Altes Testament (Hebräische Bibel) – Definition, Entstehung & Inhalte

Altes Testament (Hebräische Bibel): Entstehung, Aufbau und zentrale Inhalte kompakt erklärt — inklusive Traditionen, Kanonunterschieden und historischen Hintergründen.

Autor: Leandro Alegsa

Im Christentum bezeichnet Altes Testament den ersten großen Teil der Bibel, also jene Schriften, die vor der Gestalt und dem Wirken von Jesus Christus entstanden sind. Im Judentum spricht man von der Sammlung als Tanakh oder allgemein von der hebräischen Bibel. Sowohl Juden als auch Christen halten diese Schriften für heilig und sehen in ihnen Zeugnisse von göttlicher Inspiration. Der Koran bezeichnet die ersten fünf Bücher des Alten Testaments als Tawrat.

Aufbau und Hauptteile

Die Sammlung besteht aus vielen Einzelschriften, die traditionell in "Bücher" zusammengefasst sind. Man kann den Kanon grob in drei Hauptgruppen unterteilen:

  • Thora (auch Pentateuch genannt): die fünf Bücher Mose, Grundschrift für Gesetz und Erzählung (z. B. Schöpfung, Bund, Auszug aus Ägypten).
  • Propheten (bei jüdischer Einteilung Nevi'im): historische und prophetische Überlieferungen über das Volk Israel und seine Verkünder.
  • Weisheits- und Sammlungstexte (bei jüdischer Einteilung Ketuvim): Psalmen, Sprüche, Weisheitsliteratur und verschiedene Erzählungen.

In christlichen Bibeln werden diese drei Gruppen oft etwas anders gegliedert und bezeichnet — üblich sind z. B. die Kategorien "Geschichte Israels", "Propheten" und "Weisheitsbücher".

Sprachen und Textüberlieferung

Die Mehrzahl der Texte wurde in hebräischer Sprache verfasst; Teile sind in aramäischer Sprache erhalten (etwa Teile von Daniel und Esra). Die maßgebliche hebräische Grundlage des jüdischen Kanons ist der sogenannte masoretische Text, der im Mittelalter von den Masoreten fixiert wurde. Wichtige frühere Handschriften, die das Verständnis der Texte erweitert haben, stammen aus den Schriftrollen vom Toten Meer (Dead Sea Scrolls) und zeigen frühere Textvarianten.

Entstehung und Kanonbildung

Die Texte des Alten Testaments entstanden über viele Jahrhunderte; Entstehungszeiten reichen von älteren Überlieferungen (mündliche Traditionen, alte Gesetze) bis zu schriftlichen Ausarbeitungen, die etwa vom 12. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. datiert werden. Die endgültige Form einzelner Sammlungen und die Festlegung des Kanons liefen schrittweise ab und unterschieden sich regional und konfessionell. Zur Entstehung der Tora gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Erklärungen (u. a. die sogenannte Dokumentarhypothese), in der religiösen Tradition gelten Mose und andere althergebrachte Autoren als Urheber oder Quellen.

Übersetzungen und unterschiedliche Kanones

Schon in der Antike wurde eine griechische Übersetzung der hebräischen Schriften angefertigt, die als Septuaginta bekannt ist. Diese Version war in der hellenistischen Welt weit verbreitet und beeinflusste die frühe Kirche stark. Später erstellte der heilige Hieronymus eine lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata, die über Jahrhunderte die westliche Christenheit prägte.

Die genaue Liste der in den Kanon aufgenommenen Bücher variiert zwischen Religionsgemeinschaften:

  • Im Judentum entspricht der Kanon dem Tanakh, der eine feste Reihenfolge und Auswahl aufweist.
  • Die römisch-katholische Kirche und die östlich-orthodoxen Kirchen erkennen zusätzlich zu den Büchern des Tanakh weitere Schriften an (häufig als deuterokanonische Bücher bezeichnet), die in der Septuaginta enthalten sind. Die genaue Liste weicht zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Tradition etwas ab; die orthodoxen Kirchen haben insgesamt tendenziell eine größere Bandbreite.
  • Die protestantischen Bibeln orientieren sich inhaltlich stärker am rabbinischen Tanakh, ordnen die Bücher jedoch oft anders und zählen die deuterokanonischen Schriften in der Regel nicht zum Alten Testament, sondern führen sie entweder ganz nicht auf oder als Apokryphen.

