Charonosaurus war eine Gattung von Hadrosauriern, die ganz am Ende der Oberkreide (vermutlich im späten Maastrichtium), vor etwa 65 Millionen Jahren, lebte. Seine Überreste wurden in der Provinz China (Nordost-China) gefunden.
Fund und Fossilmaterial
Bekannt ist Charonosaurus hauptsächlich von einem partiellen Schädel, der in Heilongjiang geborgen wurde. In derselben Fundregion wurden außerdem Überreste von erwachsenen und jugendlichen Hadrosauriern entdeckt, die Hinweise auf das übrige Skelett liefern. Aus diesen Überresten ergibt sich unter anderem eine maximale Oberschenkellänge von bis zu 1,35 m.
Größe und Körperbau
Charonosaurus war ein sehr großer Lambeosaurine-Hadrosaurier und wird auf etwa 13 m Länge geschätzt. Wie andere Hadrosaurier besaß er einen breit bauenden Körperbau mit kräftigen Hinterbeinen, die zum Laufen und zur Unterstützung des kräftigen Körpers dienten. Die gemessene Oberschenkellänge von bis zu 1,35 m unterstreicht die stattliche Körpergröße dieses Tieres.
Schädel und Kamm
Der partielle Schädel ähnelt auffallend dem des nordamerikanischen Parasaurolophus: Beide zeigen Hinweise auf einen lang nach hinten ragenden, hohlen Kamm. Dass solche Kämme in verschiedenen Regionen auftauchen, deutet nicht zwangsläufig auf eine direkte Verbindung durch eine Beringlandbrücke während der Kreidezeit hin, zumal Nordamerika und Ostasien zur Zeit der Oberkreide geographisch weit auseinander lagen. Wahrscheinlicher ist, dass diese Gruppe der Lambeosaurinen von vornherein ein solch verlängertes Kamm-Design als gemeinsames (basales) Merkmal besaß. Solche hohlen Kämme wurden vermutlich zur Verstärkung und Modulation von Lauten genutzt (vergleichbar mit einer Trompete) und dienten möglicherweise auch der visuellen Kommunikation und der Art-/Geschlechtskennung.
Lebensweise und Umwelt
Charonosaurus war ein Pflanzenfresser. Wie andere Hadrosaurier verfügte er über spezielle Zahnreihen und Kauwerkzeuge, die das Zerkleinern pflanzlicher Nahrung effizient machten. Er lebte vermutlich in Fluss- und Überschwemmungsgebieten mit ausgedehnten Ebenen, Seen und Auenwäldern — typische Habitate vieler spätkreidezeitlicher Hadrosaurierfunde in Ostasien. Aufgrund der Fundhäufungen mehrerer Individuen in einer Region wird angenommen, dass diese Tiere sozial lebten und in Herden vorkamen.
Systematik und Bedeutung
Charonosaurus gehört zur Gruppe der Lambeosaurinen innerhalb der Hadrosauridae. Die Ähnlichkeit des Schädels mit dem von Parasaurolophus macht Charonosaurus besonders interessant für Studien zur Evolution und Verbreitung der hohlen Kämme bei Lambeosaurinen. Funde aus Heilongjiang tragen zudem dazu bei, das Bild der spätkreidezeitlichen Faunen Nordost-Asiens zu vervollständigen und geben Aufschluss über Biogeographie, Verhalten und ökologische Anpassungen dieser großen Pflanzenfresser.
Charonosaurus ist damit ein wichtiges Beispiel für die Vielfalt und die komplexen evolutionären Merkmale der Hadrosaurier am Ende der Kreidezeit.