Shikasta ist ein 1979 erschienener Science-Fiction-Roman. Der vollständige Titel lautet Re: Kolonisierter Planet 5, Shikasta. Die britische Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing schrieb ihn als erstes Buch in ihrer fünfbändigen Reihe Canopus in Argos. Alfred A. Knopf veröffentlichte es erstmals in den Vereinigten Staaten im Oktober 1979. Jonathan Cape veröffentlichte das Buch im November 1979 im Vereinigten Königreich. Shikasta ist zugleich der Name des fiktiven Planeten, der im Roman im Mittelpunkt steht. Lessing erhielt 2007 den Nobelpreis für Literatur; die Canopus-Reihe markiert eine deutlich sichtbare Wendung in ihrem Werk hin zu spekulativen und mythologisch-spirituellen Erzählungen.

Inhalt

Der Roman ist als Sammlung von Berichten, Gutachten, Briefen und Protokollen aufgebaut — im Sinne einer Art Aktenmappe, die den Verlauf der Geschichte dokumentiert. Im Zentrum steht die Beziehung zwischen drei galaktischen Mächten: dem wohlwollenden Imperium Canopus, dem technisch dominanten Sirius und dem antagonistischen Puttiora. Auf diese Weise wird die Welt von Shikasta (als Parallele zur Erde) über große Zeiträume beobachtet.

Das Buch zeichnet die Vorgeschichte der Erde nach, beschreibt, wie sich menschliche Gesellschaften verschlechtern und korrupt werden, und formuliert die Idee eines sogenannten „Jahrhunderts der Zerstörung“ (das 20. Jahrhundert) mit seinen Kriegen, Kolonialpolitiken und ökologischen Folgen. Als zentraler Beobachter und Vermittler tritt der Abgesandte Johor (George Sherban) auf; sein Besuch und seine Berichte sind Teil des Untertitels: "Persönliche, psychologische, historische Dokumente im Zusammenhang mit dem Besuch des Abgesandten Johor (George Sherban) (Klasse 9) 87. der Endzeitperiode". Am Ende zeichnet Lessing eine apokalyptische Zäsur, die im Roman als umfassende Katastrophe bzw. Dritter Weltkrieg dargestellt wird.

Themen und Einflüsse

Shikasta verwebt literarische, religiöse und spirituelle Quellen. Wichtige Einflüsse sind Motive und Bilder aus dem Alten Testament sowie spirituelle und mystische Ideen, insbesondere solche, die Lessing durch ihre Beschäftigung mit dem Sufismus und verwandten Traditionen aufnahm. Die Darstellung von höheren Intelligenzen, Schicksal und Eingreifen „von außen“ wirft Fragen nach Freiem Willen und Determinismus auf: Kritiker und Leser debattierten oft, ob der Roman den Menschen zu wenig Autonomie lässt, weil ihr Leben durch galaktische Mächte gelenkt erscheint.

Weitere zentrale Motive sind Kolonialismus und Machtmissbrauch, die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen, moralischer Verfall und die Spannung zwischen Wissenschaft/Technik und spiritueller Wahrnehmung. Lessing nutzt die Science-Fiction, um große historische und gesellschaftliche Prozesse als mythisch aufgeladene Vorgänge zu erzählen.

Stil und Aufbau

Formal arbeitet Shikasta mit einer dokumentarischen Erzählstruktur: Verschiedene »Berichte« und Perspektiven werden aneinandergereiht, sodass ein polyphones Bild entsteht. Diese Form erlaubt es Lessing, Fakten, Kommentare und interpretative Einschübe zu mischen — sie verbindet dabei wissenschaftlich anmutende Protokolle mit allegorischen und spirituellen Passagen. Für Leser, die Lessing aus ihren früheren, realistischer geprägten Romanen kannten, war dies ein deutlicher Bruch.

Rezeption

Die Aufnahme des Romans war gemischt. Manche Kritiker lobten die Größenordnung und den ambitionierten Blick auf die Menschheit und das Universum; ein Rezensent nannte das Werk ein mutiges „und verstörendes Werk von einem der großen lebenden Schriftsteller der Welt“. Andere empfanden die Darstellung als pessimistisch oder deterministisch; einige Lesende waren mit Lessings Wechsel zur Science-Fiction unzufrieden.

Wichtig ist, dass Shikasta zahlreiche Debatten anstieß — über Genregrenzen, über die Funktion von Allegorie in der zeitgenössischen Literatur und über Lessings Verhältnis zu Politik, Religion und Mystik.

Einordnung in die Canopus-Reihe

Shikasta ist der Auftakt zu einer größeren kosmischen Saga. Die fünf Bände der Reihe sind:

  • Shikasta (1979) — erstes Buch, behandelt den Verfall von Shikasta/Erde.
  • The Marriages Between Zones Three, Four and Five (1980) — befasst sich mit den in Shikasta nur kurz erwähnten Zonen und ihren sozialen Ordnungen.
  • Die Sirianischen Experimente / The Sirian Experiments (1980) — erzählt Teile der Shikasta-Geschichte aus der Sicht von Sirius.
  • The Making of the Representative for Planet 8 (1982) — zeigt weitere Konsequenzen kannopischer Interventionen.
  • The Sentimental Agents in the Volyen Empire (1983) — schließt die Reihe thematisch ab und erkundet Macht, Propaganda und Ideologie.

Mehrere Motive und Figuren tauchen über die Bände hinweg wieder auf; so ergänzt jedes Buch das Panorama, das Lessing über Zivilisation, Eingreifen von Außen und die Möglichkeit von moralischer Entwicklung entwirft.

Ausgaben, Übersetzungen und Wirkung

Die Erstveröffentlichungen erfolgten 1979 in den USA (Alfred A. Knopf, Oktober) und im Vereinigten Königreich (Jonathan Cape, November). Shikasta wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und bleibt Gegenstand literaturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen, vor allem im Hinblick auf Lessings Umgang mit Religion, Mythos und politischer Kritik.

Zusammenfassend ist Shikasta ein vielschichtiges, oft kontrovers diskutiertes Werk: Es verbindet Science-Fiction-Elemente mit religiöser Symbolik und politischer Parabel und markiert eine prägende Phase in Doris Lessings späterem Schaffen.