Der Name "Altes Testament" (lateinisch: vetus testamentum) wurde vermutlich erstmals in der Patristik verwendet; früh wird er u. a. bei Tertullian genannt (2./3. Jahrhundert).

Inhaltliche Schwerpunkte und theologische Bedeutung

Die Texte behandeln zentrale Themen wie Schöpfung, Bund und Gesetz, Geschichte des Volkes Israel, prophetische Rufe zu Gerechtigkeit und Umkehr sowie Weisheit und Dichtung. Für das Christentum sind diese Schriften zugleich Vorlage und Hintergrund für das Verständnis von Jesus Christus und dem Neuen Testament; im Judentum bilden sie die Grundlage von Gesetz, Liturgie und Identität.

Der Begriff "Altes Testament" ist theologisch aufgeladen: Für manche vermittelt er die Vorstellung eines abgeschlossenen oder "abgelösten" Bundes gegenüber dem "Neuen Testament", weshalb viele Fachleute und Vertreter jüdischer und interreligiöser Dialoge heute lieber die Bezeichnung hebräische Bibel oder Tanakh verwenden, um respektvoller die Kontinuität und Eigenständigkeit der jüdischen Heilszeugnisse zu betonen.

Textkritik, Archäologie und moderne Forschung

Die moderne Bibelwissenschaft nutzt Methoden der Textkritik, Archäologie, Sprachforschung und Literaturwissenschaft, um Entstehung, Überlieferung und Bedeutung der Schriften besser zu verstehen. Funde wie die Schriftrollen vom Toten Meer, alte hebräische und griechische Handschriften sowie der Vergleich verschiedener Übersetzungen (z. B. Septuaginta, Vulgata, masoretischer Text) liefern wichtige Einsichten in Textvarianten und redaktionelle Entwicklungen.

Wirkung und Gebrauch

Die Texte des Alten Testaments prägen religiöse Praxis (Gottesdienste, Gebetbuch, Gesetzeslehre), Ethik, Kunst, Literatur und Rechtstraditionen in jüdischen wie christlichen Gemeinschaften. Sie werden in Auslegungstraditionen (z. B. rabbinische Exegese, christliche Exegese und Systematik) fortlaufend gedeutet und neu erschlossen.

Zusammenfassend ist das Alte Testament / die hebräische Bibel eine vielschichtige Sammlung von Texten, deren Entstehung, Kanonbildung und Überlieferung sich über Jahrhunderte erstreckte und die bis heute zentral für Religion, Kultur und Forschung ist.

Moses, der die Tafeln des Gesetzes zerschlägt, ist ein Gemälde von Rembrandt van RijnZoom
Moses, der die Tafeln des Gesetzes zerschlägt, ist ein Gemälde von Rembrandt van Rijn

Themen

Im Alten Testament wird Gott immer als derjenige dargestellt, der die Welt erschaffen hat. Der Gott des Alten Testaments wird nicht immer als der einzige Gott dargestellt, der existiert. Auch wenn es andere Götter geben mag, wird der Gott des Alten Testaments immer als der einzige Gott dargestellt, den Israel anbeten soll. Der Gott des Alten Testaments ist der eine "wahre Gott"; nur Jahwe ist allmächtig. Sowohl Juden als auch Christen haben die Bibel (sowohl das "Alte" als auch das "Neue" Testament) immer als eine Bestätigung der Einheit des allmächtigen Gottes interpretiert, mit Ausnahme des Marcionismus, der das Glaubenssystem enthielt, dass der hebräische Gott ein zorniger und anderer Gott als der Gott des Neuen Testaments war, während er den möglicherweise ersten christlichen Kanon bildete, der je zusammengestellt wurde.

Das Alte Testament betont die besondere Beziehung zwischen Gott und seinem auserwählten Volk Israel, enthält aber auch Anweisungen für Proselyten. Diese Beziehung kommt im biblischen Bund (Vertrag) zwischen den beiden zum Ausdruck, der von Mose empfangen wurde. Die Gesetzesvorschriften in Büchern wie Exodus und insbesondere Deuteronomium sind die Vertragsbedingungen: Israel schwört Gott die Treue, und Gott schwört, Israels besonderer Beschützer und Unterstützer zu sein. Die Jüdische Studienbibel bestreitet, dass Bund Vertrag bedeutet.

