Realgar ist ein arsenhaltiges Sulfidmineral mit der chemischen Formel As4S4. Es erscheint typischerweise in leuchtenden Rot- bis Orangetönen und ist relativ weich (Mohshärte 1,5–2). Realgar ist ein historisches Arsenerz und war wegen seiner auffälligen Farbe und einfachen Gewinnung lange Zeit von Interesse für Kunst, Handwerk und Medizin.
Wesentliche Eigenschaften
- Chemische Formel: As4S4
- Farbe: rot bis orange-rot; bei Lichteinwirkung verändert sich die Farbe in Gelb (siehe Pararealgar).
- Härte: Mohshärte 1,5–2 (sehr weich).
- Dichte: typisch etwa um 3,5 g/cm³ (je nach Probe leicht variierend).
- Kristallsystem: meist monoklin; tritt als prismatische Kristalle, faserige oder körnige Aggregate auf.
- Schmelzpunkt: etwa 320 °C.
- Reaktion bei Erhitzen: brennt mit blauer Flamme; dabei können giftige Arsen‑ und Schwefeldämpfe entstehen.
- Optik: Harzglanz bis fettig; Strich meist orange‑rot.
Fotochemische Umwandlung: Pararealgar
Unter Einwirkung von Licht (insbesondere Sonnenlicht) zersetzt sich Realgar teilweise und bildet ein gelbes Produkt, das als Pararealgar bezeichnet wird. Diese Umwandlung ist eine Photodegradation des Minerals; deshalb verblassen und verändern Realgar‑Proben an der Oberfläche oft ihre Farbe. Aus konservatorischer Sicht sollten Realgar‑Stücke dunkel und lichtgeschützt aufbewahrt werden, um die Umwandlung zu verlangsamen.
Vorkommen und Entstehung
Realgar kommt vor allem in niedrigtemperierten hydrothermalen Gängen, in heißen Quellen, als Sublimat an vulkanischen Fumarolen und in sedimentären Lagerstätten vor. Häufige Begleitminerale sind Orpiment (As2S3), Stibnit, Pyrit, Galena und verschiedene Carbonate. Realgar tritt sowohl als gut ausgebildete Kristalle als auch in massigen, faserigen oder erdigen Formen auf.
Nutzung und historische Bedeutung
- Als Pigment: Realgar wurde historisch als rotes Pigment verwendet, etwa in Lacken oder Wandmalereien. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit verblasst es jedoch leicht.
- Feuerwerk: Es wurde zur Herstellung bestimmter Farben und Effekte in Feuerwerkskörpern eingesetzt; laut älterer Berichte diente es früher auch zur Erzeugung einer weißen Farbe, bevor Metallpulver üblich wurden. Heute findet es noch vereinzelt Verwendung in speziellen knisternden Effekten.
- Handel und Tradition: Realgar war als Handelsware und dekoratives Material begehrt. In Teilen Asiens, insbesondere in China, wird es zudem in bestimmten traditionellen Anwendungen genutzt; in der Volksmedizin (z. B. als Bestandteil in manchen Formulierungen) ist Vorsicht geboten.
- Wissenschaftliche und technologische Anwendungen: Wegen der Toxizität und Instabilität ist der Einsatz in modernen technischen Anwendungen begrenzt; das Interesse liegt meist in Forschung und Sammlung.
Gefahren und Sicherheitsaspekte
Realgar enthält Arsen und ist daher giftig. Beim Erhitzen oder Verbrennen entstehen gefährliche Arsen‑ und Schwefeldämpfe. Bei der Handhabung sind deshalb Schutzmaßnahmen erforderlich:
- Proben nicht erhitzen oder verbrennen.
- Keinen Staub einatmen; beim Schneiden oder Schleifen geeigneten Atemschutz und Handschuhe verwenden.
- Proben lichtgeschützt und dicht verschlossen lagern, damit sie nicht in Pararealgar umgewandelt werden.
- Nicht für kosmetische oder medizinische Zwecke ohne geprüfte Zulassung verwenden; bei Verdacht auf Vergiftung sofort medizinische Hilfe suchen.
Ähnlichkeiten und Verwechslungen
Realgar wird oft mit Orpiment verglichen, einem weiteren arsenhaltigen Sulfid (As2S3). Beide Mineralien treten häufig zusammen auf, unterscheiden sich jedoch in Farbe, chemischer Zusammensetzung und Verhalten gegenüber Licht (Orpiment ist gelb und weniger lichtempfindlich als Realgar).
Zusammenfassung: Realgar (As4S4) ist ein auffälliges, aber lichtempfindliches rotes arsenhaltiges Mineral mit historischer Bedeutung als Pigment und in Feuerwerks‑Effekten. Aufgrund seiner Arsenverbindung ist besondere Vorsicht bei Lagerung und Handhabung geboten.

