Plessy v. Ferguson, 163 U.S. 537 (1896), war ein Fall des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, in dem die Rassentrennung für legal erklärt wurde, solange für beide Rassen die gleichen Einrichtungen zur Verfügung standen. Die Entscheidung wurde mit 7 zu 1 Stimmen gefällt, wobei die Mehrheitsmeinung von Richter Henry Billings Brown und die Minderheitsmeinung von Richter John Marshall Harlan verfasst wurde.
Hintergrund und Tatsachen des Falls
Der Fall entstand aus einem Protest gegen das Louisiana "Separate Car Act" von 1890, das getrennte Waggons für weiße und schwarze Fahrgäste vorschrieb. Der Kläger, Homer Plessy, ein Mann mit überwiegend europäischer Abstammung, der nach den damaligen Rassengesetzen als "Farbiger" galt, kaufte absichtlich ein Ticket für einen Wagen der Weißen und ließ sich verhaften, um die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes gerichtlich überprüfen zu lassen. Plessys Anwälte argumentierten, das Gesetz verstoße gegen den 13. und vor allem den 14. Zusatzartikel der US-Verfassung (Equal Protection Clause).
Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs
Die Mehrheit des Gerichts hielt das Gesetz für verfassungsgemäß. Richter Brown erklärte, dass staatliche Maßnahmen, die die Rassen trennen, nicht notwendigerweise eine rechtliche Ungleichbehandlung bedeuten, solange die getrennten Einrichtungen tatsächlich gleichwertig seien. Dieses Prinzip wurde später zusammenfassend als "Separate but Equal" bezeichnet. Die Mehrheit sah die Regulierung der öffentlichen Einrichtungen als zulässige Ausübung der staatlichen Polizeigewalt an und betonte, dass der 14. Zusatzartikel politische und rechtliche, nicht soziale Gleichheit garantiere.
Harlan‑Dissens
Richter John Marshall Harlan schrieb die berühmte abweichende Meinung (Dissent), in der er die Mehrheitsansicht scharf kritisierte. Harlan erklärte, die Verfassung müsse eine „farbenblinde“ sein und der Staat dürfe keine Gesetze erlassen, die Bürger nach Rasse unterscheiden. Er warnte, dass die Entscheidung eine rechtliche Grundlage für eine Kastenordnung schaffe und langfristig zu systematischer Diskriminierung führen werde.
Folgen und historische Bedeutung
Die Entscheidung von 1896 legitimierte landesweit die sogenannte Jim‑Crow‑Gesetzgebung, die in vielen Südstaaten der USA Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen, Restaurants, Theatern und anderen Einrichtungen durchsetzte. Obwohl das Prinzip der Gleichwertigkeit (equal) häufig nicht erfüllt wurde, diente die Rechtsprechung jahrzehntelang als rechtliche Rechtfertigung für segregationistische Praktiken. Plessy v. Ferguson gilt heute als Paradebeispiel dafür, wie Gerichtsentscheidungen institutionalisierte Diskriminierung festigen können.
Brown gegen den Bildungsrat (1954) hob das Urteil Plessy gegen Ferguson teilweise auf.
Aufhebung und spätere Entwicklung
Im Urteil des Gerichts in Brown v. Board of Education von 1954 wurde das Kernprinzip aus Plessy insofern revidiert, als dass das Gericht entschied, getrennte öffentliche Schulen seien per se ungleich und damit verfassungswidrig. Brown leitete einen Wandel in der verfassungsrechtlichen Bewertung von Rassentrennung ein und ebnete den Weg für gerichtliche Entscheidungen und bundesgesetzliche Maßnahmen in den 1950er und 1960er Jahren (insbesondere den Civil Rights Act von 1964), die systemische Segregation weiter abbauten. Historiker und Juristen sehen Plessy heute als entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Bürgerrechte: ein Urteil, dessen rechtliche Folgen erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts umfassend korrigiert wurden.
Rezeption
Plessy v. Ferguson bleibt ein zentrales Studienobjekt in der amerikanischen Rechtsgeschichte und der Diskussion um Gleichheit, Verfassungsinterpretation und die Rolle des Gerichts bei sozialen Fragen. Harlans dissent wird häufig zitiert und gilt als frühe, wegweisende Verteidigung der Vorstellung, dass die Verfassung den Staat anweist, keine Bürger aufgrund ihrer Rasse zu trennen.