Benazir Bhutto – Pakistans erste gewählte Premierministerin (1953–2007)

Benazir Bhutto (1953–2007) – erste gewählte Premierministerin eines muslimischen Staates. Ihr politischer Aufstieg, Stürze und Vermächtnis in Pakistans Geschichte.

Autor: Leandro Alegsa

Benazir Bhutto (21. Juni 1953 - 27. Dezember 2007) war eine pakistanische Politikerin.

Bhutto war die ältere Tochter von Zulfiqar Ali Bhutto und Nusrat Bhutto (geb. Ispahani). Ihr Vater war Gründer der Pakistan People's Party (PPP) und von 1971 bis 1977 Präsident bzw. Premierminister Pakistans; nach einem Militärputsch wurde er 1979 hingerichtet. Die politische Herkunft und das persönliche Schicksal der Familie prägten Benazir Bhuttos Leben und Karriere maßgeblich.

Bhutto war die erste Frau, die an die Spitze eines muslimischen Staates gewählt wurde. Sie wurde zweimal zur Premierministerin von Pakistan gewählt: erstmals 1988 und erneut 1993. Ihre erste Amtszeit begann nach der Rückkehr ins Land nach dem Tod des Militärherrschers Zia-ul-Haq. Sie wurde 1988 zum ersten Mal vereidigt, aber 20 Monate später auf Befehl des damaligen Präsidenten Ghulam Ishaq Khan aus dem Amt entfernt, weil man sie für korrupt hielt. 1993 wurde Bhutto wiedergewählt, wurde aber 1996 unter ähnlichen Vorwürfen erneut abgesetzt, diesmal von Präsident Farooq Leghari.

Frühes Leben und Ausbildung

Benazir Bhutto wurde in Karachi geboren und wuchs in einer politisch einflussreichen Familie auf. Sie erhielt ihre Schulbildung in Pakistan und setzte anschließend ihr Studium im Ausland fort. Sie studierte an der Radcliffe College (Harvard) und später an der University of Oxford (Lady Margaret Hall). In Oxford engagierte sie sich in Debattierklubs und stieg früh in politische Debatten ein, was ihren politischen Werdegang beeinflusste.

Politischer Aufstieg und erste Amtszeit

Nach dem Ende der Militärherrschaft kehrte Bhutto 1988 nach Pakistan zurück und übernahm die Führung der Pakistan People's Party. Ihre erste Amtszeit (Dezember 1988 – August 1990) zeichnete sich durch Versuche aus, die zivile Demokratie zu stärken, Frauenrechte zu fördern und die internationale Stellung Pakistans wiederherzustellen. Zugleich sah sie sich mit wirtschaftlichen Problemen, inneren Machtkonflikten und anhaltenden Korruptionsvorwürfen konfrontiert.

Zweite Amtszeit, Vorwürfe und Sturz

1993 kehrte Bhutto als Premierministerin zurück (Oktober 1993 – November 1996). Ihre Regierung verfolgte Reformen wie Privatisierungen und Maßnahmen zur Liberalisierung der Wirtschaft, bemühte sich um Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen und setzte sich formal für stärkere Rechte von Frauen ein. Kritikpunkte blieben jedoch:

  • Vorwürfe der Korruption gegenüber Mitgliedern der Regierung und der Familie,
  • mangelnde Kontrolle über regional mächtige Interessengruppen und Extremisten,
  • Vorwürfe von Missmanagement und Vetternwirtschaft.

Exil, Rückkehr und politisches Umfeld

Nach ihrem zweiten Sturz verließ Bhutto Pakistan und lebte längere Zeit im Ausland. Während des Exils wurden gegen sie und Mitglieder ihrer Familie zahlreiche Korruptionsverfahren geführt; in ihrer Abwesenheit kam es zu Verurteilungen in einigen Prozessen, die international umstritten waren. Sie heiratete Asif Ali Zardari, mit dem sie zwei Kinder hatte; ihr Sohn Bilawal Bhutto Zardari ist ebenfalls politisch aktiv und übernahm später die Führung der PPP.

Am 18. Oktober 2007 kehrte Bhutto aus dem Exil nach Pakistan zurück, um an den Parlamentswahlen teilzunehmen und die PPP im Wahlkampf zu führen. Ihre Rückkehr löste große öffentliche Aufmerksamkeit aus; sie trat als Symbol für Demokratie und zivile Politik gegen Militärherrschaft und religiistischen Extremismus auf.

Attentat und Tod

Am 27. Dezember 2007 wurde Benazir Bhutto bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi tödlich verletzt. Die Umstände ihres Todes sind bis heute Gegenstand von Ermittlungen und Debatten: Augenzeugen berichten von Schüssen auf Bhutto und von einer Explosion kurz danach; es gab verschiedene offizielle Statements und Untersuchungen, die unterschiedliche Täter und Hintergründe in den Fokus nahmen. Ihr Tod löste national und international Trauer sowie politische Turbulenzen in Pakistan aus. Sie wurde 54 Jahre alt.

Politisches Erbe

Benazir Bhutto bleibt eine der umstrittensten und zugleich symbolträchtigsten Figuren der modernen pakistanischen Geschichte. Ihr Vermächtnis umfasst:

  • die symbolische Rolle als erste gewählte muslimische Regierungschefin und als Vorbild für viele Frauen in Pakistan und weltweit,
  • den Einsatz für Wiederherstellung ziviler Institutionen nach Jahren der Militärherrschaft,
  • Anfänge von Reformen in Wirtschaft, Bildung und Gesundheitswesen,
  • gleichzeitig anhaltende Diskussionen über Korruptionsvorwürfe, Regierungsführung und die Grenzen ihres politischen Erfolgs.

Ihr politisches Erbe lebt weiter durch die Pakistan People's Party und durch Familienangehörige, die in der pakistanischen Politik führende Rollen übernahmen, insbesondere ihr Ehemann Asif Ali Zardari (später Präsident Pakistans) und ihr Sohn Bilawal Bhutto Zardari, die beide zentrale Figuren in der Nachfolge der PPP wurden.

Hinweis: Die Bewertung von Bhuttos Politik ist in Pakistan und international sehr unterschiedlich. Neben Anerkennung für ihren Einsatz für Demokratie und Frauenrechte stehen Kritik und juristische Vorwürfe, die ihr politisches Wirken kompliziert und umstritten machen.

Benazir BhuttoZoom
Benazir Bhutto

Tod

Am 27. Dezember 2007 wurde Benazir Bhutto getötet, als sie in ein Fahrzeug stieg, um eine politische Versammlung der Pakistanischen Volkspartei in Rawalpindi, Pakistan, zu verlassen. Ein Attentäter schoss ihr in den Hals und in die Brust, bevor eine Sprengstoffweste gezündet wurde. Dabei wurden etwa 30 Menschen getötet und viele weitere verwundet. Von ihren Fans wird sie Shaheed-e-Jamhuriat (Märtyrerin der Demokratie) genannt.



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