Die Impfung (auch als Variolation bekannt) ist eine historische Methode, um Menschen gegen Pocken immun zu machen. Im Gegensatz zu einem Impfstoff wird bei der Impfung infiziertes Material (z. B. Schorf oder Eiter aus Pockenpusteln) von einem erkrankten Patienten verwendet, das in die Haut eingeritzt oder als Pulver eingeatmet wurde. Ziel war, eine bewusst herbeigeführte, meist mildere Erkrankung zu erzeugen, die dauerhaften Schutz gegen spätere, schwere Pockeninfektionen gewährt.

Wie die Variolation durchgeführt wurde

Die Technik variierte regional: In manchen Regionen wurde frisches Material aus Pockenpusteln unter die Haut geritzt (Inokulation), in anderen sorgte man für eine Naseninsufflation von getrockneten Schorfpartikeln. Die Patientinnen und Patienten entwickelten daraufhin meist leichte bis moderate Symptome, die in den meisten Fällen zu einer Immunität führten. Diese Praxis ist seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen nachweisbar (u. a. in China, Indien, dem Osmanischen Reich und Teilen Afrikas) und wurde im Europa des 18. Jahrhunderts weiter verbreitet.

Vorteile und Risiken

  • Vorteil: Die Sterblichkeit nach Variolation lag deutlich unter der der natürlich auftretenden Pocken; historische Schätzungen nennen etwa 0,5%–2% im Gegensatz zu rund 35% bei unbehandelten Pockenfällen.
  • Risiko: Weil echtes Pockenvirus übertragen wurde, konnten variolierte Personen selbst andere anstecken und gelegentlich schwere Verläufe entwickeln. Zudem war die Qualität des verwendeten Materials nicht kontrollierbar, und sekundäre Ausbrüche waren möglich.

Übergang zur modernen Impfung

Die Variolation wurde in Europa bekannt, unter anderem durch Berichte von Reisenden wie Lady Mary Wortley Montagu. Anfang 1796 führte Edward Jenner eine neue Methode ein: Er benutzte Material von Kuhpocken (Vaccinia), das beim Menschen meist nur eine milde Erkrankung verursachte, aber ebenfalls Schutz gegen die gefährlicheren Pocken ermöglichte. Jenner prägte damit die Grundlage des modernen Impfens; der Begriff Impfstoff leitet sich etymologisch von "vacca" (lateinisch: Kuh) ab.

Historische Bedeutung und Folgen

Die Einführung der Impfung (im modernen Sinn) führte zu einer sichereren Alternative zur Variolation und trug langfristig zur Ausrottung der Pocken bei. Dank globaler Impfkampagnen erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1980 die Pocken als ausgerottet — ein Meilenstein der öffentlichen Gesundheit. Die Variolation bleibt historisch wichtig, weil sie das frühe Verständnis von Immunität und die Bereitschaft, durch gezielte Exposition Schutz zu erreichen, dokumentiert.

Relevanz heute

Heutzutage wird Variolation nicht mehr praktiziert, weil moderne Impfstoffe deutlich sicherer und kontrollierter sind. Historisch ist die Methode jedoch bedeutsam für das Verständnis der Entwicklung von Immunologie, Impfstrategien und öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen.