Hayk (armenisch:Հայկ, auch Haik) ist in der armenischen Überlieferung die mythische Figur, die als Stammvater und Gründer der armenischen Nation gilt. Die bekannteste Darstellung der Erzählung findet sich in der Chronik des Historikers Moses Khorenatsi aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. und in zahlreichen späteren Bearbeitungen der armenischen Tradition und Legende. Die Bezeichnung des Namens ist im armenischen Sprachraum bis heute zentral.
Herkunft und Genealogie
- In manchen Quellen erscheint Hayk als "Prinz der sieben Brüder".
- Er wird in zeitgenössischen Nacherzählungen oft in Beziehung gesetzt zu großen mythischen Gestalten wie dem Riesen Nimrod, der als erster die Welt als König beherrscht haben soll.
Die Legende: Hayk gegen Bel (Nimrod)
Die überlieferte Erzählung schildert, wie Hayk sich von der zentralen Macht in Babylon lossagt und in die Berge des Nordostens zieht. Wichtige Stationen der Sage sind:
- Aufbruch aus Babylon mit Familie und Gefolgsleuten, weil der Tyrann Bel (in vielen Fassungen mit Nimrod identifiziert) sich zum Alleinherrscher erklärt.
- Ansiedlung in der Gegend des Ararat und Gründung des Dorfes Haykashen. Auf dem Weg übernimmt sein Enkel Cadmus ein Gebiet.
- Konflikt mit Bel: Dieser schickt Boten, Hayk solle nach Babylon zurückkehren; Hayk lehnt ab. Bel zieht mit einer großen Armee gegen ihn.
- Hayk sammelt seine Streitkräfte am Ufer des Van-Sees und erklärt, man müsse Bel besiegen oder für die Freiheit sterben, um nicht seine Sklaven zu werden.
- In der entscheidenden Schlacht auf einem Berg (nach Moses: bei Dastakert) tötet Hayk mitten im Gefecht Bel mit einem einzigen Glückspfeil; Bels Heer gerät in Verwirrung und wird geschlagen (Schlacht).
Archäologie, Historische Deutungen und alternative Lesarten
Die Historisierbarkeit der Legende ist umstritten. Verschiedene Autoren haben versucht, die Erzählung mit realen Ereignissen oder lokalhistorischen Traditionen zu verknüpfen. Varianten datieren die Schlacht an unterschiedlichen Orten (etwa bei Dyutsaznamart nahe Julamerk südöstlich des Van-Sees) und in sehr verschiedenen Zeiträumen.
- Nach der Sage entstand nach der Schlacht eine Burg mit dem Namen Haykaberd und Siedlungen wie Haykashen.
- In alten fremden Quellen ist die Region ebenfalls belegt: hethitische Texte nennen ein Land Hayasa, und es gibt Hinweise auf Kontakte mit den Hethitern, die in der Forschung immer wieder im Zusammenhang mit frühen Namen der Gegend diskutiert werden.
Toponymie und kulturelles Erbe
Aus dem Namen Hayk leitet sich die Selbstbezeichnung der Armenier ab: im Armenischen heißt das Land traditionell Hayastan und das Volk Hay. Die Figur Hayk dient in der armenischen Identitätsbildung als mythischer Stammvater und Symbol für Unabhängigkeit und Widerstand.
Astronomische und literarische Bezüge
In der armenischen Überlieferung erscheint Hayk auch in astronomischen Bezügen: Er ist der Name des Sternbildes Orion in einigen Fassungen der armenischen Bibel, wobei Stellen wie Hiob 38:31 in älteren Kommentaren zur Identifikation herangezogen werden.
Quellenlage und Forschungshinweise
Die Hauptquelle für die klassische Erzählung ist die Chronik von Moses Khorenatsi, ergänzt durch mittelalterliche Chronisten und lokale Traditionen. Moderne Forschungen trennen streng zwischen literarischer Überlieferung und historischer Rekonstruktion; archäologische Belege, die die Gestalt Hayk als historische Person bestätigen, fehlen bislang.