Wilhelm Friedemann Bach – deutscher Komponist und Organist, Sohn von J. S. Bach
Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784) – brillanter deutscher Komponist und Organist, Sohn J.S. Bach; virtuose Tastenwerke, Kantaten und ein bewegtes Leben zwischen Ruhm und Armut.
Wilhelm Friedemann Bach (geb. Weimar 22. November 1710 – Berlin 1. Juli 1784) war ein bedeutender deutscher Komponist und Organist. Als ältester Sohn von Johann Sebastian Bach wuchs er in einem musikalisch sehr anspruchsvollen Umfeld auf und erhielt von seinem Vater eine gründliche Ausbildung am Cembalo und an der Orgel. Wilhelm Friedemann zeigte früh großes musikalisches Talent und entwickelte sich zu einem geschätzten Interpreten und Improvisator.
Leben
Bereits in seiner Jugend stand er unter dem Einfluss und der pädagogischen Anleitung seines Vaters: Johann Sebastian stellte eine Sammlung zusammen, die unter dem Titel Notebook for Wilhelm Friedemann Bach bekannt ist. Obwohl die Stücke in einer Reihenfolge zunehmender Schwierigkeit angeordnet sind, ist nicht eindeutig geklärt, ob das Heft ausschließlich als Lehrmaterial für das Spiel oder auch als Anleitung zum Komponieren gedacht war. Das Buch enthält unter anderem zwei Alleandes und vier Präludien, die Wilhelm Friedemann zugeschrieben werden. Neben Tasteninstrumenten erlernte er auch das Violinspiel.
Wilhelm Friedemann nahm spätere Lehraufgaben wahr und übernahm den Unterricht einiger Schüler seines Vaters. 1733 wurde er als Organist an die Dresdner Sophienkirche berufen. Während seiner Zeit in Dresden setzte er seine kompositorische Tätigkeit fort und schuf neben Orgelwerken auch konzertante und kammermusikalische Stücke.
Werk und Stil
In Dresden und später in Halle entstanden unter anderem Cembalokonzerte, Sinfonien, Triosonaten, Cembalosonaten und zahlreiche kleinere Werke für Tasteninstrumente. Seine erste veröffentlichte Musik datiert auf 1745. Stilistisch verbindet Wilhelm Friedemann die kontrapunktische Kunst seines Vaters mit persönlicher Ausdruckskraft und oft überraschender Harmonik; viele seiner Stücke zeigen eine Vorliebe für freie, improvisatorisch geprägte Passagen.
Halle, Erbe und Konflikte
1746 trat er die Stelle des Organisten an der Liebfrauenkirche zu Halle an. Diese Position galt als wichtig und wurde mit einem deutlich höheren Gehalt als die Dresdner Stelle dotiert. Von ihm wurde erwartet, zu kirchlichen Festtagen passende Musik zu liefern, weshalb er regelmäßig Kantaten schrieb, die in den Kirchenjahrzyklen wiederverwendbar waren (Kantaten zu).
Auch in dieser Zeit pflegte er intensiven Kontakt zu seinem Vater und verwendete gelegentlich Teile aus der Familienüberlieferung. Nach dem Tod von Johann Sebastian Bach im Jahr 1750 erbte Wilhelm Friedemann viele Handschriften aus dem väterlichen Nachlass. Seine Regelung des Nachlasses führte zu Spannungen mit Behörden und Kollegen: Es gab Vorwürfe, er sei zu lange abwesend gewesen oder habe sich nicht genügend um seine Pflichten gekümmert; zudem gab es Streit um den Verbleib und die Veräußerung von Manuskripten.
Spätes Leben und Vermächtnis
Nachdem er sich mit vielen Leuten gestritten hatte, verließ Wilhelm Friedemann 1764 seine Stelle in Halle. Die folgenden Jahre waren vom Fehlen einer festen Anstellung geprägt: er blieb arbeitslos und lebte bis zu seinem Tod weitgehend in Armut. In Berlin versuchte er mehrfach, seine Stellung als Musiker wieder aufzufrischen, fand aber keine dauerhafte Rückkehr zu einer festen kirchlichen oder hofmusikalischen Tätigkeit.
