Margarete von Anjou (französisch: Marguerite; 23. März 1430 – 25. August 1482) war durch Heirat Königin von England als Gemahlin von König Heinrich VI. (Regierungszeit als Königsgemahlin 1445–1461 und erneut 1470–1471). Sie entstammte dem französischen Hochadel des Hauses Valois-Anjou und wurde im HerzogtumLothringen als Tochter von René, König von Neapel, und Isabella, Herzogin von Lothringen, geboren.

Herkunft und Ehe

Margarete wuchs an den Höfen von Anjou und Lothringen auf. Ihre Heirat mit Heinrich VI. wurde 1445 als dynastische Verbindung zwischen England und dem französischen Königshaus arrangiert; sie traf in diesem Jahr in England ein und übernahm dort die Rolle der Königin. Die Ehe brachte einen Sohn hervor, Edward von Westminster, Prinz von Wales (geboren 1453), der später in den Rosenkriegen fiel.

Politische Rolle und die Rosenkriege

Margarete spielte eine entscheidende Rolle in den inneren Machtkämpfen Englands, die als Rosenkriege bekannt wurden. Wegen häufiger psychischer Erkrankungen ihres Mannes – Heinrich VI. erlitt wiederholt Zusammenbrüche und war zeitweise nicht regierungsfähig – übernahm Margarete faktisch viele Regierungsaufgaben. Sie organisierte Bündnisse, sammelte Geld und Truppen für die Lancastrianer und trat als führende Persönlichkeit ihres Hauses in Erscheinung.

Die Spannungen zwischen dem Haus Lancaster und dem rivalisierenden House of York (unter der Führung von Richard, dem 3. Duke of York) eskalierten Mitte der 1450er Jahre; die offene Phase der Auseinandersetzungen begann 1455 mit der Schlacht von St. Albans. In den folgenden Jahren kam es zu mehreren Feldzügen, Wechseln der Machtstellung und kurzzeitigen Thronrestaurierungen. Ein Wendepunkt war 1470, als Richard Neville, der „Kingmaker“, mit Margarete und den Lancastrianern verbündet Heinrich VI. kurzzeitig wieder einsetzte (1470–1471).

Militärische Aktionen und persönliche Verluste

Margarete begleitete wiederholt das Lancastrianer-Lager und war unmittelbar in die Leitungs- und Aufbringungsarbeit für deren Feldzüge eingebunden; zeitweise übernahm sie damit auch militärisch-politische Führungsaufgaben. Der Krieg forderte hohe Opfer: Ihr einziger Sohn, Edward von Westminster, Prinz von Wales, fiel am 4. Mai 1471 in der Schlacht von Tewkesbury. Nach der Entscheidungsschlacht bei Tewkesbury und der darauffolgenden Niederlage der Lancastrianer wurde Margarete von den siegreichen Yorkisten gefangen genommen.

Gefangenschaft, Freikauf und Exil

Nach Tewkesbury geriet Margarete in Feindschaftsgewahrsam. Heinrich VI. starb kurz darauf (im Tower of London, 1471; sein Tod wird noch immer vielfach als politischer Mord betrachtet). Margarete blieb zunächst in Gefangenschaft, bis sie 1475 von ihrem Cousin, dem französischen König Ludwig XI. von Frankreich, freigekauft wurde. Ludwig gewährte ihr Asyl und ein bescheidenes Auskommen; sie kehrte nach Frankreich zurück und lebte dort zunehmend in relativer Zurückgezogenheit und mit beschränkten Mitteln als Angehörige des französischen Königshauses.

Letzte Jahre und Wirkung

Margarete verbrachte ihre letzten Lebensjahre hauptsächlich in Angers und starb am 25. August 1482 im Alter von 52 Jahren. Ihr Leben und Wirken wurden in der späteren Geschichtsschreibung unterschiedlich bewertet: Zeitgenossen und nachfolgende Chronisten – insbesondere die Tudor-Historiker – stellten sie oft als rachsüchtige, energische und machtbewusste Führerin dar; moderne Forschungen zeichnen ein nuancierteres Bild, das ihren politischen Handlungsspielraum, die schwierige Situation eines schwachen Königs und die Härten des Dynastenkampfes berücksichtigt.

Bedeutung: Margarete von Anjou bleibt eine der markantesten Gestalten der englischen Spätmittelaltergeschichte: als Königin, als zentrale Akteurin der Rosenkriege und als Symbol für die dramatischen persönlichen und politischen Kosten dynastischer Konflikte.