielen (z. B. die berühmte Verwendung in The Legend of Zelda: Ocarina of Time) erlangte das Instrument große Bekanntheit und löste ein gesteigertes Interesse an Okarinen weltweit aus.

Stimmung, Stimmen und Reparatur

  • Stimmung: Die Intonation hängt von Keramiktemperatur, Brennvorgang und genauen Lochgrößen ab. Kleinere Anpassungen erfolgen durch Vergrößern oder Verkleinern von Löchern (vorsichtig feilen oder mit Wachs verschließen) oder durch Einsetzen von Kork/Stopfen zur Veränderung des Innenvolumens.
  • Temperatur- und Feuchtigkeitseinflüsse: Keramik- und Ton-Instrumente können bei starkem Temperaturwechsel verstimmt werden; direkte Sonneneinstrahlung und extremes Austrocknen sollte vermieden werden.
  • Reparatur: Kleinere Absplitterungen an keramischen Okarinen können geklebt werden; bei größeren Schäden ist oft ein Ersatz sinnvoll. Kunststoffmodelle sind meist robuster.

Pflegehinweise

  • Nach dem Spielen kurz ausblasen, um Feuchtigkeitsansammlungen zu reduzieren.
  • Keramik- und Toninstrumente lassen sich vorsichtig mit lauwarmem Wasser ausspülen; aggressive Reinigungsmittel vermeiden. Kunststoff- und Holzmodelle nach Herstellerangaben reinigen.
  • Bei längerer Lagerung trocken und vor Temperaturschwankungen geschützt aufbewahren.

Repertoire und Einsatzbereiche

Die Okarina eignet sich für Volksmusik, einfache Melodien, Filmmusik-Arrangements, Solostücke und Ensembles. Durch ihre leichte Erlernbarkeit gibt es viele Anfängerliteratur und Lehrbücher; zugleich erlauben Konzertmodelle anspruchsvolle klassische und moderne Musikinterpretationen.

Fazit

Die Okarina ist ein vielseitiges, klanglich charaktervolles und relativ zugängliches Blasinstrument mit langer Tradition. Ob als einfaches Halsinstrument für Anfänger oder als ausgefeilte Konzertokarina: ihr runder, warm klingender Ton und die kompakte Bauweise machen sie zu einem beliebten Instrument in vielen musikalischen Kontexten.

Geschichte

Die Zehn-Loch-Okarina wurde erstmals 1853 von Giuseppe Donati in Italien hergestellt. Instrumente wie die Okarina wurden bereits Hunderte von Jahren zuvor in Südamerika, China und Afrika hergestellt. In Europa wurde im 16. Jahrhundert eine Form namens Edelsteinhorn hergestellt. Das Gemshorn wurde aus einem Tierhorn hergestellt.

Im 19. Jahrhundert spielten Gruppen von Okarinaspielern mit unterschiedlich großen Okarinas klassische Musik und Volksmusik. Dadurch wurden die italienischen Okarinas in der ganzen Welt bekannt.

In den Vereinigten Staaten wurde die Okarina die Süßkartoffel genannt, weil ihre Form der einer Süßkartoffel ähnelt.

1928 begannen die Japaner mit der Herstellung von Okarinas. Sie fügten der alten Art von Okarinas zwei kleine Löcher hinzu. Japanische 12-Loch-Okarinas können einen größeren Maßstab spielen als 10-Loch-Okarinas.

Okarinas aus Japan.Zoom
Okarinas aus Japan.

Englisch Ocarina

In den 1960er Jahren wurde die englische Okarina erfunden. Sie hat vier Grifflöcher und kann ein oder zwei Daumenlöcher haben. Englische Okarinas werden in vielen Formen hergestellt.

Die englische Okarina wurde erstmals in den 1960er Jahren von John Taylor hergestellt.Zoom
Die englische Okarina wurde erstmals in den 1960er Jahren von John Taylor hergestellt.



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