Wiki bezeichnet eine Website, auf der Nutzerinnen und Nutzer gemeinsam Seiten erstellen, ändern und vernetzen können. Das Wort ist Internet-Slang und die Kurzform von WikiWikiWeb. Wikiwiki stammt aus der hawaiianischen Sprache und bedeutet "schnell" oder "Geschwindigkeit". Bekannte Beispiele für Wikis sind Wikipedia, Wiktionary, Wikibook, Citizendium und Conservapedia.
Wie funktioniert ein Wiki?
In einem Wiki schreiben und bearbeiten Menschen gemeinsam Inhalte. Jeder bearbeitete Seitenstand wird in einem Revisionsverlauf gespeichert, so dass Änderungen nachvollziehbar sind und frühere Versionen wiederhergestellt werden können. Typische Funktionen sind:
- Interne Verlinkung zwischen Seiten zur einfachen Navigation.
- Bearbeitungsformate (Markup oder WYSIWYG-Editor), mit denen Texte, Überschriften, Listen und Tabellen angelegt werden.
- Voransicht (Preview), mit der man Änderungen prüfen kann, bevor man sie speichert.
- Versionsvergleich (Diff) und Protokollseiten, die zeigen, wer wann was geändert hat.
- Beobachtungslisten, damit Benutzer Änderungen an bestimmten Seiten verfolgen können.
- Blöcke, Rücksetzungen (Reverts) oder Rollbacks, die bei falschen oder schädlichen Änderungen angewendet werden können.
Rollen, Rechte und Schutzmechanismen
Je nach Wiki unterscheiden sich die Zugriffsregeln. Manche Wikis erlauben anonymes Bearbeiten, andere verlangen ein Benutzerkonto. Häufige Rollen sind:
- Gäste/Anonyme Benutzer – können lesen und manchmal auch bearbeiten.
- Registrierte Benutzer – haben oft mehr Rechte, z. B. das Anlegen neuer Seiten.
- Administratoren/Sysops – verwalten technische Einstellungen, sperren Konten und schützen Seiten.
Bei Problemen wie Vandalismus greifen Administratoren oder automatisch arbeitende Filtersysteme ein, um Inhalte zu schützen und die Qualität zu sichern.
Diskussion und Zusammenarbeit
Wikis bieten meist Diskussionsseiten, auf denen Bearbeiterinnen und Bearbeiter über den Inhalt, Stil oder Quellen eines Artikels sprechen können. Auf diesen Seiten werden Argumente ausgetauscht, Quellen überprüft und Konsenslösungen gefunden. In einigen Wikis sind Artikel und Diskussion auf derselben Seite integriert, in anderen (wie bei vielen Wikimedia-Projekten) sind sie getrennt.
Verschiedene Anwendungszwecke
Wikis sind flexibel und werden für viele Zwecke eingesetzt:
- Enzyklopädische Inhalte (z. B. Wikipedia).
- Wörterbücher und Lexika (z. B. Wiktionary).
- Lehr- und Fachbücher (z. B. Wikibook).
- Unternehmensinternes Wissensmanagement und Projektdokumentation.
- Community-Projekte und kollaborative Forschung.
Nicht alle Wikis folgen denselben Regeln: Ein Wiki für eine Enzyklopädie wird z. B. allgemeine Diskussionen einschränken, die nicht zur Verbesserung von Artikeln beitragen.
Technische Grundlagen und Software
Hinter einem Wiki steht eine spezielle Software, die das Erstellen, Speichern und Verlinken von Seiten ermöglicht. Die bekannteste Software ist MediaWiki, die u. a. von Wikipedia verwendet wird. Andere Beispiele sind JSPWiki und zahlreiche kommerzielle oder Open‑Source-Lösungen. Typische technische Merkmale sind:
- Namespace- und Template-Systeme zur Strukturierung und Wiederverwendung von Inhalten.
- Kategorien und Schlagwörter zur thematischen Zuordnung von Seiten.
- Medienverwaltung für Bild‑ und Dateiuploads.
- Schnittstellen (APIs) zum automatischen Lesen und Schreiben von Inhalten.
Geschichte
Das erste Wiki wurde von Ward Cunningham im März 1995 gestartet. Die Idee war, eine einfache, schnelle Plattform für gemeinsames Schreiben zu schaffen. Schnell entstanden viele ähnliche Seiten und mehrere Wiki‑Engines, die das Konzept verbreiteten. Heute ist "Wiki" auch eine verbreitete Kurzbezeichnung für gemeinwohlorientierte Projekte wie Wikipedia.
Vor- und Nachteile
Wikis haben viele Vorteile:
- Sie ermöglichen schnelles, kollaboratives Arbeiten und kontinuierliche Aktualisierung von Wissen.
- Viele Augen können Fehler entdecken und Inhalte verbessern.
- Sie sind flexibel und an unterschiedliche Zwecke anpassbar.
Es gibt aber auch Herausforderungen:
- Die Offenheit kann zu Vandalismus oder fehlerhaften Inhalten führen.
- Ohne klare Richtlinien kann die Qualität von Artikeln schwanken.
- Konflikte zwischen Bearbeitern können zeitaufwändig sein.
Deshalb setzen viele Wikis Moderation, Richtlinien, Quellenprüfung und technische Werkzeuge ein, um Vertrauen und Qualität zu erhöhen.
Tipps zum Mitmachen
- Registriere ein Konto, wenn das Wiki das unterstützt — das erleichtert Kommunikation und Rechteverwaltung.
- Nutze die Vorschau, bevor du speicherst, und schreibe klare Bearbeitungszusammenfassungen.
- Belege Fakten mit verlässlichen Quellen und respektiere bestehende Konventionen des Wikis.
- Wenn du auf Konflikte stößt, diskutiere auf der Gesprächsseite oder kontaktiere Moderatorinnen und Moderatoren.
Wikis sind damit praktische Werkzeuge für gemeinsames Wissen, die — richtig eingesetzt — Wissen offen, aktuell und kollaborativ verfügbar machen.
