David Llewelyn Wark "D. W." Griffith (22. Januar 1875 – 23. Juli 1948) war ein amerikanischer Filmregisseur und einer der einflussreichsten Pioniere des frühen Kinos. Am bekanntesten ist er als Regisseur des Ku-Klux-Klan-Films The Birth of a Nation von 1915 und des direkten Gegenstücks Intolerance von 1916. Beide Werke machten ihn berühmt, prägten aber seinen Ruf auf sehr unterschiedliche Weise.
Griffith begann seine Laufbahn als Schauspieler und Dramatiker, bevor er zum Film wechselte. Bei der Biograph Company drehte er zwischen 1908 und 1913 Hunderte kurzer Filme und entwickelte dort viele Erzählformen und technischen Innovationen weiter. Schon in The Birth of a Nation machte er weitreichenden Gebrauch von fortgeschrittenen Kamera- und Erzähltechniken wie Close-ups, Parallelmontage (Cross-Cutting), dynamischen Einstellungen und längeren, inszenierten Massenszenen. Diese gestalterischen Mittel trugen wesentlich dazu bei, dass das moderne narrative Kino entstehen konnte.
Gleichzeitig ist The Birth of a Nation ein zentraler Gegenstand der filmischen und politischen Kontroverse. Der Film wurde sehr populär, zeigte aber Afroamerikaner stereotyp und abwertend, verharmloste die Folgen der Sklaverei und verherrlichte den Ku-Klux-Klan. Der Film wurde dem damaligen Präsidenten Woodrow Wilson zur Vorführung gezeigt; eine begeisterte Äußerung wie „Geschichte, geschrieben im Blitz“ wird ihm oft zugeschrieben, ist aber in der Forschung als wörtliches Zitat umstritten. Angesichts der rassistischen Darstellung rief die Bürgerrechtsorganisation NAACP öffentliche Proteste hervor und boykottierte den Film, es gab Demonstrationen und Debatten über Zensur und Filmwirkungen.
Als Reaktion auf die heftige Kritik und als künstlerische Gegenleistung drehte Griffith Intolerance. Der Film verknüpft vier historische Handlungsstränge – aus dem alten Babylon, dem mittelalterlichen Europa, dem Frankreich der Renaissance und der Gegenwart – und thematisiert die zerstörerische Kraft von Vorurteilen. Obwohl Intolerance künstlerisch weithin anerkannt wurde, erzielte er kommerziell nicht denselben Erfolg wie The Birth of a Nation, da er aufwändiger und weniger reißerisch angelegt war.
Nach diesen Schlüsselwerken setzte Griffith seine Karriere fort und drehte weitere wichtige, wenn auch teils weniger erfolgreiche Filme. Zu seinen bekannten Arbeiten gehören neben den bereits genannten Werke auch Orphans of the Storm und Broken Blossoms. Viele seiner späteren Filme wurden von Kritikern geschätzt, konnten jedoch wirtschaftlich oft nicht an seine größten Erfolge anknüpfen. Mit dem Übergang zum Tonfilm und veränderten Produktionsbedingungen verlor Griffith an Einfluss; er hatte zeitweise finanzielle Probleme und konnte nicht dauerhaft an seine früheren Innovationen anknüpfen.
Die historische Bewertung Griffiths ist ambivalent: Einerseits gilt er als „Vater“ vieler filmischer Erzähl- und Schnitttechniken, die das Kino professionalisierten und narrativ voranbrachten. Andererseits bleibt sein Werk stark belastet durch die rassistischen Inhalte von The Birth of a Nation und seiner Vereinnahmung durch reaktionäre Kräfte seiner Zeit. Filmwissenschaftler, Historiker und Aktivisten diskutieren seit Jahrzehnten über dieses doppelte Erbe – technischen Fortschritt einerseits, ideologische Fehlleistungen andererseits.
Griffith starb 1948 in Hollywood. Sein Einfluss auf die Filmtechnik und Erzählweise ist nach wie vor spürbar, ebenso wie die Debatten, die sein bekanntestes Werk bis heute auslöst. Beim Lesen und Zeigen seiner Filme ist deshalb sowohl die filmhistorische Bedeutung als auch die kritische Einordnung seiner Inhalte zu berücksichtigen.
