Internet Explorer (IE); früher bekannt als Microsoft Internet Explorer und Windows Internet Explorer, war eine Reihe von grafischen Webbrowsern von Microsoft. Ab 1995 war er Teil des Betriebssystems Microsoft Windows. In jenem Jahr wurde er erstmals als Teil des Zusatzpakets Microsoft Plus! für Windows 95 veröffentlicht. Spätere Versionen waren kostenlose Downloads oder in Service Packs enthalten und in Versionen von Windows 95 und späteren Versionen von Windows enthalten. Der Internet Explorer hat in den folgenden Jahren viele grundlegende Browser-Funktionen eingeführt und wurde eng mit der Windows-Plattform verknüpft.

Der IE ist seit 1999 der beliebteste Webbrowser, mit einem Nutzungsanteil von bis zu 95 % in den Jahren 2002/2003 mit IE5 und IE6. Seit dem Höhepunkt seiner Popularität ist sein Nutzungsanteil aufgrund konkurrierender Webbrowser auf 55% gesunken und geht langsam zurück. Microsoft gab in den späten 1990er Jahren über 100 Millionen Dollar pro Jahr für den IE aus, und bis 1999 arbeiteten über 1000 Personen daran. Der starke Rückgang der Marktanteile begann mit dem Aufkommen von Konkurrenten wie Netscape, später Firefox (ab 2004) und vor allem Google Chrome (ab 2008), die schnell an Popularität gewannen.

Versionen, Plattformen und Kompatibilität

Die neueste Version ist Internet Explorer 11. Microsoft veröffentlichte mehrere IE-Varianten für unterschiedliche Plattformen: es gab eine eingebettete OEM-Version mit der Bezeichnung Internet Explorer für Windows CE (IE CE), Internet Explorer für Pocket PC (später Internet Explorer Mobile) für Windows Mobile und Windows CE, sowie früher verfügbare Versionen für Mac und UNIX (Solaris und HP-UX). Einige dieser Ableger, etwa Internet Explorer für Mac und für UNIX, wurden später eingestellt. Desktop-Versionen entwickelten sich unabhängig weiter und unterschieden sich teilweise stark in Funktionsumfang und Rendering-Verhalten.

Technische Merkmale und Besonderheiten

  • Rendering-Engine: Internet Explorer nutzte die Trident-Engine (auch MSHTML genannt), die das Layout von HTML und CSS interpretierte. Trident war zentral für die Art und Weise, wie viele Webanwendungen auf Windows-Geräten dargestellt wurden.
  • JavaScript-Engine: Ab IE9 setzte Microsoft die Chakra-JavaScript-Engine ein, die die Performance von Skripten deutlich verbesserte.
  • ActiveX und proprietäre Erweiterungen: Der IE unterstützte ActiveX-Steuerelemente und zahlreiche Microsoft-spezifische Erweiterungen. Das vereinfachte die Integration von Windows-Desktop-Funktionen, führte aber auch zu Kompatibilitäts- und Sicherheitsproblemen mit plattformübergreifenden Webstandards.
  • Fortschritte in neueren Versionen: Ab IE8 verbesserten sich Standardsupport und Entwicklerwerkzeuge (die F12-Entwicklertools), IE9 brachte Hardwarebeschleunigung und besseren HTML5-Support, später folgten weitere Optimierungen.

Sicherheitskritik, Standards und Rechtsstreit

Internet Explorer stand im Laufe seiner Geschichte wegen mehrerer Punkte in der Kritik: unvollständige oder proprietäre Unterstützung von Webstandards, regelmäßige Sicherheitslücken (teilweise als Folge der ActiveX-Architektur) und die enge Integration in Windows, die gelegentlich als wettbewerbsbeschränkend betrachtet wurde. Letzteres war Gegenstand bedeutender wettbewerbsrechtlicher Auseinandersetzungen (z. B. United States v. Microsoft und ähnliche Verfahren in anderen Regionen), weil die Kopplung des Browsers an Windows von Konkurrenten als Behinderung angesehen wurde.

Verbreitung, Bedeutung für Entwickler und Unternehmen

Aufgrund seiner marktbeherrschenden Stellung in den 2000er Jahren prägte der Internet Explorer die Webentwicklung nachhaltig: viele Webseiten und Unternehmensanwendungen wurden speziell für den IE (und seine Eigenheiten wie ActiveX oder bestimmte CSS-/DOM-Implementierungen) optimiert. Das führte später zu Kompatibilitätsproblemen, als sich die Browser-Landschaft diversifizierte und moderne, standardsorientierte Browser Verbreitung fanden. Gleichzeitig blieb der IE lange Zeit in vielen Unternehmen wegen firmenspezifischer Legacy-Anwendungen im Einsatz.

Übergang zu Microsoft Edge und Ende des IE-Desktop‑Browsers

Die neueste Version von Windows, Windows 10, wird mit einem neuen Webbrowser namens Microsoft Edge geliefert. Internet Explorer 11 ist immer noch enthalten, soll aber für Sites verwendet werden, die mit der neuen Rendering-Engine in Microsoft Edge nicht richtig funktionieren. Microsoft hat darüber hinaus in Edge einen Kompatibilitätsmodus („IE-Modus“) implementiert, um ältere Unternehmensanwendungen, die auf Trident/IE angewiesen sind, weiter zu unterstützen. Gleichzeitig hat Microsoft in den folgenden Jahren den klassischen Internet Explorer schrittweise auslaufen lassen: der Desktop‑Internet Explorer wurde offiziell zurückgezogen und nicht mehr aktiv weiterentwickelt; Unternehmen werden auf Edge mit IE‑Modus verwiesen, wobei Microsoft Zusagen zur Unterstützung des IE‑Kompatibilitätsmodus für eine Übergangszeit machte.

Bedeutung und Vermächtnis

Der Internet Explorer spielte eine zentrale Rolle in der Verbreitung des Internets auf Desktop-Computern und prägte das Nutzer‑ und Entwicklerverständnis vieler Webtechniken. Er beschleunigte die Verbreitung des Internets durch die enge Integration in Windows, war aber zugleich Auslöser für eine stärkere Betonung offener Webstandards, da die Entwicklergemeinschaft auf interoperable Lösungen drängte. Auch wenn der Marktanteil heute deutlich gesunken ist, bleibt der IE als historisch bedeutsamer Browser und als Ursache für viele technische und regulatorische Entwicklungen in Erinnerung.

Für Nutzer und Administratoren gilt heute: moderne, sicherere und standardkonforme Browser (wie Microsoft Edge, Google Chrome oder Mozilla Firefox) sind empfohlen. Wo legacy‑abhängige Anwendungen weiterhin auf IE‑Technik basieren, bietet der IE‑Modus in Edge eine Übergangslösung, damit kritische Unternehmens‑Workloads auch künftig funktionieren.