Lord Kitchener – Britischer Feldmarschall & Kriegsminister (1850–1916)

Lord Kitchener (1850–1916) – britischer Feldmarschall & Kriegsminister: Eroberer des Sudan, Burenkriegsveteran, Symbol der Rekrutierung im Ersten Weltkrieg bis zu seinem Tod 1916.

Autor: Leandro Alegsa

Feldmarschall Horatio Herbert Kitchener, 1st Earl Kitchener KG, KP, GCB, OM, GCSI, GCMG, GCIE, ADC, PC (24. Juni 1850 - 4. Juni 1916) war ein in Irland geborener britischer Feldmarschall und eine der prägnantesten Militärpersönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Er prägte die britische Kolonial- und Militärpolitik durch seine Führungsrollen in Ägypten, im Sudan, im südlichen Afrika und später als Kriegsminister während des Ersten Weltkriegs. Kitchener stammte aus einer anglo-irischen Offiziersfamilie, trat früh in den Militärdienst ein und machte mit organisatorischem Talent, strategischem Gespür und oft umstrittenen, harten Maßnahmen Karriere.

Frühes Wirken und Aufstieg

Kitchener diente zunächst in verschiedenen kolonialen Einsätzen und sammelte Erfahrungen in Afrika und Asien. Sein Ruf als fähiger Offizier wuchs durch logistische Fähigkeiten und seine disziplinierte, bisweilen rücksichtslose Vorgehensweise. Diese Eigenschaften führten zu höheren Aufgaben in der britischen Ägyptenpolitik, die damals eng mit den Interessen des Empire verbunden war.

Ägypten, Sudan und die Schlacht von Omdurman

Kitchener war Sirdar (britischer Oberbefehlshaber) der ägyptischen Armee. In dieser Funktion leitete er die britisch-ägyptische Rückeroberung des Sudan und besiegte 1898 die mahdistischen Truppen in der entscheidenden Schlacht von Omdurman. Mit moderner Artillerie, Maschinengewehren und guter Organisation erzielte seine Streitmacht einen überwältigenden Sieg, der die britische Vorherrschaft im Sudan sicherte. Die Aktionen Kitcheners festigten Großbritanniens Kontrolle über den Nilraum, standen aber auch in der Kritik wegen ihrer Strenge und der kolonialen Ziele, die damit verbunden waren. Die Expedition führte außerdem zu diplomatischen Spannungen mit Frankreich (Fashoda-Krise), die schließlich friedlich beigelegt wurden.

Burenkrieg und Höhere Kommandofunktionen

Er war Stabschef während des Burenkrieges von 1899–1902 und von 1899–1900 auch Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte im südlichen Afrika. Während des Krieges setzte Kitchener harte Maßnahmen durch, darunter eine Politik der verbrannten Erde und die Einrichtung von Internierungslagern für die Zivilbevölkerung der Burenrepubliken, was international und auch innerbritisch erheblich kritisiert wurde. Für seine Verdienste und seinen Rang erhielt er zahlreiche Ritterorden und Auszeichnungen, sowohl britische als auch ausländische, darunter den Ritter von St. Patrick und den Ritter des Hosenbandordens. Nach dem südafrikanischen Krieg übernahm Kitchener weitere hohe militärische Ämter, unter anderem als Commander-in-Chief in Indien, wo er Reformen und Modernisierungen der Truppe vorantrieb.

Erster Weltkrieg: Kriegsminister und die Neuausstattung der Armee

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ernannte Premierminister Asquith Lord Kitchener rasch zum Kriegsminister. In dieser Funktion leitete er den schnellen Ausbau der britischen Streitkräfte: er organisierte die groß angelegte Freiwilligenrekrutierung, schuf die sogenannten „New Armies“ (später als Kitchener's Army bekannt) und führte eine umfassende Strukturreform im Kriegsministerium durch, um die Mobilisierung und Ausrüstung für einen langen Krieg zu ermöglichen. Seine Person und seine Aufrufe zur Einberufung wurden durch eine der berühmtesten Rekrutierungsikonen der britischen Geschichte symbolisiert: sein Bild in der Plakatkampagne („Your Country Needs You“), das von Alfred Leete gestaltet wurde und Millionen von Männern zur freiwilligen Meldung animierte.

Tod, Nachwirkung und Kontroversen

Kitchener ertrank 1916, als die HMS Hampshire in der Nähe der Orkney-Inseln nach dem Einschlag in eine deutsche Mine unterging, während er auf dem Weg zu Verhandlungen mit Russland war. Sein Leichnam wurde nie geborgen; an der Unglücksstelle und an mehreren Orten in Großbritannien erinnern Denkmäler an ihn. Sein Tod löste zahlreiche Spekulationen und Verschwörungstheorien aus, die jedoch nicht belegt sind.

Kitchener hinterließ ein zwiespältiges Vermächtnis: Er wird einerseits als scharfsinniger Organisator und entschlossener militärischer Führer gewürdigt, der das britische Heer für einen großen Krieg bereitete; andererseits bleibt seine Karriere wegen der Härte seiner kolonialen Politik und der zivilen Opfer, die unter seinen Maßnahmen – insbesondere im Sudan und während des Burenkrieges – entstanden, umstritten. Historiker beurteilen ihn daher je nach Blickwinkel als brillanten Militärstrategen oder als Symbol einer rücksichtslosen imperialen Politik.

Das ikonische, viel imitierte Poster von 1914 Lord Kitchener Wants You.Zoom
Das ikonische, viel imitierte Poster von 1914 Lord Kitchener Wants You.



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