Zarskoje Selo (Puschkin) – kaiserliche Residenz und UNESCO-Welterbe
Zarskoje Selo (Puschkin) – prächtige kaiserliche Residenz und UNESCO-Welterbe 26 km südlich von Sankt Petersburg: prächtige Paläste, Gärten und russische Geschichte hautnah erleben.
Zarskoje Selo (russisch: Ца́рское Село́; "Zarendorf") ist eine alte russische Residenz der kaiserlichen Familie. Es liegt 26 Kilometer (16 Meilen) südlich des Zentrums von St. Petersburg, ist aber kein Ort mehr für die kaiserliche Familie. Stattdessen ist es Teil der Stadt Puschkin und des Weltkulturerbes.
Geschichte kurz gefasst
Der Ort entstand im frühen 18. Jahrhundert, als Peter der Große Landsitze an seine Hofangehörigen und an seine Frau Katharina I. vergab. Aus einem kaiserlichen Landsitz entwickelte sich ein Ensemble aus Palästen, Parks und höfischen Anlagen, das im 18. und 19. Jahrhundert von mehreren Generationen der Romanow-Dynastie erweitert und prächtig ausgestattet wurde. 1937 erhielt der Ort offiziell den Namen Puschkin (russisch: Пушкин) zu Ehren des Dichters Alexander Puschkin, der hier zur Schule gegangen war.
Wichtige Bauwerke
- Catherine-Palast (Zarskoje Selo Palace): Das wohl bekannteste Gebäude, vor allem wegen seiner reichen Rokoko-Fassade und der prunkvollen Innenräume. Die heutige Erscheinung geht größtenteils auf Umbauten unter der Herrschaft der Kaiserin Elisabeth zurück; der Hofarchitekt Francesco Bartolomeo Rastrelli prägte das Äußere und viele Interieurs.
- Bernsteinzimmer (Amber Room): Ein weltberühmter Raum mit Bernsteinauskleidung, der im Zweiten Weltkrieg verschwand und lange als verschollen galt. Eine aufwendige Rekonstruktion wurde in den Jahren nach der Jahrtausendwende abgeschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
- Alexanderpalast: Ein klarer, klassizistischer Palast, der im späten 18. Jahrhundert entstand und als bevorzugte Residenz des letzten Zaren Nikolaus II. und seiner Familie galt. Nach der Februar- und Oktoberrevolution spielte er eine tragische Rolle in der Geschichte der zaristischen Familie.
- Weitere Pavillons und Museen: Dazu zählen das Katharinen-Parkensemble mit zahlreichen Pavilions (z. B. das Chinesische Dorf, die Kammeroper und das Turmschwimmbad), sowie kleinere Schlösser und Sammlungen.
Park und Gärten
Die weitläufigen Parks von Zarskoje Selo verbinden formale französische Gärten mit landschaftlich gestalteten englischen Parks. Wasserläufe, Brücken, Skulpturen und kleine Gartenpavillons prägen das Areal und machen es zu einem beliebten Spazier- und Erholungsgebiet. Im Sommer finden im Park kulturelle Veranstaltungen, Konzerte und historische Führungen statt.
Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Zarskoje Selo schwer beschädigt: Bei der deutschen Besetzung 1941–1944 wurden viele Kunstwerke geplündert und Gebäude zerstört oder beschädigt. Seitdem läuft ein umfangreiches Restaurationsprogramm, das bis heute andauert. Die Restaurierung der großen Säle, Fassaden und des Bernsteinzimmers zählt zu den langjährigen und kostenintensiven Projekten.
UNESCO-Welterbe
Die Paläste und Parks von Zarskoje Selo sind Teil des Welterbes "Historic Centre of Saint Petersburg and Related Groups of Monuments", das 1990 in die UNESCO-Liste aufgenommen wurde. Die Anlage wird als herausragendes Beispiel für höfische Architektur und Gartenkunst sowie für die historische Entwicklung Russlands im 18. und 19. Jahrhundert gewertet.
Besuch und praktische Hinweise
- Anreise: Zarskoje Selo liegt etwa 26 km südlich vom Stadtzentrum Sankt Petersburgs. Reisende erreichen den Ort bequem per Vorortzug (Elektritschka) vom Bahnhof Vitebsky oder per Bus/Taxi. Fahrzeit: rund 30–40 Minuten mit dem Zug, abhängig vom Startpunkt.
- Eintritt & Öffnungszeiten: Die Öffnungszeiten und Eintrittspreise variieren je nach Saison und Ausstellung (Catherine-Palast, Alexanderpalast, Park). Für besonders beliebte Ausstellungsräume wie das Bernsteinzimmer ist oft ein Zeitfenster-Ticket erforderlich. Es lohnt sich, Tickets im Voraus online zu reservieren.
- Führung & Barrierefreiheit: Führungen in mehreren Sprachen werden angeboten. Einige historische Räume sind nur eingeschränkt barrierefrei zugänglich; Reiseinformationen der Museen geben darüber Auskunft.
- Fotografieren: In bestimmten Sälen ist Fotografieren nicht erlaubt oder nur gegen Gebühr gestattet. Hinweise vor Ort beachten.
Bedeutung heute
Heute ist Zarskoje Selo ein bedeutendes Museumskomplex und ein wichtiges kulturelles Ziel für Besucher aus aller Welt. Die Kombination aus Prachtbauten, kunsthistorischer Ausstattung und großzügiger Parklandschaft macht den Ort zu einem eindrucksvollen Beispiel kaiserlicher Repräsentation und kulturellen Erbes. Laufende Restaurierungen und konservatorische Maßnahmen sichern das Ensemble für zukünftige Generationen.
Wer Zarskoje Selo besucht, erlebt sowohl die Pracht der russischen Kaiserzeit als auch die lebendige Restaurations- und Museumsarbeit, die das kulturelle Erbe bewahrt und vermittelt.

Katharinenpalast und -park
Geschichte
Im 17. Jahrhundert gehörte der Ort einem schwedischen Adligen.
1708 schenkte Peter der Große das Anwesen seiner Frau. Sie half 1724 bei der Errichtung der dortigen Blagoweschenskaja-Kirche und änderte den Namen des Ortes in Blagoweschenskoje. Dieser wurde jedoch bald außer Gebrauch genommen.
Es war Katharina I., die damit begann, den Ort als einen Ort für königliche Menschen zu entwickeln. Sie baute den Katharinenpalast, der heute als Cameron Gallery bekannt ist.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde Zarskoje Selo zu einem beliebten Sommeraufenthaltsort für Adlige. Am 17. September 1941 zerstörten die Deutschen die Stadt Puschkin und zerstörten viele historische Gebäude und andere Artefakte.
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