Maya-Kalender: Aufbau, Geschichte und Bedeutung der Maya-Zeitrechnung

Maya-Kalender: Aufbau, Geschichte & Bedeutung der präkolumbianischen Zeitrechnung – Ursprung, Struktur, Rituale und heutige Relevanz verständlich erklärt.

Autor: Leandro Alegsa

Der Maya-Kalender ist ein System von Kalendern und Almanachs, das in der Maya-Zivilisation des präkolumbianischen Mesoamerika und in einigen modernen Maya-Gemeinschaften im Hochland von Guatemala verwendet wurde.

Er weist viele Gemeinsamkeiten mit den Kalendern anderer früherer mesoamerikanischer Zivilisationen wie der zapotekischen und olmekischen sowie zeitgenössischer oder späterer Kulturen wie den mixtekischen und aztekischen Kalendern auf. Obwohl der mesoamerikanische Kalender seinen Ursprung nicht bei den Maya hatte, waren die späteren Erweiterungen und Verfeinerungen des mesoamerikanischen Kalenders am raffiniertesten. Zusammen mit denen der Azteken sind die Maya-Kalender die am besten dokumentierten und am vollständigsten verstandenen.

Aufbau: die verschiedenen Kalenderzyklen

Das maya-kalendermodell besteht aus mehreren ineinandergreifenden Zyklen, die unterschiedliche Zwecke erfüllen:

  • Tzolkʼin (260 Tage): Ein ritueller Zyklus aus 13 Zahlen und 20 Tagesnamen, deren Kombination einen 260-tägigen Zyklus ergibt. Er diente vor allem religiösen und schicksalsbezogenen Berechnungen, der Bestimmung von Ritualdaten und der Namensgebung.
  • Haabʼ (365 Tage): Der zivile Sonnenkalender mit 18 Monaten zu je 20 Tagen (=360) plus einer Nachlaufperiode von 5 Tagen, genannt Wayebʼ. Die Haab-Monate regelten landwirtschaftliche Tätigkeiten und Verwaltung.
  • Calendar Round (≈52 Jahre): Die Kombination von Tzolkʼin und Haabʼ ergibt einen Zyklus von 18.980 Tagen (ungefähr 52 Haab-Jahre), nach dessen Ablauf dieselbe Kombination von rituellem Datum und Sonnenjahr wiederkehrt.
  • Langzählung (Long Count): Ein linearer Zählmechanismus, der lange Zeiträume eindeutig datiert. Er arbeitet im Wesentlichen mit einer vigesimalen (Basis-20) Gliederung, die an zweiter Stelle abgeändert ist (siehe Auflistung der Einheiten unten).

Die Einheiten der Long Count

  • 1 Kin = 1 Tag
  • 1 Uinal = 20 Kin = 20 Tage
  • 1 Tun = 18 Uinal = 360 Tage
  • 1 Katun = 20 Tun = 7.200 Tage
  • 1 Baktun = 20 Katun = 144.000 Tage

Die Long Count-Notation etwa 9.16.4.1.0 gibt so eine eindeutige Tagesanzahl seit dem Zählbeginn an.

Kalenderrechnung, Null und Korrelation

Die Maya benutzten ein Stellenwertsystem mit einem expliziten Zeichen für die Null — eines der frühesten bekannten Beispiele für die Null als Platzhalter in der Menschheitsgeschichte. Um die Long Count‑Daten mit unserem gregorianischen Kalender zu verbinden, verwenden Wissenschaftler Korrelationen. Am gebräuchlichsten ist die sogenannte Goodman-Martínez-Thompson-(GMT)-Korrelation (JDN 584283), nach der der Long-Count-Nullpunkt auf den 11. August 3114 v. Chr. (proleptischer gregorianischer Kalender) fällt. Auf dieser Grundlage entspricht das Long-Count-Datum 13.0.0.0.0 dem 21. Dezember 2012 n. Chr.

Es besteht zwar eine breite Übereinstimmung für die GMT-Korrelation, aber es gibt auch alternative Korrelationen und Debatten über Details; deshalb sind präzise historische Datierungen weiterhin Gegenstand der Forschung.

Funktionen und Anwendungen

  • Rituelle Planung: Bestimmung günstiger Tage für Zeremonien, Opfer, Herrscherkrönungen und religiöse Handlungen (vor allem über den Tzolkʼin).
  • Agrarische und zivile Organisation: Haabʼ-Monate regulierten Aussaat, Ernte und Verwaltung.
  • Historische Chronologie: Die Long Count erlaubt Archäologen, Inschriften und Ereignisse über Jahrhunderte exakt zu datieren.
  • Astronomie: Maya-Kalenderrechnungen enthalten detaillierte Beobachtungen von Venus-, Sonnen- und Mondzyklen; die Maya führten genaue Tabellen zur Vorhersage von Himmelsereignissen.
  • Personal- und Namensgebung: Tageszeichen des Tzolkʼin wurden traditionell zur Namensgebung von Kindern und zur Charakterdeutung verwendet.

Quellen und Darstellung

Maya-Kalenderdaten finden sich in Inschriften auf Stelen, Altären, Tempelfassaden und in den wenigen erhaltenen Codices (z. B. Dresdner Codex, Madrid-Codex, Pariser Codex). Die Kalenderinformationen werden oft in Glyphen geschrieben, die Zahlen (Punkte und Striche) und symbolische Tagesnamen kombinieren.

