Fermats letzter Satz ist eine der bekanntesten Aussagen in der Mathematik. Kurz gefasst lautet sie:
Für ganze Zahlen n > 2 gibt es keine positiven ganzen Zahlen x, y, z, die die Gleichung
xn + yn = zn
Präzise Aussage
- Behauptung: Für jede ganze Zahl n mit n > 2 existieren keine drei positiven ganzen Zahlen x, y, z mit xn + yn = zn.
- Die Bedingung kann auf primitive Lösungen reduziert werden (x, y, z haben keinen gemeinsamen Teiler), und es genügt, den Satz für primzahlige Exponenten zu zeigen.
- Wegen der Formulierung bezieht sich der Satz auf positive ganze Zahlen (oft als natürliche Zahlen bezeichnet); in vielen Darstellungen wird darauf hingewiesen, dass null oder negative Werte trivial andere Fälle darstellen.
Historischer Überblick
Der französische Jurist und Mathematiker Pierre de Fermat schrieb 1637 in den Rand einer Kopie von Arithmetica die Bemerkung, er habe einen Beweis dafür, aber der Rand sei zu klein, um ihn aufzuschreiben. Fermat bewies außerdem den speziellen Fall n = 4 mit der Methode des unendlichen Abstiegs, sodass der allgemeine Fall auf Primzahlen reduziert werden konnte.
In den folgenden Jahrhunderten lieferten viele Mathematiker Beweise für einzelne Exponenten oder für Klassen von Exponenten, doch ein allgemeiner Beweis blieb aus. Beispiele für frühe Teilresultate:
- n = 4: Fermat (unendlicher Abstieg)
- n = 3: Beweise aus dem 18. Jahrhundert (u. a. Euler)
- n = 5: Beweise im 19. Jahrhundert (u. a. Dirichlet und Legendre)
- Sophie Germain entwickelte Techniken, mit denen sich viele Primzahlen vom Typ p erreichen lassen, für die der Satz gilt (sogenannte Sophie-Germain-Primzahlen).
Weg zur Lösung: Modulare Formen und elliptische Kurven
Im 20. Jahrhundert wurden Verbindungen zwischen elliptischen Kurven und modularen Formen deutlich. Die so genannte Taniyama–Shimura–Weil-Vermutung (heute Modularitysatz) besagt, dass elliptische Kurven über den rationalen Zahlen modular sind. Kenneth Ribet zeigte 1986, dass die Verknüpfung dieser Vermutung mit bestimmten Eigenschaften von elliptischen Kurven die Unmöglichkeit von Lösungen der Fermat-Gleichung für n > 2 nach sich zieht.
Der endgültige Beweis
Der britische Mathematiker Andrew Wiles bewies in den frühen 1990er Jahren einen wichtigen Spezialfall der Taniyama–Shimura-Vermutung (für semistabile elliptische Kurven). Nach einer ersten Veröffentlichung 1993 wurde ein Lückenproblem entdeckt; Wiles und sein Mitarbeiter Richard Taylor korrigierten den Fehler und publizierten die vollständige Lösung 1994/1995. Damit war Fermats letzter Satz endgültig bewiesen.
Bedeutung und Nachwirkung
- Der Beweis von Wiles verband mehrere Bereiche der Zahlentheorie — insbesondere die Theorie der elliptischen Kurven, modulare Formen und Galois-Darstellungen — und löste damit langjährige Forschungsfragen.
- Der Prozess zur Lösung des Problems führte zu neuen Methoden und Ergebnissen in der algebraischen Zahlentheorie und der arithmetischen Geometrie.
- Die Geschichte des Problems ist zugleich ein Lehrstück über mathematische Zusammenarbeit, über Jahrzehnte gesammeltes Wissen und die Entwicklung moderner Techniken.
Weiteres
Die Frage nach Lösungen der Gleichung xn + yn = zn für n = 1 oder n = 2 ist klassisch lösbar (Pythagoreische Tripel für n = 2). Für n > 2 zeigt der Satz von Fermat, dass es keine nichttrivialen Lösungen in den natürlichen Zahlen gibt. Die historische Diskussion um Fermats behaupteten Beweis bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Spekulation; die Mehrheit der Historiker und Mathematiker betrachtet es als sehr unwahrscheinlich, dass Fermat einen vollständigen allgemeingültigen Beweis besaß.
Für weiterführende Informationen zur Gleichung selbst und zu verwandten Begriffen siehe die Einträge zu Gleichung, zu Widerspruchsbeweisen und zur Geschichte von Lösungen in der Zahlentheorie.


