Die Geburt einer Nation (1915) – D.W. Griffith: Rassismus & KKK-Einfluss

Analyse von D.W. Griffiths "Die Geburt einer Nation" (1915): filmhistorischer Meilenstein, rassistische Propaganda, KKK-Einfluss, Kontroversen und anhaltende Wirkung auf Kultur und Gesellschaft.

Autor: Leandro Alegsa

Die Geburt einer Nation ist ein Stummdramafilm von 1915. Regie führte D. W. Griffith. Er basierte auf dem Buch The Clansman von Thomas Dixon, Jr. Die Hauptdarstellerin ist Lillian Gish.

Der Film handelt von zwei Familien während des amerikanischen Bürgerkriegs und der Zeit des Wiederaufbaus. Die Familie Northern Stoneman ist für die Union. Die Familie Southern Cameron ist für die Konföderation. Die Ermordung von Präsident Abraham Lincoln durch John Wilkes Booth wird dramatisiert.

Der Film war ein großer Erfolg. Er war jedoch sehr umstritten. Er zeigte afroamerikanische Männer (gespielt von weißen Schauspielern mit schwarzem Gesicht) als dumm und sexuell aggressiv gegenüber weißen Frauen. Er zeigte auch den Ku-Klux-Klan als eine heroische Kraft. Es gab Proteste. Der Film wurde in mehreren Städten verboten. Der Aufschrei des Rassismus war groß.

Dem Film wird zum Teil auch die Gründung des Ku-Klux-Klan der "zweiten Ära" im selben Jahr zugeschrieben. The Birth of a Nation wurde als Rekrutierungsinstrument für den KKK verwendet. Im Jahr 1915 war es der erste Film, der im Weißen Haus gezeigt wurde.

Inhalt und Darstellung

Die Erzählung verknüpft persönliche Schicksale mit politischen Ereignissen: Freundschaft, Verrat, Liebe und Rache werden vor dem Hintergrund von Krieg und politischer Neuordnung geschildert. Griffith nutzt melodramatische Elemente und starke Bildkompositionen, um Emotionen zu vermitteln. Dabei ist die Darstellung der afroamerikanischen Figuren stark stereotypisiert und verachtend — ein zentraler Grund für die bis heute anhaltende Kritik an dem Werk.

Filmische Bedeutung und technische Innovationen

Die Geburt einer Nation gilt trotz ihrer belastenden politischen Botschaft als Meilenstein der frühen Filmgeschichte. Griffith und sein Kameramann entwickelten und verfeinerten zahlreiche filmische Techniken, die das narrative Kino prägten, darunter:

  • ausgedehnte Parallelmontagen (Cross-Cutting), um Handlungsfäden gleichzeitig zu zeigen und Spannung zu steigern,
  • variierte Kameraeinstellungen und -größen (Totalen, Halbtotale, Halb- und Großaufnahmen) zur Betonung von Figuren und Gefühlen,
  • inszenierte Tableaus und groß angelegte Schlachtszenen, die das Spektrum dessen, was Kino visuell leisten kann, erweiterten,
  • Einsatz von Farbtonungen (Tönung) zur atmosphärischen Untermalung,
  • eine entwickeltere narrative Struktur mit klarer Figurenführung über einen langen Spannungsbogen.

Diese formalen Beiträge werden in Filmgeschichte und -theorie oft getrennt von der ideologischen Seite des Films analysiert.

Rezeption, Proteste und Zensur

Nach der Veröffentlichung löste der Film starke öffentliche Debatten aus. Bürgerrechtsorganisationen wie die NAACP organisierten Proteste und Boykottaufrufe. Manche Kommunen und Kinobetreiber reagierten mit Vorführverboten oder Schnittauflagen. Zugleich zog der kommerzielle Erfolg Millionen von Zuschauern an und machte den Film zu einem der finanziell erfolgreichsten Werke seiner Zeit.

Politische Wirkung und historische Einordnung

Der Film trug zur Popularisierung der romantisierten Sicht auf die Südstaaten und zur Wiederanknüpfung an konfederierte Mythen bei. Zwar war er nicht die alleinige Ursache für die Wiedererstarkung des Ku-Klux-Klan in den 1910er Jahren, doch seine Darstellung wurde von Klan-Akteuren als Propagandamittel verwendet und half, rassistische Vorstellungen in Teilen der Öffentlichkeit zu bestärken. Heute wird die Aussage, The Birth of a Nation habe die "zweite Ära" des KKK direkt begründet, differenziert betrachtet: Der Film war ein wichtiger kultureller Faktor unter mehreren, die das Klima der Zeit beeinflussten.

