Das HM Prison Pentridge war ein australisches Gefängnis, das 1850 in Coburg, Victoria, gebaut wurde. Die ersten Gefangenen kamen 1851 an. Das Gefängnis wurde am 1. Mai 1997 geschlossen.
Pentridge war oft unter den Spitznamen "The Bluestone College", "Coburg College" oder "College of Knowledge" bekannt. Das Gelände wurde ursprünglich von dem bekannten Landschaftsgärtner Hugh Linaker angelegt. Seit seiner Schließung wurde ein Großteil des Gefängnisses abgerissen, um Platz für eine Wohnsiedlung zu schaffen. Es wurden große Gebäude gebaut, und ein moderner Wohnblock mit 16 Stockwerken ist in Planung.
Der nördliche Teil des Gefängnisses wird von der Valad Property Group und die anderen Bereiche von Pentridge Village entwickelt. Dem National Trust missfallen die von Heritage Victoria genehmigten Entwicklungspläne. Diese Pläne sehen den Abriss von Teilen der Außenmauern und den Bau von Wohnungen zwischen den historischen Gefängnisgebäuden vor.
Geschichtlicher Überblick
Pentridge gehörte zu den bedeutenden Strafanstalten im Bundesstaat Victoria und war über mehr als ein Jahrhundert in Betrieb. Die Anlage wurde aus lokalem Blaustein (Basalt) errichtet – daher auch der Spitzname "Bluestone College". Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Abteilungen (sogenannte Yards oder Divisions) ergänzt und bauliche Erweiterungen vorgenommen, um den wechselnden Anforderungen des Strafvollzugs gerecht zu werden.
Bauliche Besonderheiten
- Die massiv gemauerten Außenmauern und die blauen Basaltblöcke prägen das Erscheinungsbild.
- Innerhalb der Anlage gab es unterschiedliche Bereiche für verschiedene Sicherheitsstufen, Verwaltungsgebäude, Werkstätten und eine Kapelle.
- Die Garten- und Parkanlagen wurden teilweise von Hugh Linaker gestaltet, was dem Gelände einen ungewöhnlichen Charakter für ein Gefängnis verlieh.
Berühmte Insassen und Ereignisse
Pentridge beherbergte im Laufe der Zeit zahlreiche bekannte Straftäter. Besonders bekannt ist die Anlage für die Hinrichtung von Ronald Ryan im Jahr 1967 – die letzte vollstreckte Todesstrafe in Australien. Ebenfalls mit dem Strafvollzug in Victoria und Pentridge verbunden sind Figuren wie Mark "Chopper" Read, die das Bild der Anstalt in der öffentlichen Wahrnehmung prägten.
Schließung und Umnutzung
Nach der Schließung 1997 blieben viele Teile der Anlage leer oder verfielen. In den folgenden Jahren begann eine sukzessive Umnutzung: Einige Gebäude wurden abgerissen, andere saniert und in Wohnraum, Büros, Kultur- und Gewerbeflächen umgewandelt. Unter dem Namen "Pentridge Village" entstanden Gastronomie-, Einzelhandels- und Veranstaltungsflächen sowie Wohnungen.
Denkmalschutz und Kontroversen
Die Umnutzung ist umstritten: Während Entwickler Teile der Anlage modernisieren und neue Wohnbauten errichten möchten, mahnen Denkmalpfleger und Organisationen wie der National Trust zur Erhaltung historischer Strukturen. Kritik richtet sich vor allem gegen den Abbruch von Außenmauern, den Bau hoher Neubauten innerhalb der historischen Anlage und Eingriffe, die das Gefängnisensemble entstellen könnten. Heritage Victoria hat für bestimmte Bereiche Auflagen erteilt, doch bleiben Spannungen zwischen Entwicklung und Erhalt bestehen.
Heute: Besichtigung, Kultur und Erinnerung
Heute ist Pentridge kein funktionierendes Gefängnis mehr, sondern ein gemischt genutztes Areal. Besucher finden dort neben Wohngebäuden auch Gastronomie, Kunst- und Veranstaltungsräume. Verschiedene Initiativen bemühen sich, die Geschichte der Stätte sichtbar zu halten – durch Informationsangebote, geführte Touren (zeitweilig angeboten) und die Erhaltung einzelner historischer Gebäude. Die Umgestaltung soll einerseits neuen Wohn- und Gewerberaum schaffen, andererseits Raum bieten, die komplexe Geschichte des Ortes nicht zu vergessen.
Die Debatte um Pentridge ist ein typisches Beispiel für die Herausforderung, historische Strafanstalten in dichten Wohnraum umzuwandeln: Wie bewahrt man Erinnerungsorte und Denkmale, während man einer Stadt neuen Wohnraum und wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten schafft?



