Diplom (aus dem Griechischen Δίπλωμα Diplom) ist ein hochrangiger Abschluss, der für das Lernen verliehen wird. Es wird in europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich, der Schweiz, Estland, Kroatien, Serbien, der Ukraine, Weißrussland und Griechenland verliehen. Es ist eine ähnliche Auszeichnung wie die Bachelor- und Master-Abschlüsse in anderen Ländern.
Was ist ein Diplom?
Das Diplom ist ein akademischer Grad, der nach Abschluss eines studienmäßig geregelten Hochschulprogramms vergeben wird. Traditionell wird es sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen (in Deutschland: Fachhochschul-Diplom) verliehen. Diplomabschlüsse sind studienintegriert und schließen in der Regel mit einer wissenschaftlichen oder praxisorientierten Diplomarbeit ab.
Geschichte und Entstehung
Das Diplom wurde erstmals verliehen, als die Technischen Hochschulen eine Universität wurden. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich das Diplom in vielen mitteleuropäischen Staaten zum Standardabschluss für naturwissenschaftliche, technische, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studiengänge. Typische historische Bezeichnungen sind etwa Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.), Diplom-Kaufmann (Dipl.-Kfm.) oder Diplom-Psychologe.
Arten und Unterschiede
- Diplom (Universität): Häufig stärker wissenschaftlich orientiert, Studiendauer meist vier bis fünf Jahre (entspricht in etwa 240–300 ECTS-Punkten). Im europäischen Vergleich wird dieser Abschluss oft mit einem Master gleichgesetzt.
- Diplom (Fachhochschule): Praxisorientierter, in der Regel kürzer (etwa drei bis vier Jahre, ca. 210–240 ECTS). Berufliche Qualifikation und Praxisphasen sind hier stärker ausgeprägt.
Vergleich mit Bachelor und Master
Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde das europäische Hochschulsystem reformiert und die zweistufige Gliederung in Bachelor und Master eingeführt. Viele Diplomstudiengänge wurden deshalb in Bachelor- und Masterprogramme überführt. Allgemein gilt:
- Ein klassisches Universitätsdiplom wird häufig als dem Master (zweite Zyklusstufe) vergleichbar angesehen.
- Ein Fachhochschuldiplom kann in vielen Fällen als praxisäquivalent zum Master oder als zwischen Bachelor und Master einzuordnen sein; die exakte Einstufung hängt vom Studienumfang und den erworbenen ECTS ab.
Anerkennung, Titel und rechtliche Lage
In Deutschland und anderen Ländern sind bestimmte Diplomtitel gesetzlich geschützt. Absolventen, die ihr Diplom vor der Umstellung auf Bachelor/Master erworben haben, dürfen die entsprechenden Titel weiterführen. Viele Hochschulen erlauben zudem die Ergänzung des Diplomtitels durch einen Anhang wie (FH) für Fachhochschule. Bei grenzüberschreitender Anerkennung (z. B. für Berufszulassungen oder Bewerbungen im Ausland) wird das Diplom in der Regel durch Zeugnisbewertungen und Anrechnungsverfahren bescheinigt.
Aktuelle Situation und Übergang
Das Diplom wird langsam durch ein System ersetzt, das Bachelor- und Master-Abschlüsse verleiht. In vielen Ländern Europas sind Studiengänge mittlerweile konsequent auf das Bologna-System umgestellt; dennoch existieren noch Diplomprogramme oder Altabsolventen mit Diplom. Bachelor-Abschlüsse, in Deutschland manchmal Bakkalaureus genannt, werden gelegentlich als "kleines Diplom" angesehen — korrekter ist jedoch die Einordnung auf unterschiedlichen Niveaus (Bachelor = erster Zyklus, Master = zweiter Zyklus).
Praktische Bedeutung
- Für Arbeitgeber ist ein Diplom häufig ein Indikator für eine umfassende fachliche Ausbildung; in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen ist das Diplom lange Zeit ein Standardqualifikationsnachweis gewesen.
- Für die akademische Laufbahn (Promotion) war und ist das Diplom ein anerkannter Abschluss, der in vielen Fällen zur Promotion berechtigt, wobei heute oft auch ein Master diese Zugangsvoraussetzung darstellt.
- Bei internationalen Vergleichen sollten Absolventen Diplome durch formale Anerkennungsstellen oder Zeugnisbewertungsstellen einschätzen lassen.
Fazit
Das Diplom ist ein historisch bedeutsamer Hochschulabschluss in Europa, der in der Regel einem höheren Qualifikationsniveau entspricht und in vielen Fällen dem Master vergleichbar ist. Durch die Bologna-Reform wurde das Diplom weitgehend durch Bachelor- und Masterabschlüsse ersetzt, bleibt aber für Absolventinnen und Absolventen früherer Jahrgänge weiterhin relevant und rechtlich geschützt.