Die Sankt Petersburger Philharmoniker sind ein Orchester mit Sitz in Sankt Petersburg in Russland. Es ist das älteste Orchester Russlands. Aufgrund der wechselvollen Geschichte Russlands wurde der Name des Orchesters mehrfach geändert.
Gründung und frühe Jahre
Das Orchester wurde 1882 gegründet. Damals trug es den Namen "Imperial Music Choir" und gehörte dem Kaiser; es spielte zunächst vor allem privat am Hof Alexanders III. von Russland. In den folgenden Jahrzehnten öffnete sich das Orchester zunehmend dem öffentlichen Konzertleben und entwickelte ein breites Konzertprogramm mit Werken klassischer und zeitgenössischer Komponisten.
Umbruch nach 1917 und Neuorientierung
Nach der russischen Revolution entfiel die kaiserliche Schirmherrschaft. Die Stadt Sankt Petersburg wurde in Petrograd umbenannt, und das Ensemble trat fortan unter dem Namen "Staatliche Philharmonie Petrograd" auf. In den 1900er Jahren hatten die Philharmoniker bereits begonnen, regelmäßig öffentliche Konzerte zu geben; so dirigierte etwa Richard Strauss das Orchester 1912.
In den 1920er Jahren erhielt das Orchester staatliche Unterstützung und etablierte sich als eines der herausragenden Ensembles des Landes. Gastdirigenten wie Bruno Walter, Ernest Ansermet und Hans Knappertsbusch traten mit dem Orchester auf. Nachdem die Stadt erneut in "Leningrad" umbenannt worden war, firmierte das Ensemble als Leningrader Philharmonie.
Die Ära Mravinsky
Evgeny Mravinsky prägte das Orchester über Jahrzehnte: Er war mehr als 50 Jahre lang Chefdirigent (sein Wirken reicht bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts) und formte Klangbild und Disziplin des Klangkörpers nachhaltig. Da in der Sowjetzeit Auslandsreisen stark eingeschränkt waren, waren die Philharmoniker außerhalb Russlands (der UdSSR) vor allem durch ihre Schallplattenaufnahmen bekannt. Diese Aufnahmen trugen maßgeblich zum internationalen Ruf des Orchesters bei.
Unter Mravinsky entstanden berühmte Einspielungen vor allem von Werken von Dmitri Schostakowitsch; die Sinfonie Nr. 8 von Schostakowitsch zählt zu den bedeutenden Uraufführungen und Interpretationen, mit denen das Orchester eng verbunden ist.
Repertoire, Auftritte und Bedeutung
- Das Orchester deckt ein breites Repertoire ab: klassische Symphonien des 18. und 19. Jahrhunderts, russische Romantik, Werke des 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössische Kompositionen.
- Besondere Bedeutung hatten die Leningrader Philharmoniker für die Interpretation sowjetischer Musik; viele Werke russischer Komponisten wurden hier uraufgeführt oder in prägnanten Einspielungen bekannt.
- Während des 20. Jahrhunderts trug das Orchester durch seine Studioaufnahmen zur Verbreitung der russischen Orchestertradition bei.
Nach dem Ende der Sowjetunion und Gegenwart
Mit dem Ende der Sowjetunion und der Rückbenennung der Stadt in Sankt Petersburg im Jahr 1991 erhielt das Orchester seinen heutigen Namen Sankt Petersburger Philharmoniker. Seitdem ist es international auf Tourneen und Gastspielen präsent und arbeitet mit renommierten Solisten und Dirigenten zusammen.
Lange Zeit war der Dirigentenstab eine konstante Größe der Institution: Juri Temirkanow übernahm die künstlerische Leitung und prägte das Orchester in den späteren Jahrzehnten des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Unter seiner Leitung setzte das Ensemble seine Serie von Aufnahmen und internationalen Auftritten fort und behauptete seinen Ruf als eines der führenden Orchester Russlands.
Bedeutung heute
Die Sankt Petersburger Philharmoniker gelten heute als ein international bekanntes Spitzenorchester mit tiefer Verwurzelung in der russischen Musikkultur. Ihr Repertoire, ihre historische Kontinuität und ihre Aufnahmen machen sie zu einem wichtigen Botschafter der russischen Orchestertradition in der Weltmusikszene.