Wilhelm Friedemann hatte großes kompositorisches und spieltechnisches Talent, das durch sein schwieriges Temperament und unregelmäßiges Verhalten oft nicht voll zur Entfaltung kam. Er galt als hervorragender Improvisator, dem aber gelegentlich Unvorsichtigkeit vorgeworfen wurde, wenn er Musik anderer Komponisten interpretierte – selbst Werke seines Vaters spielte er manchmal mit eigener, freier Auslegung.
Viele seiner Werke sind nur fragmentarisch überliefert oder gingen verloren; dennoch haben moderne Editionen und Einspielungen in den letzten Jahrzehnten das Interesse an seinem Werk wiederbelebt. Musikwissenschaft und Aufführungspraxis sehen Wilhelm Friedemann heute als eigenständige Gestalt zwischen Barock und Frühklassik: seine Orgel- und Klavierliteratur sowie einige instrumentale Werke zeigen eine individuelle Klangsprache und technische Virtuosität, die ihn zu einem wichtigen Vertreter der Bach-Familie machen.
Wichtige Aspekte seines künstlerischen Nachlasses:
- Vielseitige Tastenmusik: Fantasien, Fugen, Präludien und Sonaten
- Konzertante Werke und Sinfonien
- Kantaten und kirchenmusikalische Kompositionen (teilweise verloren)
- Rolle als improvisierender Organist und Lehrer
Heute wird Wilhelm Friedemann Bach nicht nur als Sohn Johann Sebastian Bachs, sondern als eigenständiger Komponist mit einer individuellen Stimme geschätzt. Aufführungen und Forschungsarbeiten tragen dazu bei, sein erschütterndes, aber musikalisch reiches Leben besser zu verstehen.
Fragen und Antworten
F: Wer war Wilhelm Friedemann Bach?
A: Wilhelm Friedemann Bach war ein berühmter deutscher Komponist und Organist. Er wurde in Weimar geboren und war der Sohn von Johann Sebastian Bach, der ihn das Cembalo- und Orgelspiel lehrte.
F: Was hat Johann Sebastian für seinen Sohn geschrieben?
A: Johann Sebastian schrieb einige Stücke und legte sie in einem Buch namens Notebook for Wilhelm Friedemann Bach ab. Das Buch enthielt zwei Allemandes und vier Präludien, die von Wilhelm Friedemann geschrieben wurden.
F: Welche Instrumente hat er gelernt zu spielen?
A: Neben dem Cembalo und der Orgel lernte Wilhelm Friedemann auch das Violinspiel.
F: Wo hat er als Organist gearbeitet?
A: 1733 wurde Wilhelm Friedemann als Organist an die Dresdner Sophienkirche berufen. Später, im Jahr 1746, wurde er Organist an der Liebfrauenkirche in Halle.
F: Welche Art von Musik hat er komponiert?
A: Während er in Dresden lebte, komponierte Wilhelm Friedemann verschiedene Arten von Musik, darunter Cembalokonzerte, Sinfonien, Triosonaten, Cembalosonaten, Kantaten und andere kleinere Werke für Tasteninstrumente, die er 1745 veröffentlichte.
F: Wie wirkte sich der Tod seines Vaters auf ihn aus?
A: Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1750 erbte Wilhelm Friedemann eine Menge Musik seines Vaters, die er als seine eigenen Kompositionen auszugeben versuchte. Das brachte ihm Ärger mit der Kirche ein, als er nach Leipzig fuhr, um den Nachlass seines Vaters zu regeln.
F: Warum hat er seine Stelle in Halle aufgegeben?
A: Nachdem er sich über mehrere Jahre hinweg mit vielen Leuten gestritten hatte, weil er die Musik seines Vaters als seine eigenen Kompositionen ausgab, verließ Wilhelm Freidemann 1764 die Stelle in Halle und blieb bis zu seinem Tod aufgrund von Armut arbeitslos.
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