Das Space Shuttle Enterprise (OV-101) ist ein Prototyp des Space-Shuttle-Programms, das von der NASA ausschließlich für boden- und Flugtests genutzt wurde. Im Unterschied zu den einsatzfähigen Raumfähren wurde die Enterprise ohne Haupttriebwerke (Space Shuttle Main Engines, SSMEs) und ohne vollständiges Hitzeschutzsystem gebaut; sie war daher nicht für Einsätze im Weltraum oder für atmosphärische Wiedereintritte ausgelegt. Der Bau begann am 4. Juni 1974 und wurde am 17. September 1976 abgeschlossen. Die Enterprise diente dazu, aerodynamische Eigenschaften, Betriebsvorgänge und Transportverfahren zu prüfen und so die Sicherheit und Zuverlässigkeit der späteren flugfähigen Orbiterversionen zu erhöhen.
Bau und technische Merkmale
Als OV-101 (Orbiter Vehicle 101) war die Enterprise in Konstruktion und Abmessungen den späteren Orbitern ähnlich, besaß jedoch zahlreiche Vereinfachungen, die sie für Testzwecke praktikabel und kostengünstig machten. Die Struktur wurde so ausgelegt, dass sie Belastungen während Bodenvermessungen, Vibrationstests und Flügen unter der Trägermaschine aushielt. Viele Bauteile waren zugänglich für Anpassungen und Untersuchungen; nach Abschluss der Tests wurden einige Komponenten wiederverwendet oder als Vorlage für die Serienfertigung der einsatzfähigen Shuttles genutzt.
Testflüge und Einsätze
1977 absolvierte die Enterprise das sogenannte Approach and Landing Test (ALT)-Programm. Dieses bestand aus mehreren Phasen:
- „Mated“ oder gekuppelte Tests: Das Shuttle wurde auf einer modifizierten Boeing 747 transportiert, um Transport- und Trennverfahren zu erproben; hierbei fanden mehrere bemannte Flüge statt, bei denen die Enterprise noch an die 747 angebunden war.
- Freiflüge als Segelflugzeug: Nach der Trennung von der 747 führte die Enterprise mehrere Gleitlandungen durch, bei denen das Flugverhalten, die Steuerbarkeit in der Endanflugphase und das Landemanöver geprüft wurden. Die Landungen erfolgten unter anderem auf der Edwards Air Force Base.
In den Testflügen waren unter anderem folgende Piloten beteiligt: der Astronaut Gordon Fullerton, der Apollo-13-Astronaut Fred Haise, Joe Engle und Dick Truly. Nach den Flugtests wurde die Enterprise außerdem für umfangreiche Vibrationstests und strukturelle Prüfungen zum Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, gebracht. Die gewonnenen Daten und Erfahrungen flossen unmittelbar in die Entwicklung der Betriebsverfahren und die Auslegung der späteren Orbitermodelle ein.
Namensgebung und kulturelle Bedeutung
Ursprünglich sollte die Enterprise den Namen „Constitution“ tragen. Nach einer großen Briefaktion von Fans der Fernsehserie Star Trek wurde jedoch der Wunsch geäußert, das Raumfahrzeug nach dem für die Serie bekannten Raumschiff zu benennen. Auf Bitten vieler Bürger und nach Rücksprache mit dem damaligen Präsidenten erhielt das Testfahrzeug schließlich den Namen „Enterprise“. Diese Namenswahl hat das Shuttle zu einem bekannten Symbol der Raumfahrt und Popkultur gemacht.
Nachnutzung und heutige Ausstellung
Da die Enterprise nie für den Weltraumeinsatz vorgesehen war, blieb sie nach Abschluss der Tests als Ausstellungsstück erhalten. Teile und Komponenten wurden später für den Bau oder die Wartung der einsatzfähigen Orbitermodelle verwendet. Das Fahrzeug war in verschiedenen Museen zu sehen und diente der Öffentlichkeitsarbeit für das Space-Shuttle-Programm. Heute kann die Enterprise von Besucherinnen und Besuchern des Smithsonian's National Air and Space Museum im Steven F. Udvar-Hazy Center in der Nähe von Washington, D.C. besichtigt werden. Dort ist das Fahrzeug Teil der Dauerausstellung zur Geschichte der bemannten Raumfahrt und bietet Einblick in die Frühphase der Space-Shuttle-Entwicklung.
Bedeutung zusammengefasst: Die Enterprise war kein Weltraumfahrzeug, sondern ein entscheidender Prototyp, mit dem Transport-, Trenn- und Landeprozeduren validiert wurden. Ihre Tests reduzierten Risiken für die späteren Einsätze der einsatzfähigen Orbitermodelle und trugen wesentlich zur Ausreifung des Space-Shuttle-Programms bei.


