Gouverneur Morris (31. Januar 1752 – 6. November 1816) war ein einflussreicher amerikanischer Politiker und Diplomat aus New York City. Er wurde in Morrisiana geboren und starb dort; diese Gegend gehört heute zur Bronx. Morris entstammte einer wohlhabenden Familie und erhielt seine formale Ausbildung am King's College in New York (heute Columbia University). In den 1770er Jahren vertrat er New York als Delegierter im Kontinentalkongress. In den 1780er Jahren zog er nach Philadelphia, wo er als Assistant Superintendent of Finance tätig war und an Fragen der Finanzierung des jungen Staates mitwirkte. Als Delegierter des Verfassungskonvents von Pennsylvania spielte Morris eine herausragende Rolle: er hielt rund 173 Reden – mehr als jeder andere Delegierte – und war Vorsitzender des "Committee of Style and Arrangement". In dieser Funktion verfasste er die heute berühmte Präambel sowie zahlreiche Formulierungen und präzisierende Abschnitte der Verfassung.

Politische Laufbahn und diplomatisches Wirken

Morris setzte sich zeitlebens für eine starke Zentralregierung ein und war überzeugt, dass die Bürger sich in erster Linie als Amerikaner und nicht primär als Angehörige ihres jeweiligen Staates sehen sollten. Er war an der Ausarbeitung wichtiger Verfassungsbestimmungen beteiligt und befürwortete ein starker Exekutive. Von 1792 bis 1794 diente er als Botschafter in Frankreich, eine Zeit, die mit den Unruhen der Französischen Revolution zusammenfiel und seine diplomatischen Fähigkeiten stark forderte. Später, von 1800 bis 1803, war er Mitglied des US-Senats.

Spätere Jahre, Engagement und Persönlichkeit

Im späteren Leben engagierte sich Morris auch in Infrastrukturprojekten und leitete eine Gruppe, die den Erie-Kanal förderte — ein Projekt von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Nordostens der jungen Vereinigten Staaten. Politisch wandte er sich gegen die Sklaverei und sprach sich für Beschränkungen und Reformen aus, wenngleich die Frage seiner persönlichen Haltung und seiner politischen Vorschläge in der Forschung differenziert bewertet wird. Morris war für seinen scharfen Verstand, seine offene Sprache und sein manchmal eigensinniges Auftreten bekannt.

Eine markante körperliche Besonderheit war sein Holzbein. Dafür existiert eine populäre, teils romantisierte Legende, nach der er das Bein nach einem Sturz aus einem Fenster infolge einer Affäre verloren habe; zeitgenössische Berichte und Forschungsarbeiten nennen jedoch andere Ursachen (u. a. Unfälle), und die genaue Entstehung der Verletzung ist historisch nicht völlig eindeutig. Unabhängig von der Ursache nutzte Morris später eine Prothese und blieb politisch und gesellschaftlich aktiv. Darüber hinaus ist Morris für sein umfangreiches Tagebuch bekannt, das wertvolle Einblicke in sein Leben, in die Debatten der Verfassunggebenden Versammlung und in die politischen Ereignisse seiner Zeit liefert.