Kars (Provinz, Türkei) – Lage, Geschichte und Bedeutung an der Grenze
Kars (Provinz, Türkei): Grenzregion zur Republik Armenien mit bewegter Geschichte von russischer Herrschaft bis Vertrag von Kars – strategische Lage, Kultur und Bedeutung entdecken.
Kars ist eine Provinz der Türkei. Sie liegt im nordöstlichen Teil des Landes. Sie teilt einen Teil ihrer Grenze mit der Republik Armenien.
Von 1878 bis 1917 gehörte der größte Teil der heutigen türkischen Provinz Kars zum russischen Oblast Kars.
In den Jahren 1919 und 1920 kam die Provinz als Provinz Vanand (mit der Stadt Kars als Hauptstadt) unter die Kontrolle der Demokratischen Republik Armenien. Ihr Territorium wurde von der Sowjetunion mit dem Vertrag von Kars an die Türkei abgetreten.
Lage und Verwaltung
Kars liegt auf einem Hochplateau im äußersten Nordosten der Türkei, an der Grenze zum Kaukasusraum. Die Provinz grenzt innerhalb der Türkei unter anderem an die Provinzen Ardahan (die bis 1992 Teil von Kars war), Erzurum und Ağrı. Die Provinzhauptstadt ist die Stadt Kars, die auf etwa 1.700–1.800 Metern Meereshöhe liegt. Durch die Randlage zur Republik Armenien hat Kars eine strategische Bedeutung für die türkische Außen- und Sicherheitspolitik.
Geschichtlicher Überblick
Das Gebiet um Kars war schon in der Antike und im Mittelalter Teil verschiedener Reiche und Herrschaften (u. a. Urartu, armenische Fürstentümer, byzantinische und seldschukische Einflüsse). Im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit wechselten Machtverhältnisse zwischen osmanischen und persischen bzw. kaukasischen Kräften. Unter der osmanischen Herrschaft war Kars eine Grenzprovinz mit Festungen und Grenzfestungen.
Nach dem Russisch‑Türkischen Krieg 1877/78 kam die Region durch den Berliner Kongress unter russische Verwaltung und bildete als Oblast Kars einen Teil des Russischen Reiches (1878–1917). Nach dem Zusammenbruch des Zarenreichs und den Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Region zeitweise unter Kontrolle der kurzlebigen Demokratischen Republik Armenien (als Provinz Vanand). In der Folgezeit kam es zu Kämpfen zwischen türkischen nationalistischen Kräften und armenischen Truppen; die Grundlage der heutigen Staatsgrenze wurde schließlich politisch mit dem Vertrag von Kars (1921) geregelt, in dem die sowjetischen Transkaukasischen Republiken und die Sowjetregierung die Grenzziehung mit der Türkei bestätigten.
Im 20. Jahrhundert veränderten sich die Verwaltungsgliederung und die demografische Zusammensetzung durch Umsiedlungen, Kriege und Grenzschließungen. Die seit 1992 eigenständige Provinz Ardahan wurde zuvor aus Teilen der Provinz Kars gebildet.
Geographie und Klima
Kars liegt auf einem Hochplateau mit weiten Ebenen, Hügeln und mehreren Gebirgszügen. Typisch sind große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter: Die Winter sind lang und sehr kalt mit starkem Schneefall, die Sommer kurz und trocken. In der Region gibt es Seen und Flussläufe; bekannt ist etwa der See Çıldır und die Hochlagen um Sarıkamış, die auch als Wintersportregion genutzt werden.
Bevölkerung und Kultur
Die Bevölkerung der Provinz ist heute überwiegend türkischsprachig; es gibt zudem kurdische und azerische Minderheiten sowie historische Spuren armenischer, russischer und kaukasischer Kulturen. Die wechselvolle Geschichte hat zu einer vielfältigen Kulturlandschaft geführt: orthodoxe und armenische Kirchen, russische Verwaltungsbauten aus dem 19. Jahrhundert sowie osmanische Architektur finden sich in und um die Stadt Kars.
Wirtschaft und Verkehr
- Agrarwirtschaft und Viehzucht sind wichtige Säulen der regionalen Wirtschaft (z. B. Kartoffeln, Getreide, Schaf- und Rinderhaltung).
- Die Region ist bekannt für Milcherzeugnisse wie den sogenannten Kars‑Käse und traditionelle lokale Spezialitäten.
- Wirtschaftlich wichtig sind zudem Forstwirtschaft, Bergbau an einigen Stellen und der Tourismus.
- Verkehrstechnisch bekam Kars durch die internationale Eisenbahnverbindung Baku–Tbilisi–Kars (Baku–Tiflis–Kars) größere Bedeutung als Bahnknoten zur Anbindung an die Südkaukasus‑Region. Die Grenznähe beeinflusst Handel und Transit, sofern politische Rahmenbedingungen dies zulassen.
Sehenswürdigkeiten und Bedeutung
- Ani – Die Ruinenstadt Ani, nahe der Grenze zu Armenien, ist ein bedeutendes mittelalterliches Kulturdenkmal (ehemalige Hauptstadt armenischer Königreiche) und zieht Touristen und Forschende an.
- Kars – Die Stadt Kars mit ihrer Zitadelle, russischen Bauten aus dem 19. Jahrhundert und traditionellen Vierteln bietet ein eindrucksvolles Stadtbild.
- Sarıkamış – Bekannt als Wintersportgebiet und historischer Schauplatz der Schlacht von Sarıkamış (Erster Weltkrieg), mit Gedenkstätten und Skizentren.
- Natur – Seen wie der Çıldır‑See und die weiten Hochplateaus bieten Möglichkeiten für Winter‑ und Sommertourismus.
Politische und geopolitische Bedeutung
Die Lage an der Grenze zu Armenien macht Kars politisch sensibel: Die Grenze zwischen der Türkei und Armenien ist seit den 1990er Jahren zu großen Teilen geschlossen, was die grenznahe Wirtschaft und lokale Kontakte beeinflusst. Zugleich ist Kars aufgrund seiner Nähe zum Südkaukasus und durch neue Verkehrsprojekte (z. B. die Eisenbahnverbindung) ein wichtiger Standort für Verbindungen zwischen der Türkei und den Kaukasusstaaten.
Insgesamt verbindet die Provinz Kars historische Bedeutung, kulturelle Vielfalt und eine strategische Lage an der Schnittstelle zwischen anatolischer Hochebene und Kaukasus — Eigenschaften, die für Politik, Wirtschaft und Tourismus weiterhin relevant sind.
Distrikte
Die Provinz Kars ist in 8 Distrikte (ilçe) unterteilt, die jeweils nach dem Verwaltungszentrum des Distrikts benannt sind:
- Akyaka
- Arpaçay
- Digor
- Kağızman
- Kars
- Sarıkamış
- Selim
- Susuz
Es gibt 383 Dörfer in Kars.
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