Häusliche Gewalt bedeutet, dass in einer Beziehung oder Ehe einer oder beide Partner physische, sexuelle oder psychische Gewalt anwenden, um Macht oder Kontrolle über den anderen zu erlangen oder weil sie die Beherrschung verlieren. Häusliche Gewalt kann in heterosexuellen und gleichgeschlechtlichen Beziehungen auftreten. Häufig gibt es ein vorhersehbares Muster oder einen vorhersehbaren Zyklus von Gewalt in einer Beziehung, und der Missbrauch neigt dazu, mit der Zeit schlimmer zu werden. Häusliche Gewalt kann auch ein Faktor für Obdachlosigkeit sein, wie in den Prinzipien 15 der Yogyakarta-Prinzipien hervorgehoben wird.

In jeder Kultur oder Gemeinschaft gibt es Überzeugungen und Haltungen, die häusliche Gewalt unterstützen, und Überzeugungen und Haltungen, die häusliche Gewalt nicht unterstützen. In den meisten Ländern gibt es Gesetze zum Schutz der Opfer solcher Gewalttaten. Es gibt auch Organisationen, die in solchen Situationen helfen können.

Häusliche Gewalt wird manchmal nicht bei der Polizei angezeigt. Schätzungen besagen, dass nur ein Drittel der Fälle häuslicher Gewalt (oder sogar weniger) bei den Behörden angezeigt wird.

Viele Menschen, die Gewalt gegen ihre Partner anwenden, leiden an psychischen Störungen, insbesondere an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung und einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Formen häuslicher Gewalt

  • Physische Gewalt: Schlagen, Stoßen, Würgen, Verbrennungen oder andere Körperverletzungen.
  • Sexuelle Gewalt: Zwang zu sexuellen Handlungen, Vergewaltigung innerhalb der Beziehung, sexuelle Ausbeutung.
  • Psychische/Emotionale Gewalt: Demütigung, Drohungen, Isolation, Gaslighting, ständige Kritik.
  • Ökonomische Gewalt: Kontrolle über Geld, Verweigerung von finanziellen Mitteln, Schuldenaufzwängung.
  • Digitale Gewalt: Überwachung per Smartphone, Erpressung mit Bildern, ständiges Nachverfolgen in sozialen Medien.
  • Stalking und Belästigung: Verfolgung, unerwünschte Kontaktaufnahme, Eindringen in Privatsphäre.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Macht und Kontrolle: Ein zentrales Motiv ist die Absicht, den anderen zu dominieren.
  • Kulturelle Normen: Traditionelle Rollenbilder, Gewaltakzeptanz oder Scham können Gewalt begünstigen oder das Melden verhindern.
  • Stressfaktoren: Finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit oder Suchtmittelmissbrauch erhöhen das Risiko für eskalierende Konflikte.
  • Biografische Faktoren: Eigene Erfahrungen von Gewalt in der Kindheit können das Verhalten beeinflussen.
  • Psychische Erkrankungen: Bei einigen Täterinnen und Tätern liegen psychische Störungen vor; solche Erkrankungen können ein Risikofaktor sein, sind aber keine Entschuldigung für Gewalt.

Zyklus der Gewalt

Häufig wechseln sich drei Phasen ab: Spannungsaufbau (zunehmende Konflikte, Drohungen), Gewaltausbruch (physische/psychische Angriffe) und Versöhnung (Entschuldigungen, Versprechen). Mit der Zeit kann die Phase der Versöhnung kürzer werden und die Gewalt intensiver werden.

Folgen für Betroffene

  • Physische Folgen: Verletzungen, chronische Schmerzen, Schwangerschaftskomplikationen.
  • Psychische Folgen: Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Schlafstörungen, Suizidgedanken.
  • Soziale Folgen: Isolation, Arbeitsplatzverlust, finanzielle Not, Wohnungs- oder Obdachlosigkeit.
  • Folgen für Kinder: Emotionale Traumata, Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten und ein erhöhtes Risiko, später selbst Opfer oder Täter zu werden.

Warum viele Fälle nicht gemeldet werden

  • Angst vor Vergeltung oder Eskalation.
  • Scham, Schuldgefühle oder Hoffnung auf Veränderung des Partners.
  • Abhängigkeit (finanziell, wegen Kinder, Aufenthaltsstatus).
  • Mangelndes Vertrauen in Behörden oder fehlendes Wissen über Hilfsangebote.

Was Opfer jetzt tun können

  • Bei akuter Gefahr: Versuchen Sie, sich in Sicherheit zu bringen und den Notruf zu wählen (Notrufnummern je nach Land: z. B. 112/110).
  • Sicherheit planen: Ein Versteck mit wichtigen Dokumenten, Bargeld, Medikamenten und Ersatzschlüsseln; Codewörter mit Vertrauenspersonen.
  • Beweise sichern: Fotos von Verletzungen, Screenshots von Nachrichten, Tagebuch über Vorfälle; bewahren Sie Kopien an einem sicheren Ort auf.
  • Hilfe suchen: Frauenhäuser, Männerberatungsstellen, Opferberatungsstellen, Fachstellen für Kinder und Jugendliche, Rechtsberatung.
  • Medizinische und psychologische Hilfe: Ärztliche Versorgung und Traumatherapie können körperliche und seelische Folgen lindern.

Rechtlicher Schutz

In vielen Ländern gibt es rechtliche Instrumente wie einstweilige Verfügungen, Kontakt- und Näherungsverbote, Strafanzeigen und spezialisierte Verfahren zum Schutz von Opfern. Melden kann oft der wichtigste Schritt sein, auch um Beweismittel zu sichern und rechtliche Schritte einzuleiten.

Wenn Sie selbst gewalttätig sind

Erkennen Sie Ihr Verhalten und suchen Sie Hilfe. Es gibt spezialisierte Beratungsstellen und Täterprogramme, die dabei unterstützen, Gewalt zu stoppen, Verantwortung zu übernehmen und neue Umgangsweisen zu lernen. Gewalt ist keine private Lösung — suchen Sie professionelle Hilfe, bevor die Situation schlimmer wird.

Prävention und gesellschaftliche Maßnahmen

  • Aufklärung in Schulen und Gemeinden über gleichberechtigte Beziehungen, Respekt und Grenzen.
  • Förderung wirtschaftlicher Unabhängigkeit von gefährdeten Personen.
  • Schulung von Polizei, Justiz und Gesundheitsdiensten im Umgang mit häuslicher Gewalt.
  • Unterstützung von spezialisierten Hilfsangeboten und Schutzunterkünften.

Wichtig: Nicht alle Menschen mit psychischen Störungen werden gewalttätig, und psychische Erkrankungen rechtfertigen niemals Gewalt. Wenn in der Partnerschaft Gewalt stattfindet, ist sie in erster Linie ein Problem von Macht und Kontrolle — Hilfe und Schutzmöglichkeiten gibt es aber in vielen Einrichtungen und bei Fachstellen.

Wenn Sie selbst oder jemand in Ihrer Umgebung betroffen ist: Zögern Sie nicht, sich an eine lokale Beratungsstelle, eine Vertrauensperson oder im Notfall an die Polizei zu wenden. Es gibt Unterstützung — Sie sind nicht allein.