Weitere Themen im Alten Testament sind Errettung, Erlösung, göttliches Gericht, Gehorsam und Ungehorsam, Glaube und Treue. Überall wird eine starke Betonung auf Ethik und rituelle Reinheit gelegt. Gott verlangt beides. Einige der Propheten und Weisheitsschriftsteller scheinen dies in Frage zu stellen; sie argumentieren, dass Gott soziale Gerechtigkeit über die Reinheit stellt und sich vielleicht sogar überhaupt nicht um die Reinheit kümmert.

Nach dem Alten Testament ist es wichtig, fair zu sein und denjenigen zu helfen, die verwundbar sind. Die Machthaber sollten nicht voreingenommen sein, wenn sie Menschen beurteilen. Das Alte Testament verbietet Korruption und die Täuschung von Menschen beim Handel. Es ist auch gegen einige sexuelle Praktiken, die als sündhaft angesehen werden. Alle Moral wird auf Gott zurückgeführt, der die Quelle aller Güte ist.

Das Problem des Bösen spielt im Alten Testament eine große Rolle. Das Problem, mit dem die Autoren des Alten Testaments konfrontiert waren, bestand darin, dass ein guter Gott einen gerechten Grund gehabt haben musste, um Unheil (insbesondere, aber nicht nur, das babylonische Exil) über sein Volk zu bringen. Das Thema spielt sich mit vielen Variationen in so unterschiedlichen Büchern ab wie in der Geschichte der Könige und Chroniken, der Propheten wie Hesekiel und Jeremia und in den Weisheitsbüchern wie Hiob und Prediger.

Altes Testament

Alttestamentliche Bücher des Alten Abkommens, die allen Christen und Juden gemeinsam sind)

Zusätzliche Bücher (gemeinsam für Katholiken und Orthodoxe)

Griechisch & Slawisch-Orthodox

  • 1 Esdras
  • Gebet von Manasse
  • Psalm 151
  • 3 Makkabäer

Georgisch-Orthodoxe

  • 2 Esdras
  • 4 Makkabäer

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Fragen und Antworten

F: Was ist das Alte Testament?


A: Das Alte Testament ist der erste Teil der Bibel, der vor der Geburt von Jesus Christus fertiggestellt wurde. Es enthält verschiedene Texte, "Bücher" genannt, über Gott und das Volk Israel.

F: Wer prägte den Begriff "Altes Testament"?


A: Tertullian war wahrscheinlich die erste Person, die diese Bücher als "Altes Testament" bezeichnete. Er verwendete im 2. Jahrhundert den lateinischen Namen vetus testamentum.

F: Wie ist es unterteilt?


A: Das Alte Testament kann in mehrere Abschnitte unterteilt werden: Thora, Geschichte Israels, Propheten und Weisheitsbücher. Im Judentum ist diese Sammlung von Büchern als Tanach bekannt, weil sie in drei Teile (Tora, Nevi'im und Ketuvim) unterteilt ist.

F: Wird es von einigen Religionen als heilig angesehen?


A: Die meisten Juden und viele Christen glauben, dass diese Texte heilig sind. Sie sind der Meinung, dass Gott die Menschen inspiriert hat, sie zu schreiben.

F: Gibt es Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften, welche Bücher zum Alten Testament gehören?


A: Verschiedene Religionsgemeinschaften nehmen bestimmte Bücher in das Alte Testament auf (oder schließen sie aus). Die katholische Kirche verwendet die lateinische Übersetzung des Alten Testaments des Heiligen Hieronymus, die Vulgata, während die orthodoxe Kirche die altgriechische Übersetzung der jüdischen heiligen Schriften, die Septuaginta, verwendet. Protestantische Bibeln halten sich enger an die Bücher des Tanach, führen sie aber in einer anderen Reihenfolge auf.

F: Welche Sprache verwendet die katholische Kirche für ihre Version des Alten Testaments?


A: Die katholische Kirche verwendet für ihre Version des Alten Testaments die lateinische Übersetzung des Heiligen Hieronymus, die Vulgata.


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