Flexibilitätstraining: Definition, Vorteile & Übungen für Gelenke

Flexibilitätstraining: Effektive Übungen für bewegliche Gelenke, mehr Wohlbefinden & weniger Schmerzen – Definition, Vorteile und Praxisanleitungen für Alltag und Sport.

Autor: Leandro Alegsa

Flexibilitätstraining bezieht sich auf die Entwicklung eines großen Bewegungsbereichs in einem Gelenk oder einer Reihe von Gelenken. Dieser erweiterte Bewegungsumfang kann mit Hilfe des eigenen Körpers, eines Partners oder eines Geräts durch gezielte Anstrengung und regelmäßiges Üben erreicht und erhalten werden. Die menschliche Flexibilität ist nicht in allen Gelenken gleich: Manche Menschen erreichen relativ leicht einen tiefen Vorwärtsspagat (Frontspagat), tun sich aber schwer mit dem Seitspagat (Grätsche). Die Flexibilität einzelner Gelenke lässt sich bis zu einem gewissen Grad durch Dehnung und entsprechende Trainingsmethoden verbessern.

Was beeinflusst die Flexibilität?

  • Die Form der Gelenkflächen und knöcherne Strukturen
  • Dehnbarkeit von Muskeln, Sehnen und Bändern
  • Beweglichkeit der Gelenkkapsel
  • Neuromuskuläre Faktoren (Nervenspannung, Reflexe)
  • Temperatur, Alter, Geschlecht und Trainingszustand

Vorteile von Flexibilitätstraining

  • Verbesserte Bewegungsfreiheit im Alltag (z. B. Bücken, Reichen, Drehen)
  • Reduziertes Verletzungsrisiko durch größere Gelenkreichweite
  • Verbesserte Körperhaltung und Gleichgewicht
  • Schmerzlinderung bei muskulären Verspannungen
  • Verbesserte sportliche Leistung durch effizientere Bewegungsabläufe
  • Erhöhte Entspannungsfähigkeit und besseres Körpergefühl

Arten des Flexibilitätstrainings

  • Statisches Dehnen: Eine Stellung wird kontrolliert eingenommen und für 20–60 Sekunden gehalten. Gut nach dem Training oder zur gezielten Verbesserung der Länge.
  • Dynamisches Dehnen: Kontrollierte, schwungvolle Bewegungen durch den gesamten Bewegungsbereich (z. B. Beinpendeln). Gut als Teil des Aufwärmens.
  • PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation): Kombination aus Anspannen und Entspannen der Zielmuskulatur (z. B. 5–10 s Anspannung, 10–30 s Entspannung/Dehnung). Sehr effektiv zur schnellen Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Ballistisches Dehnen: Schnelle, federnde Bewegungen; in der Regel weniger empfohlen wegen höherem Verletzungsrisiko.

Grundregeln und Empfehlungen

  • Vor dem Dehnen aufwärmen: 5–10 Minuten leichte Aktivität (z. B. Gehen, Radfahren), besonders bei statischem Dehnen.
  • Keine ruckartigen Bewegungen machen; nicht gegen scharfe Schmerzen arbeiten — Dehnen darf ziehend, aber nicht schmerzhaft sein.
  • Halten: Für statisches Dehnen 20–60 Sekunden pro Position, 2–4 Durchgänge.
  • Frequenz: Mindestens 2–3 Mal pro Woche, besser täglich für nachhaltige Verbesserungen.
  • Atmung: Ruhig und gleichmäßig atmen, beim Dehnen nicht die Luft anhalten.
  • Individuell anpassen: Beweglichkeit ist gelenkspezifisch; vergleiche dich nicht ausschließlich mit anderen.
  • Bei Vorerkrankungen, Gelenkproblemen oder Unsicherheit ärztlichen Rat einholen.