Bedeutung heute und verbreitete Missverständnisse

In modernen Maya-Gemeinschaften werden Teile des traditionellen Kalenders weiterhin für Zeremonien, Festtage und kulturelle Identität verwendet. Gleichzeitig hat die populäre Fehlinterpretation des Long Count den Mythos genährt, die Maya hätten ein apokalyptisches Ende für 2012 vorausgesagt; tatsächlich markiert das Datum lediglich das Ende eines baktun‑Zyklus und den Beginn eines neuen Zyklus.

Forschung und offene Fragen

Wissenschaftler arbeiten weiterhin daran, regionale Varianten der Kalendersysteme besser zu verstehen, die genaue Anwendung astronomischer Tabellen zu rekonstruieren und Textpassagen in Inschriften vollständig zu deuten. Neue Forschungen in Epigraphik, Archäoastronomie und Ethnographie tragen dazu bei, die Komplexität und den kulturellen Kontext der Maya-Zeitrechnung immer klarer zu machen.

Zusammenfassung: Der Maya-Kalender ist ein mehrschichtiges System religiöser, landwirtschaftlicher und historischer Zeitrechnung. Seine Kombination aus rituellen Zyklen (Tzolkʼin), einem Sonnenjahr (Haabʼ) und einer linearen Langzählung macht ihn zu einem der ausgefeiltesten Kalendersysteme der präkolumbianischen Welt. Er ist sowohl Gegenstand wissenschaftlicher Forschung als auch lebendige Tradition in heutigen Maya-Gemeinschaften.

Maya-Kalender von Matthew BisanzZoom
Maya-Kalender von Matthew Bisanz

Arten

Es gibt drei Maya-Hauptkalender: den 260-tägigen rituellen Kalender, der Tzolk'in genannt wird, den 365-tägigen Haab' und die Lange Zählung. Es vergehen etwa 52 Jahre, bevor der Haab- und der Tzolkin-Kalender zusammenfließen und wieder in der gleichen Ausrichtung stehen. Dies wird die Kalenderrunde genannt. Der Tzolk'in wird noch heute von den Ixil, Kek'chi und Quiche im guatemaltekischen Hochland verwendet.

Hier ist ein Beispiel für ein Datum des Maya-Kalenders: 18.12.16.2.6, 3 Cimi 4 Zotz. Der "12.18.16.2.2.6" ist die Lange Zählung. Von rechts nach links gehend sind die Einheiten: kin (1 Tag), uinal (20 kin = 20 Tage), tun (18 uinal = 360 Tage), katun (20 tun = ungefähr 20 Jahre), baktun (20 katun = 394 Jahre). Die Lange Zählung wurde verwendet, um Zeiträume zu verfolgen, die länger als die 52 Jahre der Kalenderrunde waren. Das mythische Anfangsdatum der aktuellen Schöpfung war der 11. August 3114 v. Chr. (gregorianisch). "3 Cimi" ist das Tzolkin-Datum. Das Tzolkin-Datum ist eine Kombination von dreizehn Tagen, die mit einem dreizehn- und zwanzig-Tage-Namen numeriert sind. "4 Zotz" ist das Haab'sche Datum. Das Haab'-Jahr enthält 18 Monate (jeweils benannt) mit jeweils 20 Tagen. Die Zahl vor dem Wort ist der Tag des jeweiligen Monats. Die Maya fügten dann fünf Tage zum Kalender hinzu, nachdem der letzte Monat, Cumku, endet, um das Jahr 365 Tage lang zu machen. Diese fünf Tage, die "Uayeb" genannt werden, wurden als unglücklich angesehen.

21. Dezember 2012

Ein weit verbreiteter Mythos über den Maya-Kalender war, dass er das Ende derWelt für den 21. Dezember 2012 vorhersagte. Dieser Glaube war ein Irrtum. Den Maya zufolge gab es drei frühere Welten. Die erste begann mit "der Erschaffung der Erde, und auf ihr befanden sich Vegetation und Lebewesen. Leider konnten die Vögel und Tiere den Göttern nicht huldigen und wurden vernichtet, weil ihnen die Sprache fehlte. Im zweiten und dritten Zeitalter erschufen die Götter die Menschen aus Lehm und dann aus Holz, aber auch diese gefielen nicht und wurden ausgelöscht. Das "Nulldatum" 13.0.0.0.0.0 auf der Langen Zählung war, als nach den Maya die dritte Welt endete und die vierte, die heutige Welt, begann. Weitere 13.0.0.0.0.0.0 würden am 21. Dezember 2012 eintreten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Lange Zählung am 13.0.0.0.0.0.0 enden würde oder dass die Maya glaubten, dass dies das Datum der Apokalypse sein würde. Dennoch haben eine Reihe populärer Bücher und Filme dazu beigetragen, dass die angebliche Vorhersage des Weltuntergangs im Jahr 2012 durch den Maya-Kalender in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Einige Gläubige[wer?] haben diese Publicity ausgenutzt, um Führer zum Überleben der Apokalypse zu verkaufen.



Suche in der Enzyklopädie
AlegsaOnline.com - 2020 / 2025 - License CC3