Oktopoden (Kraken) – Definition, Merkmale und Unterordnungen
Oktopoden (Kraken): Definition, Merkmale & Unterordnungen – von Fossilnachweis bis Incirrina und Cirrina. Alles zu Anatomie, Vielfalt und Lebensräumen.
Oktopoden sind die Ordnung der Kopffüßer, zu der der Gewöhnliche Tintenfisch und zahlreiche weitere Arten gehören. Die fossile Überlieferung von Oktopoden ist insgesamt selten und lückenhaft: einige mögliche Spuren reichen bis ins späte Karbon, eindeutige, gut erhaltene Fossilien stammen jedoch meist aus jüngeren Erdzeitaltern. Moderne molekulare und paläontologische Befunde deuten auf eine lange und komplexe Evolutionsgeschichte dieser weichkörperigen Tiere hin.
Systematik und Unterordnungen
Die Ordnung Oktopoda wird in zwei Hauptunterordnungen eingeteilt:
- Incirrina – die bekanntesten Kraken der flacheren Meeresbereiche, oft an Felsenküsten und in Korallenriffen zu finden. Incirrina besitzen keine gefiederten Anhängsel (Cirri) an den Armen und haben in der Regel keinen ausgeprägten „Schirm“ zwischen den Armen.
- Cirrina – tiefseelebende, oft pelagische Oktopoden, deren Arme durch eine hautartige Membran verbunden sein können und die charakteristische kleine Fiederchen (Cirri) an den Arminnenseiten sowie oft paarige Flossen am Mantel haben. Ihre Lebensweise und Körperbau unterscheiden sich dadurch deutlich von den Incirrina.
Merkmale und Anatomie
- Arme: Oktopoden haben acht Arme (nicht zu verwechseln mit langen Tentakeln mancher anderer Cephalopoden). Die Arme sind muskulös und mit Saugnäpfen versehen; viele Arten können Arme regenerieren.
- Mantel und Siphon: Der mantelartige Körperkessel enthält die inneren Organe; mit dem Siphon wird Wasser ausgestoßen und so Fortbewegung über Rückstoß (Jet) ermöglicht.
- Schädel und Kiefer: Ein kräftiger, schnabelartiger Kiefer (Schnabel) dient zum Zerbrechen von Schalenbeutetieren; eine Radula im Inneren hilft beim Zermahlen der Nahrung.
- Haut und Tarnung: Viele Oktopoden verfügen über Chromatophoren, Iridophoren und Papillen und können so Farbe, Glanz und Oberflächenstruktur ihrer Haut blitzschnell verändern – Schlüssel zur Tarnung, Kommunikation und Täuschung von Beute.
- Atmung: Kiemen sorgen für den Gasaustausch; bei einigen tiefseelebenden Cirrina sind Anpassungen an kühle, sauerstoffärmere Habitate zu finden.
- Gehirn und Nervensystem: Oktopoden besitzen ein vergleichsweise großes Gehirn und ein ausgeprägtes Nervensystem mit vielen Neuronen in den Armen, die eigenständige Reflexe und lokale Steuerung ermöglichen.
Lebensraum und Verhalten
Oktopoden besiedeln nahezu alle Meereszonen, von seichten Küstengewässern bis in die Tiefsee. Incirrina sind häufig benthisch und leben in Höhlen, unter Steinen oder in Riffen; sie kriechen, schleichen und nutzen Jet-Schub. Cirrina sind öfter im pelagischen Bereich oder in Tiefseehabitaten anzutreffen, viele Arten schwimmen mit Hilfe von Flossen und einem schirmartigen Armgewebe.
Ernährung: Die meisten Oktopoden sind räuberisch und fressen Krustentiere, Muscheln, Schnecken, Fische und andere Weichtiere. Sie jagen aktiv, nutzen Tarnung und Fallen und besitzen oft spezialisierte Methoden, z. B. das Aufbohren von Schalentieren oder das Aufbrechen mit dem Schnabel.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
- Fortpflanzung: Männliche Oktopoden übergeben Spermatophoren mittels eines modifizierten Arms (Hectocotylus) an das Weibchen. Viele Arten zeigen komplexe Paarungsrituale und Verhaltensweisen.
- Brutpflege: Incirrina-Arten legen oft Eier und betreiben Brutpflege; Weibchen überwachen und pflegen die Eier bis zum Schlüpfen. Tiefsee-Cirrina produzieren meist weniger, größere Eier mit direkter Entwicklung.
- Lebenserwartung: Die meisten Oktopoden leben nur kurzlebig (einige Monate bis wenige Jahre), viele Arten sind semelpar (einmalige Fortpflanzung gefolgt vom Tod).
Intelligenz und Interaktion
Oktopoden gelten als besonders intelligent unter den wirbellosen Tieren: Sie zeigen Problemlösungsfähigkeiten, Werkzeuggebrauch, Lernfähigkeit und komplexe Verhaltensweisen. Ihre hohe neuronale Dichte und die dezentrale Steuerung durch armnahe Nervenknoten ermöglichen flexible und oft überraschend zielgerichtete Aktionen.
Bedeutung und Schutz
Ökologisch spielen Oktopoden eine wichtige Rolle als Räuber und Beute in marinen Nahrungsnetzen. Viele Arten sind wirtschaftlich relevant für regionale Fischereien. Wie bei vielen Meeresorganismen bedrohen Habitatverlust, Überfischung und Umweltveränderungen lokale Populationen; für einige Tiefseearten besteht zudem wenig Kenntnis über Verbreitung und Gefährdung.
Zusammenfassend sind Oktopoden eine vielfältige, ökologisch bedeutsame Tiergruppe mit bemerkenswerten Anpassungen an sehr unterschiedliche marine Lebensräume. Die Unterteilung in Incirrina und Cirrina spiegelt die grundlegenden Unterschiede in Körperbau, Lebensweise und Ökologie wider.

Cirrothauma , einer der Cirrina-Oktopoden. Er lebt in der Tiefsee in großen Tiefen
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