Beispiele für Übungen nach Gelenken

  • Hals/Nacken: Kinn zur Brust führen, Seitenneigung zum Schulterblatt; jede Position 20–30 s halten. Langsame Schulterkreise zur Mobilisation.
  • Schultern: Arm vor dem Körper kreuzen und mit der anderen Hand anziehen (Posterior-Deltoid-Dehnung), Arm über Kopf beugen und mit dem anderen Arm ziehen (Latissimus/Trizeps); 20–30 s halten.
  • Brust/Brustwirbelsäule: Brustöffner an einer Wand oder mit einem Schaumstoffrollen-Rücken (Thoraxrotationen) für Mobilität der Wirbelsäule.
  • Hüfte: Hüftbeuger-Dehnung (Kniestand, ein Bein vorn, Becken nach vorn kippen), Gesäß- und Piriformis-Dehnung (z. B. liegender Fuß über Knie ziehen); 20–40 s halten.
  • Hamstrings (Oberschenkelrückseite): Sitzende Vorbeuge mit gestrecktem Bein oder liegender Beinheber mit Gurt; statisch 20–30 s, bei PNF: 5–10 s Anspannung, dann 10–30 s Dehnung.
  • Quadrizeps: Stehender Beinbeuger: Fuß in die Hand ziehen, Knie zusammenführen; 20–30 s halten.
  • Waden/Knöchel: Wandwade-Dehnung (gestrecktes und gebeugtes Knie für Gastrocnemius bzw. Soleus); 20–30 s halten.
  • Handgelenke: Handflächen auf dem Tisch, Fingerspitzen nach hinten/zu sich, sanftes Kippen zur Mobilisation.

Sicherheit und Kontraindikationen

  • Kein Dehnen bei akuten Entzündungen, frischen Verletzungen oder instabilen Gelenken ohne ärztliche Freigabe.
  • Bei bekannter Osteoporose, Bandscheibenproblemen oder Gelenklockerheit ärztliche Rücksprache empfohlen.
  • Nach Operationen oder bei starken Schmerzen erst nach Rehabilitation/ärztlicher Freigabe dehnen.

Flexibilitätstraining wurde lange Zeit unterschätzt und von vielen Gesundheitsberufen möglicherweise übersehen. Tatsächlich trägt die gezielte Verbesserung und Erhaltung eines guten Bewegungsumfangs in den Gelenken erheblich zur Lebensqualität bei: Alltagstätigkeiten werden leichter, Schmerzen und Verspannungen lassen sich reduzieren, und die Gesamtfunktionalität des Körpers bleibt länger erhalten. Ein gut strukturiertes, regelmäßiges Flexibilitätstraining ist damit ein wichtiger Baustein in jedem ganzheitlichen Gesundheits- und Fitnessprogramm.

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Fragen und Antworten

F: Was ist Flexibilitätstraining?


A: Beweglichkeitstraining ist eine Methode zur Entwicklung eines breiten Bewegungsumfangs eines Gelenks oder einer Reihe von Gelenken, der mit Hilfe eines Partners oder eines Geräts in einem kurzen Moment erreicht werden kann.

F: Ist die menschliche Beweglichkeit in allen Gelenken gleich?


A: Nein, die menschliche Beweglichkeit ist nicht in allen Gelenken gleich groß. Manche können problemlos Längsspagate ausführen, sind aber bei Querspagaten sehr schwer.

F: Kann die Beweglichkeit in einigen Gelenken durch Dehnen erhöht werden?


A: Ja, die Beweglichkeit einiger Gelenke kann bis zu einem gewissen Grad durch Dehnen verbessert werden.

F: Wurde das Beweglichkeitstraining von Fachleuten im Gesundheitswesen unterschätzt?


A: Ja, das Beweglichkeitstraining wurde lange Zeit unterschätzt und vielleicht von Fachleuten des Gesundheitswesens übersehen.

F: Welche Vorteile ergeben sich aus der Verbesserung und Aufrechterhaltung eines guten Bewegungsumfangs in den Gelenken?


A: Die Lebensqualität wird durch die Verbesserung und Aufrechterhaltung eines guten Bewegungsumfangs in den Gelenken erheblich verbessert.

F: Ist für das Beweglichkeitstraining ein Partner oder ein Gerät erforderlich?


A: Ja, das Beweglichkeitstraining erfordert einen Partner oder ein Gerät, um einen größeren Bewegungsumfang in einem Gelenk oder einer Reihe von Gelenken zu erreichen.

F: Wie kann man durch Beweglichkeitstraining einen größeren Bewegungsradius erreichen?


A: Ein breiterer Bewegungsradius in einem Gelenk oder einer Reihe von Gelenken kann durch Flexibilitätstraining mit Hilfe eines Partners oder eines Geräts erreicht werden.


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