Kritische Bewertung heute

In zeitgenössischer Perspektive wird der Film ambivalent beurteilt: Einerseits ist er ein Dokument technischer und narrativer Fortschritte des frühen Kinos; andererseits ein beispielhaftes Zeugnis filmischer Propaganda und rassistischer Inszenierung. Aus filmwissenschaftlicher Sicht wird Die Geburt einer Nation deshalb oft in einem doppelten Rahmen behandelt — als Wendepunkt der Filmtechnik und als Warnung, wie filmische Mittel für diskriminierende Ideologien eingesetzt werden können.

Konservierung, Verfügbarkeit und Nachwirkung

Der Film ist heute gemeinfrei und in verschiedenen Restaurierungen verfügbar. Bei modernen Vorführungen wird er in der Regel mit historischer Kontextualisierung gezeigt — etwa durch Einführungen, Begleittexte oder wissenschaftliche Diskussionen — um die problematischen Inhalte einzuordnen. Sein Einfluss auf Erzählweisen und Filmhandwerk bleibt Gegenstand von Lehre und Forschung, während seine rassistischen Inhalte weiter kritisiert und analysiert werden.

Wesentliche Besetzung und Produktion

Neben Lillian Gish spielten weitere Laiendarsteller und etablierte Schauspieler der Stummfilmzeit mit. Griffiths Arbeiten waren geprägt von großem Produktionsaufwand, umfangreichen Statistenaufgeboten und einem ambitionierten künstlerischen Anspruch, der in technische Neuerungen mündete, aber auch von der umstrittenen literarischen Vorlage beeinflusst war.

Fazit

Die Geburt einer Nation bleibt ein kontroverses, vielschichtiges Werk: historisch bedeutsam für die Entwicklung des Films, aber zugleich moralisch problematisch aufgrund seines offenen Rassismus und der positiven Darstellung des Ku-Klux-Klan. Heute dient der Film als Mahnung dafür, dass technische Innovationen und künstlerischer Erfolg nicht automatisch moralische Legitimation bedeuten; er wird weiterhin kritisch analysiert und in einen breiteren historischen und gesellschaftlichen Kontext gestellt.

Medien abspielen Die Geburt einer Nation
Medien abspielen Die Geburt einer Nation

Fragen und Antworten

F: Was ist The Birth of a Nation?


A: The Birth of a Nation ist ein Stummfilm-Drama von 1915 unter der Regie von D. W. Griffith, das auf dem Buch The Clansman von Thomas Dixon, Jr. basiert und in dem Lillian Gish die Hauptrolle spielt.

F: Worum geht es in dem Film?


A: Der Film handelt von zwei Familien während des Amerikanischen Bürgerkriegs und der Zeit der Reconstruction - die Familie Stoneman aus dem Norden, die für die Union ist, und die Familie Cameron aus dem Süden, die für die Konföderation ist. Außerdem wird die Ermordung von Präsident Abraham Lincoln durch John Wilkes Booth dramatisiert.

F: Warum war der Film umstritten?


A: Der Film war sehr umstritten, weil er afroamerikanische Männer (gespielt von weißen Schauspielern in schwarzer Maske) als dumm und sexuell aggressiv gegenüber weißen Frauen zeigte und den Ku-Klux-Klan als heldenhafte Kräfte darstellte.

F: Wie haben die Menschen darauf reagiert?


A: Die Menschen reagierten auf den Film mit Protesten, Verboten in mehreren Städten, Aufschreien über Rassismus, Vorführungen, auf die Unruhen und Angriffe folgten, und er wird sogar teilweise für die Gründung des Ku Klux Klan der "zweiten Ära" im selben Jahr verantwortlich gemacht.

F: Wo wurde der Film zum ersten Mal gezeigt?


A: 1915 wurde The Birth of a Nation erstmals im Weißen Haus gezeigt.

F: War der Film erfolgreich?


A: Ja, trotz seiner Kontroverse war The Birth of a Nation bei seiner Veröffentlichung 1915 ein großer Erfolg.


Suche in der Enzyklopädie
AlegsaOnline.com - 2020 / 2025 - License CC3