Das Stockholmer Blutbad (schwedisch: Stockholms blodbad) oder schwedische Massaker (8.-9. November 1520) war die Massentötung schwedischen Adels durch den dänischen König Christian II. Dänemark, Norwegen und Schweden gehörten der Kalmarer Union an. In Schweden hatte es Konflikte zwischen den Befürwortern der Union und denjenigen gegeben, die die Unabhängigkeit wollten. Im Jahr 1520 war Christian II. in Schweden eingefallen. Der schwedische Regent, Sten Sture der Jüngere, wurde in der Schlacht getötet. Christian II. belagerte Stockholm vier Monate lang. Als die Stadt nachgab, machte er sich selbst zum König und enthauptete 82 führende Schweden, darunter zwei Bischöfe wegen Ketzerei. Der Grund für die Ketzerei war, dass die Stockholmer Erzbischof Gustav Trolle ersetzt hatten; dies galt als ein Verbrechen gegen die Kirche. Die Leiche von Sture der Jüngere wurde ausgegraben und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Morde machten die Menschen so wütend, dass er als "Christ der Tyrann" bekannt wurde. Er wurde 1523 aus Schweden verjagt.

Hintergrund

Die Kalmarer Union (1397–1523) vereinte die drei skandinavischen Reiche formal unter einem König, doch in Schweden wuchs seit Ende des 15. Jahrhunderts der Widerstand gegen die dänische Vorherrschaft. Auseinandersetzungen zwischen dem regierenden dänischen Kronenhaus und reformorientierten, meist regionalen schwedischen Adelsgruppen führten wiederholt zu Aufständen. Ein zentraler Konfliktpunkt war die Stellung des Erzbischofs Gustav Trolle, der als Anhänger der Union und des dänischen Königs galt und deshalb von Teilen des schwedischen Reichsrates abgesetzt worden war. Die Rückkehr Christians II. nach Stockholm 1520 und seine Krönung (4. November 1520) bildeten den Rahmen für die folgenden Ereignisse.

Ablauf des Massakers

Nach der Einnahme und Krönung ließ Christian II. von einem von Gustav Trolle eingesetzten kirchlichen Gericht Anklagen wegen Ketzerei gegen zahlreiche Mitglieder des schwedischen Adels und des Stadtrates erheben. Trotz zuvor gegebener Zusicherungen von Straffreiheit wurden in den Tagen nach der Krönung (insbesondere am 8. und 9. November 1520) mindestens 80, oft mit der Zahl 82 angegebene führende Vertreter der Opposition hingerichtet. Zu den Opfern zählten Adlige, Geistliche (darunter zwei Bischöfe) und Angehörige der städtischen Führungsschicht. Zeitgenössische Berichte und spätere Chroniken schildern auch die Demütigung und die Verbrennung der Leiche des verstorbenen Sten Sture des Jüngeren, um ihn als Ketzer zu brandmarken.

Folgen und Bedeutung

  • Politisch war das Blutbad ein Wendepunkt: Es löste Empörung in ganz Schweden aus und stärkte den Widerstand gegen die dänische Herrschaft.
  • Der Adel und breite Bevölkerungsschichten wendeten sich gegen Christian II.; aus dem Widerstand ging Gustav Vasa hervor, der 1523 die dänischen Truppen aus Schweden vertrieb und die Unabhängigkeit Schwedens begründete.
  • Das Massaker prägte die kollektive Erinnerung: In Schweden wurde Christian II. bald als "Christian der Tyrann" (auch "Kristoffer Tyrann" in manchen Quellen) verurteilt, und das Ereignis fand Eingang in Chroniken, Lieder und später in die nationale Geschichtsschreibung.
  • Historikerinnen und Historiker diskutieren bis heute Motive, Ablauf und Opferzahlen: Während zeitgenössische Quellen meist von 82 Hinrichtungen berichten, variieren moderne Schätzungen leicht, und die rechtliche Legitimation durch das von Gustav Trolle geleitete Gericht bleibt ein kontroverser Punkt.

Kontextualisierung

Das Stockholmer Blutbad ist nicht nur ein Beispiel für die Härte politischer Auseinandersetzungen im Spätmittelalter, sondern auch ein Auslöser für tiefgreifende Veränderungen in Nordeuropa: Es beschleunigte das Ende der Kalmarer Union und den Aufstieg eines unabhängigen schwedischen Staates unter der Herrschaft der Vasa-Dynastie. Zugleich verdeutlicht der Fall, wie kirchliche Verfahren und politische Ränke damals eng verflochten sein konnten.

Heute wird das Ereignis in Schweden als symbolischer Moment der nationalen Selbstbehauptung erinnert und bleibt Gegenstand historischer Forschung und öffentlicher Erinnerungskultur.