Der Fez (türkisch: fes, Plural fezes oder Fezes aus dem arabischen "Fas", vor 1927 die Hauptstadt Marokkos), sowie sein Äquivalent, der Tarboosh (arabisch: طربوش ṭarbūsh), ist ein Filzhut.

Es gibt zwei Typen. Der eine ist ein Kegel mit einer flachen Spitze aus rotem Filz. Der andere ist ein kurzer Zylinder aus Kelimstoff. Beide haben normalerweise eine an der Spitze angebrachte Quaste. Der Tarboosh und der moderne Fes, der ähnlich ist, verdanken einen Großteil ihrer Entwicklung und Popularität der osmanischen Ära.

Ursprung und Name

Der Name Fez leitet sich vom nordmarokkanischen Ort Fes (Fez) ab, einem historischen Zentrum der Handwerkskunst und Textilherstellung. Historisch gesehen ist die genaue Herkunft umstritten: einige Quellen sehen den Ursprung in Nordafrika, andere betonen die weite Verbreitung und Weiterentwicklung des Kopfbedeckungstyps im gesamten Mittelmeerraum und im Nahen Osten. Unabhängig davon ist die Stadt Fes namensgebend und mit der Tradition assoziiert.

Typen und Merkmale

  • Roter, konischer Fez: Meist aus dichtem Filz geformt, mit einer flachen oder leicht gewölbten Oberseite und einer Quaste an der Spitze.
  • Zylindrischer Tarboosh: Kürzer, gerade Seitenwände, oft aus gewebtem Stoff (z. B. Kelim) und ebenfalls mit Quaste.
  • Materialien: Traditionell aus Schaf- oder Ziegenwolle (Filz), seltener aus Seide oder mit Stoff überzogen. Höhere Ränge oder Repräsentationsmodelle können mit Goldborte oder Stickereien verziert sein.
  • Farben und Verzierungen: Rot ist die verbreitetste Farbe; Schwarz, Weiß oder andere Farben kommen regional vor. Die Quaste kann je nach Region, Funktion oder Rang unterschiedlich lang oder reich verziert sein.

Geschichte und Verbreitung

Im 19. Jahrhundert gewann der Fez große Bedeutung als Alltags- und Amtskleidung in der osmanischen Welt. Insbesondere Reformen unter Sultan Mahmud II. (frühes 19. Jahrhundert) trugen dazu bei, den Fez als modernes, einheitliches Kopfbedeckungsstück für Militär und Verwaltung zu etablieren. Während der Kolonialzeit wurde der Fez auch von europäischen Kolonialtruppen (z. B. französische Spahis, Tirailleurs) übernommen und in verschiedenen Varianten in Nordafrika und im Nahen Osten getragen.

Gleichzeitig war der Fez politisch aufgeladen: Anfang des 20. Jahrhunderts galt er in einigen Ländern als sichtbares Zeichen traditioneller bzw. religiöser Identität. In der Türkei wurde der Fez 1925 durch das von Mustafa Kemal Atatürk eingeführte Hutgesetz weitgehend verboten, um westlich geprägte Kleidungsnormen zu fördern. In vielen anderen Regionen verlor der Fez im 20. Jahrhundert als Alltagskleidung an Bedeutung, blieb aber als Symbol in zeremoniellen Kontexten erhalten.

Bedeutung und Verwendung

  • Alltags- und Amtsbekleidung: In der osmanischen Verwaltung und in städtischen Milieus war der Fez lange üblich.
  • Militär und Uniformen: Zahlreiche Militäreinheiten, besonders in Nordafrika und im Osmanischen Reich, trugen den Fez.
  • Religiöse und zeremonielle Nutzung: In einigen Regionen wird der Fez noch bei tradierten Ritualen, Feiern oder bei religiösen Würdenträgern getragen.
  • Fraternal- und Vereinskleidung: Organisationen wie die Shriners in den USA oder bestimmte Freimaurer-Gruppen übernahmen den Fez als Erkennungszeichen.
  • Tourismus und Souvenir: Der Fez ist heute auch beliebtes Souvenir und Symbol für orientalische/Darstellungen historischer Tracht.

Herstellung und Pflege

Traditionell wird der Fez aus gefilzter Wolle gearbeitet. Der Herstellungsprozess umfasst das Filzen, Formen und gegebenenfalls das Überziehen mit Stoff sowie das Anbringen der Quaste. Hochwertige Modelle sind sorgfältig verarbeitet, sitzen stabil und behalten ihre Form.

Pflegehinweise: Leichte Verschmutzungen können vorsichtig mit einer weichen Bürste entfernt werden. Stärker verschmutzte Modelle sollten von Fachleuten gereinigt werden, um die Form und Farbe zu erhalten. Feuchtigkeit kann Filz verformen, daher sind trockene Lagerung und schonender Umgang wichtig.

Heutige Bedeutung

Heute ist der Fez überwiegend ein kulturelles und historisches Symbol. In einigen Ländern und Gemeinschaften erscheint er bei traditionellen Festen, historischen Nachstellungen oder als Teil folkloristischer Trachten. Gleichzeitig bleibt der Fez ein vielseitiges Symbol: für lokale Identität, für osmanische Vergangenheit, oder — je nach Kontext — auch für ein nostalgisches Bild des Nahen Ostens in Tourismus und Popkultur.

Zusammenfassung: Der Fez/Tarboosh ist eine traditionelle Kopfbedeckung mit nordafrikanischen Wurzeln, die im 19. Jahrhundert durch die osmanische Welt verbreitet und institutionalisiert wurde. Er existiert in mehreren Formen (konisch, zylindrisch), wird meist aus Filz gefertigt und hat im Laufe der Zeit sowohl modische als auch politische Bedeutungen getragen. Heute ist er vor allem ein kulturelles und zeremonielles Zeichen.